Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1003/74126.html    Veröffentlicht: 30.03.2010 12:09    Kurz-URL: https://glm.io/74126

Test: Apples Magic Mouse - Maus mit brachliegendem Potenzial

Multitouch-Sensorfläche ersetzt Tasten und Scrollrad

Apples Magic Mouse ist die Nachfolgerin der Mighty Mouse. In einigen Bereichen überzeugt die Magic Mouse im Test. Doch das volle Potenzial der Multitouch-Maus lässt sich nur mit Zusatzwerkzeugen ausnutzen.

Apples Magic Mouse ist eine kabellose Maus, die via Bluetooth an einen Rechner angeschlossen wird. Einzelne Tasten gibt es nicht mehr, auch auf ein Scrollrad oder einen Scrollball, wie beim ebenfalls drahtlos arbeitenden Vorgänger Mighty Mouse, verzichtet Apple. Stattdessen werden über eine Sensoroberfläche, die fast die gesamte Maus überzieht, verschiedene Gesten aufgenommen und vom Betriebssystem als Klicks oder Scollbewegung interpretiert.

Ausstattung und Konstruktion

Die Magic Mouse ist ziemlich flach, gerade einmal 21,5 mm misst sie an der dicksten Stelle. Die Grundfläche beträgt 113,5 x 57 mm. Damit ist die Maus ein bisschen länger und etwas schmaler als die Mighty Mouse mit 111 x 62 mm. Mit einer Höhe von 31,5 mm macht die Mighty Mouse auch einen wuchtigeren Eindruck als das neue Modell.

Das Gewicht lässt sich nicht genau bestimmen, denn die Magic Mouse nimmt zwei AA-Batterien oder -Akkus auf, die Apple mitliefert. Energiespender haben aber unterschiedliche Gewichte. Die beiliegenden Energizer-Batterien wiegen etwa 23 Gramm, Vartas Photoakkus kommen auf 29 Gramm und Sanyos Eneloops wiegen etwa 26 Gramm.

Ein Gewichtsvergleich zwischen der Magic und der Mighty Mouse funktioniert aber auch anhand des Nettogewichts nicht, das bei 59 beziehungsweise 85 Gramm liegt. In der Praxis sind beide Mäuse nämlich fast gleich schwer, da die Mighty Mouse auch mit einer Batterie im Schacht funktioniert, während die Magic Mouse zwei Batterien voraussetzt. Ein Gewichtsvorteil der neuen Maus ergibt sich also nur, wenn die alte Maus mit zwei Batterien oder Akkus betrieben wurde. Bei der Konstruktion hat die neue Maus gegenüber der alten Vor- und Nachteile. Die neue Magic Mouse ist erfreulicherweise pflegeleichter: Es gibt keinen Scrollball mehr. Bei den Mighty-Modellen verdreckte der viel zu schnell und machte die Maus zum Garantiefall, denn eine Reinigung des 360°-Scrollballs war schwierig und rettete die Maus nicht immer. Dafür hat die neue Maus weniger Tasten: zwei statt vier. Neu sind die Gesten: Mit zwei Fingern kann der Anwender nach rechts oder links wischen, was das Betriebssystem als vor und zurück interpretiert.

Praxistauglichkeit

Die Wischgesten verlangen Übung, erst dann gelingen sie so zuverlässig, dass der Anwender sie auch einsetzt. Sie sind schwerer auszuführen als die Drei-Finger-Wischgesten auf den großen Glastrackpads, die Apple in aktuellen Macbooks verbaut. Daher sind die Gesten nicht für jeden ein Ersatz für die gegenüber der Mighty Mouse fehlenden Maustasten. Wie gehabt muss der Anwender übrigens zum Betätigen der rechten Maustaste zunächst den linken Finger anheben, sonst löst er einen Linksklick aus. Wer sich das schon mit der Mighty Mouse angewöhnt hat, kommt mit der Magic Mouse sofort zurecht. Auch das Abtasten der Oberfläche mit dem Laser ist mit dem Vorgänger vergleichbar. Nur auf Glasoberflächen ist ein Mauspad notwendig.

Besser als beim Vorgänger funktioniert das Scrollen. Der Anwender kann jetzt auch mit Schwung in alle Richtungen scrollen, allerdings nur mit Mac OS X 10.6 alias Snow Leopard. Das Scrollen wird nur selten versehentlich ausgelöst, wenn die Maus normal genutzt wird, auch mehrere Finger dürfen während des Scrollens die Maus berühren.

Das Glastrackpad aktueller Macbooks ist der Maus allerdings immer noch vorzuziehen. Ausschneiden und Drehen von Bildern in iPhoto geht beispielsweise deutlich schneller per Multitouch als mit der Maus. Die Maus eignet sich also eher für Desktopanwender als für mobile Nutzer.

Die Laufzeit der Maus ist lang. Nach gut acht Wochen im normalen Arbeitsrhythmus und bei gelegentlichem Vergessen, die Maus auszuschalten, meldete Mac OS X noch 60 Prozent Kapazität der mitgelieferten LR6-Batterien. Wir gehen davon aus, dass die Maus noch weitere zehn bis zwölf Wochen lang getestet werden müsste, entschieden uns aber, diesen Test mit dem Vorabergebnis zu veröffentlichen. Aus dem Ergebnis lässt sich schließen, dass der Anwender entweder normale Batterien oder gute LSD-Akkus (Low Self Discharge) nutzen sollte, damit die Entladung der Energiespender nicht zu viel Einfluss auf die Laufzeit der Maus hat.

Die Magic Mouse als Plattform

Was Apple nicht leisten kann oder will, können andere Entwickler übernehmen. Wer das Multitouch-Potenzial der Maus ausnutzen will, setzt am besten auf die kostenlose Software Magicprefs. Sie erweitert die Maus um viele Multitouchgesten, -klicks oder -tipper. Antippen ist hierbei so zu verstehen, dass die Oberfläche zwar berührt, die Maus aber nicht durchgeklickt wird. Vergleichbar ist das mit dem Antippen von Touch- oder Trackpads.

Nicht jede Geste ist leicht zu erlernen. Das Aktivieren einer virtuellen mittleren Maustaste erscheint zunächst praktisch zu sein. Doch im Alltag konnten wird uns auch nach Wochen nicht an die Nutzung der mittleren Maustaste gewöhnen, es kam zu häufigen Fehlklicks. Die kürzlich erschienene Version 1.8.1 von Magicprefs hilft zwar, Fehlklicks zu vermeiden - der Anwender kann dort nämlich bestimmen, in welchem Bereich Gesten und Klicks auch wirklich umgesetzt werden -, aber zumindest im Fall der mittleren Maustaste gelang es dennoch nicht. Andere von Magicprefs unterstützte Multitoucheingaben funktionieren besser: Das Klicken mit drei Fingern nutzten wir etwa, um Exposé auszuführen - fehlerfrei.

Ergonomie

Ergonomisch dürften sich einige an der sehr flachen Form der Maus stören. Allerdings ist der Unterschied zur Mighty Mouse nicht so groß, wie er auf den ersten Blick scheint, denn bereits die Mighty Mouse ist je nach Beschaffenheit der eigenen Hand zu flach. Logitechs MX500/510/518 ist als Gegenbeispiel hoch genug, um die Handflächeninnenseite bei der Benutzung aufzulegen. Die Arbeit mit dieser Art von Mäusen ist sehr angenehm, meist allerdings nur für Rechtshänder. Die Magic Mouse hat der Anwender hingegen nie fest im Griff.

Damit eignet sich diese Maus nur für gelegentliches Arbeiten, beispielsweise für Textarbeiten und Surfen, nicht aber für mausintensive Aufgaben. Insbesondere beim Spielen ist eine ergonomische Maus von erheblichem Vorteil. Apples Magic Mouse ist fürs Spielen ohnehin völlig ungeeignet, denn mehrere Tasten lassen sich nicht gleichzeitig drücken. Die Multitouch-Maus ist eine Singleclick-Maus.

Eine Maus für alle?

Die Magic Mouse ist nach anfänglichen Lieferschwierigkeiten seit geraumer Zeit im Handel erhältlich und kostet etwa 70 Euro. Sie setzt Mac OS X 10.5.8 als Minimum voraus. Wer Scrollen mit Schwung nutzen möchte, braucht Mac Snow Leopard.

Fazit

Apples Magic Mouse hat sich im Alltag als Eingabegerät bewährt. Sie ist allerdings nicht für jeden Anwendertyp geeignet. Ihre Bedienung verlangt nach mehr Übung als andere Eingabegeräte. Der Verlust mehrerer Maustasten gegenüber der Mighty Mouse machte sich vor allem am Anfang bemerkbar. Doch nach etwas Eingewöhnung erscheinen die Vor- und Zurückgesten durchaus als praktisch. Auch das Scrollen ist deutlich angenehmer geworden, vor allem wenn Schmutz auf das virtuelle Mausrad kommt: Ein Wisch - und schon ist die Maus wieder sauber.

Bedauerlich ist das Fehlen weiterer Gesten, wie zum Beispiel das Zoomen. Zusatzsoftware erweitert das Spektrum zwar, allerdings fehlt dieser die Intelligenz. Sie erkennt zwar drei oder vier Finger, kann aber unabsichtliches Berühren nicht herausfiltern. Wer etwas Zeit investiert und mit den zusätzlichen Gesten der Magicprefs-Erweiterung übt, wird solche unabsichtliche Berührungen aber vermeiden können. Ob es künftig mehr Gesten geben wird, ist unklar, Apple verrät dazu prinzipiell nichts. Derzeit liegt jedenfalls viel Potenzial der Maus brach.

Apples Magic Mouse ist besser als die Mighty Mouse, vor allem weil sie nicht mehr durch Schmutz unschädlich gemacht werden kann. Wer allerdings mehr Tasten oder eine ergonomische Maus braucht, greift lieber zu einem Konkurrenzprodukt.  (ase)


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