Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1003/74113.html    Veröffentlicht: 26.03.2010 11:54    Kurz-URL: https://glm.io/74113

US-Gericht schickt Datendieb 20 Jahre ins Gefängnis

Höchste Strafe für Computerkriminalität bisher verhängt

Für den Diebstahl von mehreren Millionen Kreditkartendaten muss ein US-Bürger 20 Jahre ins Gefängnis. Es ist die höchste Strafe für Computerkriminalität, die ein US-Gericht bisher verhängt hat. Dem 28-Jährigen drohen in einem weiteren Verfahren weitere 17 bis 25 Jahre Haft.

Das Bezirksgericht in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts hat am Donnerstag den 28-jährigen Albert Gonzalez zu einer Gefängnisstrafe von 20 Jahren sowie zu einer Geldstrafe in Höhe von 25.000 US-Dollar verurteilt, berichtet das US-Technologie-Magazin Wired. Das Gericht befand Gonzalez für schuldig, in die Computersysteme der US-Einzelhandelsketten TJX, Barnes & Noble, Sports Authority, DSW, Forever 21 und Officemax sowie der Restaurantketten Boston Market und Dave & Buster's eingedrungen zu sein und mehrere Millionen Kreditkartendatensätze gestohlen zu haben.

Richterin wählte die Mitte

Richterin Patti Saris blieb damit in der Mitte der Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Der Vertreter der Anklage hatte 25 Jahre Haft gefordert, Gonzalez' Verteidiger 15. Saris begründete ihr Urteil damit, dass der Angeklagte Reue gezeigt habe. Gegen ihn habe gesprochen, dass er zur Tatzeit als Informant für den US-Geheimdienst gearbeitet habe. Die Geldstrafe sei so niedrig ausgefallen, da auf Gonzalez noch eine hohe Entschädigungsforderung zukommen werde. Darüber entschied Saris gestern jedoch nicht. Der Schaden wird auf rund 200 Millionen US-Dollar beziffert.

Bei den 20 Jahren für den TJX-Fall dürfte es jedoch nicht bleiben: Gonzalez steht zudem wegen des Einbruchs in die Computersysteme des Zahlungsdienstleisters Heartland Payment Systems, der Supermarktketten 7-Eleven und Hannaford Brothers sowie zwei weiterer Einzelhandelsunternehmen vor Gericht. Dabei sollen Gonzalez und seinen Mittätern rund 130 Millionen Kreditkartendatensätze in die Hände gefallen sein.

Zusammenlegung der Strafen möglich

In diesem zweiten Verfahren drohen Gonzalez noch einmal 17 bis 25 Jahre Haft. Allerdings, so berichtet die Tageszeitung Boston Globe, sei es möglich, dass die beiden Strafen zusammengezogen werden und er für das Heartland-Verfahren lediglich fünf weitere Jahre Haftstrafe bekomme. Das Urteil soll voraussichtlich am Freitag gesprochen werden.

Gonzalez ist also für die beiden spektakulärsten Fälle von Datendiebstahl im Internet verantwortlich. Die Behörden beschlagnahmten bei Gonzalez Beutegut in einem Wert in Millionenhöhe, darunter Uhren und Schmuck, einen BMW, eine Eigentumswohnung in Miami sowie 1,1 Millionen US-Dollar in bar, die Gonzalez im Garten seiner Eltern vergraben hatte. Entsprechend ist es auch die höchste Strafe für Computerkriminalität, die ein US-Gericht bisher verhängt hat.  (wp)


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