Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1003/74089.html    Veröffentlicht: 25.03.2010 12:14    Kurz-URL: https://glm.io/74089

Marsrover Opportunity wird selbstständiger

Opportunity erkennt interessante Steine und fotografiert sie

Dank einer neuen Software erkennt der Marsrover Opportunity selbst, welche Steine an seinem Weg von Interesse sind. Die Wissenschaftler auf der Erde geben vor, welche Kriterien gelten - Opportunity wählt dann selbst interessante Steine aus und fotografiert sie.

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat die Steuerungssoftware des Marsrovers Opportunity aktualisiert. Das Forschungsfahrzeug erhält dadurch mehr Autonomie und kann effizienter arbeiten. Autonomous Exploration for Gathering Increased Science, kurz Aegis, heißt das Programm, das die Nasa im vergangenen Winter auf den Marsrover gespielt hat. Diese Software gibt Opportunity die Fähigkeit, selbst darüber zu entscheiden, welche Steine das Fahrzeug näher untersucht.

Navigationskamera und Panoramakamera

Kommt Opportunity nach einer Fahrt an einem Zielort an, untersucht die Sonde mit seiner Weitwinkel-Navigationskamera die Umgebung. Sieht sie dabei Steine, die bestimmten Kriterien bezüglich Größe, Farbe und Form entsprechen, widmet sie diesen nähere Aufmerksamkeit: Opportunity richtet dann ihre Panoramakamera auf diese Steine und fotografiert sie durch diverse Farbfilter. Die Wissenschaftler auf der Erde haben dabei die Möglichkeit, die Kriterien, nach denen Opportunity Steine auswählt, zu ändern.

Das erste Bild, das Opportunity nach eigener Wahl aufgenommen hat, zeigt einen etwa fußballgroßen, hellbraunen Stein. Es ist wahrscheinlich ein Trümmerteil, das bei einem Einschlag aus einem nahegelegenen Krater geschleudert wurde. Opportunity wählte diesen Stein aus gut 50 aus, die sie mit der Navigationskamera erfasste, als sie am 4. März einen neuen Standort erreichte. Dieser Stein passte am besten zu den vorgegebenen Kriterien bezüglich der Größe und der Farbe.

Erfolgversprechender Test

Nasa-Mitarbeiterin Tara Estlin, die Opportunity über den Mars navigiert und die Aegis-Entwicklung geleitet hat, ist mit dem Ergebnis zufrieden. "Sie hat genau das gefunden, was wir finden wollten. Dank der Arbeit vieler lief dieser Test wie geplant." Da Aegis Opportunity mehr Autonomie verleiht, kann der Rover jetzt auch bei Zwischenstopps Steine, die ihm auffallen, einer näheren Prüfung unterziehen. Das ermögliche es, so die Nasa, interessante Proben zu untersuchen, die sonst möglicherweise nicht aufgefallen sind.

Vor der Installation von Aegis funkte Opportunity die Bilder der Navigationskamera zur Erde. Estlin und ihre Kollegen werteten diese aus und entschieden dann, welchen Stein Opportunity unter die Lupe nehmen soll. Dann schickten sie den Auftrag zum Mars. Schon wegen der Signallaufzeit von 20 Minuten in einer Richtung war das ein aufwendiges Unterfangen.

12 Kilometer bis Endeavour

Opportunity erkundet seit Januar 2004 den Mars und hat seither 20 Kilometer zurückgelegt. Geplant war, dass der Rover drei Monate aktiv ist und dabei 600 Meter weit fährt. Seit August 2008 bewegt sich Opportunity auf den Krater Endeavour zu, dem sie sich auf 12 Kilometer genähert hat.

Einige Tage länger als Opportunity ist ein zweiter Rover, Spirit, auf dem Mars unterwegs. Wie die Schwestersonde hat sich auch Spirit als sehr langlebig erwiesen. Allerdings hat sie sich Anfang des Jahres im Sand festgefahren. Alle Versuche, den Rover wieder freizubekommen, sind bisher gescheitert, weshalb Spirit seither nur noch stationär eingesetzt werden kann.  (wp)


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