Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1004/74245.html    Veröffentlicht: 01.04.2010 16:56    Kurz-URL: https://glm.io/74245

HD+: Aufnahme und Timeshift ja, Vorspulen nein

Astra nennt Bedingungen für Festplattenreceiver und Prosieben und RTL in HD

Nach einem halben Jahr Verwirrungen und Spekulationen nennt die HD Plus GmbH endlich konkrete Bedingungen für den Empfang von kostenpflichtigen Privatsendern mit Festplattenreceivern. Die bisher vermutete Aufzeichnungssperre greift nur bei Geräten mit CI-Plus-Slot, bei anderen nicht. Das Durcheinander wird damit noch größer.

In einer kurz vor Ostern 2010 verbreiteten Pressemitteilung (PDF) mit dem Titel "Service: Empfang von HD+ und Aufnahmemöglichkeiten" führt die Tochter HD Plus des Satellitenbetreibers SES Astra detailliert auf, was mit welchen Empfangsgeräten möglich sein soll. Seit September 2009, als die Pläne für HD+ bekanntwurden, kursierten zahlreiche Horrorszenarien, die weder HD+ noch Astra, weder die Privatsender noch die Hersteller von Satellitenreceivern je klar dementieren konnten.

Offenbar waren die Planungen ständig im Fluss und wurden stets an die Reaktionen der potenziellen Kunden angepasst. Bisher war unter anderem vermutet worden, Sendungen der Plattform HD+ ließen sich gar nicht aufzeichnen, und wenn, dann würden die Aufnahmen automatisch nach einer bestimmten Zeit gelöscht. Beides ist laut HD+ so nicht richtig, ein Verfallsdatum ist nun nicht vorgesehen.

Herausgekommen ist bei den nun konkretisierten Plänen eine Dreiteilung nach der Art des Empfangsgeräts. Ältere Receiver, die über das 99 Euro teure Legacy-Modul von HD+ für die Verschlüsselung der Privatsender nachgerüstet werden können, dürfen Sendungen aufzeichnen und Timeshift benutzen. Ein Vorspulen bei der Wiedergabe von HD+-Inhalten ist verboten. Das gilt auch für die inzwischen verfügbaren und von Elektronikmärkten stark beworbenen "HD+-Receiver": Aufnehmen und Timeshift ist erlaubt, Vorspulen nicht.

Keine Aufzeichnungen mit CI Plus

Der schnelle Vorlauf bei der Wiedergabe bleibt auch ganz neuen Geräten verwehrt, die den Slot "CI Plus" enthalten. Dabei gibt es dann auch nichts vorzuspulen: Eine Aufnahme von HD+ ist auf diesen Geräten gleich ganz verboten. Frei empfangbare HD-Sender wie Das Erste HD und ZDF HD sollen die CI-Plus-Modelle aufnehmen können, auch das Vorspulen bei Wiedergabe ist erlaubt.

Allein schon durch die Namensgebung "CI Plus" ist damit noch mehr Verwirrung programmiert: Die Kunden bekommen mit dem Plus nicht mehr Funktionen als bei einem Gerät mit herkömmlichem CI-Slot, sondern weniger. Auch die Gerätehersteller könnte das noch hart treffen, da sie die neuen Steckplätze gerade erst anbieten. Vor allem in neuen Fernsehern mit integriertem Satellitentuner ist CI Plus inzwischen bisweilen zu finden. Sobald sich das Fehlen einer Aufzeichnungsmöglichkeit für HD+-Sender herumgesprochen hat, dürfte der neue Standard CI Plus de facto erledigt sein.

In der Phase der Entscheidungsfindung war von Herstellern von Satellitenreceivern hinter vorgehaltener Hand immer wieder zu hören, die Privatsender würden am liebsten ganz auf CI Plus umsteigen. Der bisherige CI-Standard kennt nämlich keine Aufzeichnungsbeschränkungen. Im Ausstrahlungsformat von HD+ ist aber ein Bit vorgesehen, welches das Aufnehmen generell verbietet - das werten aber nur CI-Plus-Geräte aus.

Damit sind HD+-Receiver und ältere HD-Empfänger, die sich über das für Mitte 2010 angekündigte Modul umrüsten lassen, für Privatfernsehen in HD die bessere Wahl. In beiden Fällen bleibt aber die Vorspulsperre eine Kröte, die der Zuschauer schlucken muss: Das gewohnte Überspringen der Werbung ist so nicht mehr möglich. Ein Sprecher von RTL hatte bereits im Oktober 2009 zu "Ad-Skipping" erklärt, dass ohne diese Funktion das Geschäftsmodell der Privatsender bedroht wäre. Warum das den Sendern erst Jahrzehnte nach der Erfindung der Videorekorders auffällt, bleibt rätselhaft.

Auch wenn die Zuschauer mit geeigneten Geräten Aufzeichnungen von HD+-Sendern auf Festplatten speichern, bleiben diese weitgehend an den Receiver gebunden: Die Daten werden nur verschlüsselt abgelegt, eine Archivierung - etwa auf Blu-ray-Discs - oder Weiterverarbeitung am PC ist nicht vorgesehen. Das ist ein weiterer Rückschritt gegenüber anderen Pay-TV-Angeboten, bei denen manche Receiver die Aufnahmen gleich unverschlüsselt speichern oder bisweilen sogar nachträglich entschlüsseln können.

Auf der Plattform HD+ sind seit Anfang November 2009 die Sender RTL HD, Sat.1 HD, Prosieben HD, Vox HD und Kabel eins HD zu empfangen. Die Sender strahlen bisher wie auch die öffentlich-rechtlichen Anbieter nur einen kleinen Teil des Programms, vor allem Spielfilme, in nativem HD aus, der Rest wird hochgerechnet. Bedingung für den Empfang ist ein HD+-fähiger Receiver, neuen Geräten und dem Nachrüstmodul liegt eine Abokarte bei, die ein Jahr gültig ist. Danach werden 50 Euro pro Jahr als Gebühr fällig.  (nie)


Verwandte Artikel:
HD+: 61 Receiver lassen sich für 99 Euro umrüsten (Update)   
(15.02.2010, https://glm.io/73134 )
Legacy-Module für HD+ kommen erst 2010   
(30.10.2009, https://glm.io/70852 )
RTL und Vox bald in HD - und fast niemand kann es sehen   
(30.10.2009, https://glm.io/70826 )
Astra plant "sehr niedrige Gebühr" für HD Plus   
(05.08.2009, https://glm.io/68837 )
Warten auf 3D-Filme fürs Wohnzimmer   
(22.03.2010, https://glm.io/73993 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/