Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1003/74188.html    Veröffentlicht: 30.03.2010 17:23    Kurz-URL: https://glm.io/74188

Rechenzentren brauchen mehr Strom als Industriestaaten

Cloud-Computing führt zu schnell wachsender CO2-Bilanz

Durch den Trend zum Cloud-Computing wächst die Zahl der benötigten Rechenzentren massiv. Im Jahr 2020 werden sie mehr Energie verbrauchen als Frankreich, Deutschland, Kanada und Brasilien heute zusammen.

Greenpeace hat IT-Unternehmen wie Apple, Google, Microsoft und Facebook aufgerufen, ihre Rechenzentren auf erneuerbare Energien umzustellen. Die Umweltschutzorganisation schätzt, dass Rechenzentren im Jahr 2020 circa 1,964 Milliarden Kilowattstunden elektrische Energie benötigen werden. Das ist mehr als Frankreich, Deutschland, Kanada und Brasilien gegenwärtig zusammen verbrauchen. In der Modellrechnung wird davon ausgegangen, dass die Zahl der Server jährlich um 9 Prozent wächst.

Die Energie für die Rechenzentren komme meist aus der Verbrennung von Kohle. "Das Wachstum in der IT-Branche führt zu einer schnell wachsenden CO2-Bilanz", sagte Tom Dowdall, Koordinator der Kampagne für grünere Elektronik bei Greenpeace, BBC News.

Mit der zunehmenden Verbreitung von mobilen Internetzugangsgeräten wie Smartphones, Netbooks und dem iPad werde Cloud-Computing zum Mainstream, so Dowdall. IT-Firmen errichteten darum immer mehr Rechenzentren. Dabei achteten sie zwar auf Energieeffizienz, griffen aber zu selten auf Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen zurück. "Die Entscheidungen über den Bau von Clouds werden von Unternehmern getätigt, deren erste Sorge dem Gewinn in vierteljährlichen Geschäftsberichten und dem Börsenkursen gilt", heißt es in dem Greenpeace-Bericht.

So habe Facebook im Januar 2010 den Plan für den Baubeginn eines Rechenzentrums in Prineville im US-Bundesstaat Oregon nach genauen Vorgaben des Unternehmens angekündigt. Das Gebäude werde verschiedene Techniken zur Energieeffizienz enthalten. So würden die Server bedarfsgerecht mit Frischluft gekühlt statt mit den üblichen Klimaanlagen. Durch weitere Energiespartechniken würde der Energiehunger um 12 Prozent reduziert. Doch der Kraftwerksbetreiber Pacific Power verbrenne hauptsächlich Kohle zur Energieerzeugung. Facebook argumentiert, keinen anderen Energieanbieter zur Auswahl gehabt zu haben.

Apple begann im Jahr 2009 mit der Konstruktion eines Rechenzentrums in North Carolina für 1 Milliarde US-Dollar. Hier kommen 50,5 Prozent der Energie aus Kohle und 38,7 Prozent aus Atomenergie, so Greenpeace.

In einem Microsoft-Rechenzentrum in Quincy, Washington, stamme die Energie von einem Wasserkraftwerk. Dowdall lobte auch Yahoo für die Verwendung von Wasserkraft im neuen Rechenzentrum in der Nähe von Buffalo, New York. Dieses Projekt koste 150 Millionen US-Dollar und werde im Mai 2010 fertiggestellt. Doch auch Wasserkraftwerke können durch die Errichtung von großen Dämmen gravierende Eingriffe in die Natur bedeuten, erklärte Greenpeace. Kleine Wasserkraftwerke seien dagegen unbedenklicher.  (asa)


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