Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1003/74119.html    Veröffentlicht: 26.03.2010 13:14    Kurz-URL: https://glm.io/74119

Studie: E-Mail-Nutzer mögen Spam

Deutsche halten sich für sicherheitsbewusster

Jeder vierte E-Mail-Nutzer öffnet Spam-Nachrichten und ein Drittel der deutschen E-Mail-Nutzer hält sich für Sicherheitsexperten. Das geht aus einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Message Anti-Abusing Working Group (MAAWG) hervor.

Die Spam-Flut wird uns auf absehbare Zeit erhalten bleiben, denn ein großer Teil der E-Mail-Nutzer reagiert positiv auf Spam. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Ipsos-Umfrage unter insgesamt 3.716 E-Mail-Nutzern aus den USA und Westeuropa. Obwohl der überwiegende Teil der Befragten nach eigenen Angaben über Spam und die damit verbundenen Risiken wie beispielsweise die Infektion mit Viren und Spyware informiert ist, gaben 43 Prozent an, Spam-E-Mails zu öffnen. Immerhin die Hälfte von ihnen tat das auch noch freiwillig und nicht nur versehentlich. Hochgerechnet auf die Gesamtzahl der E-Mail-Nutzer bedeutet das, dass Millionen von ihnen die Spam-Versender zum Weitermachen ermutigen.

Von denjenigen, die Spam-E-Mails öffneten, klickte ein Viertel (absolut 11 Prozent) auf einen Link in der Nachricht und ein Fünftel (absolut 8 Prozent) öffnete den mitgelieferten E-Mail-Anhang. Immerhin ein Zehntel der Spam-Leser (absolut 4 Prozent) antwortete sogar auf die Spam-Nachricht und eine gleich große Anzahl von Nutzern (absolut 4 Prozent) leitete diese an andere Empfänger weiter. Dabei zeigte sich eine klare Altersabhängigkeit: Jüngere E-Mail-Nutzer (unter 35) öffneten Spam-Nachrichten häufiger und klickten auch häufiger auf Links darin.

Der riskante Umgang mit Spam überrascht insbesondere angesichts der Erfahrungen mit Viren, von denen die Befragten zu berichten wissen. Mehr als die Hälfte von ihnen (drei von fünf) erklärte, dass der eigene Computer bereits einmal mit einem Computervirus infiziert war. Dabei unterschieden sich die Infektionsraten zwischen einzelnen Ländern ganz erheblich. Während 69 Prozent der Spanier und 68 Prozent der Kanadier in der Vergangenheit mit einem Virus zu kämpfen hatten, betrug die Quote in Deutschland nur 45 Prozent. Paradoxerweise gaben lediglich 36 Prozent der Befragten an, dass sie in Zukunft eine Infektion für wahrscheinlich halten.

Verantwortlich sind die anderen

Ein Drittel deutscher E-Mail-Nutzer hält sich selbst für Internetsicherheitsexperten. Demgegenüber bezeichnet sich nur rund ein Fünftel der britischen, US-amerikanischen und spanischen E-Mail-Nutzer als Experte oder als sehr erfahren im Umgang mit Sicherheitsmaßnahmen für das Internet. In Frankreich beträgt der Anteil der selbst deklarierten Experten gar nur acht Prozent.

Gefragt nach der Verantwortlichkeit für die Bekämpfung von Viren und anderer Schadsoftware erklärten zwei Drittel der Befragten, sie liege bei den Internet- und E-Mail-Providern. Etwas über die Hälfte sah die Verantwortung zudem bei den Herstellern von Antivirussoftware und erst an dritter Stelle sahen sich die Nutzer selbst in der Verantwortung (48 Prozent).

Die Ipsos-Studie bestätigt indirekt Befunde einer US-Umfrage unter College-Studenten, die Anfang Januar im Southern Medical Journal (Band 103, Nummer 1, Januar 2010) veröffentlicht worden war. Dieser Umfrage zufolge war ein großer Teil der Studenten bereit, Spam-E-Mails, in denen für Schlankmacher geworben wurde, zu lesen und beworbene Produkte zu bestellen. [von Robert A. Gehring]  (md)


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