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Radeon256 - ATIs Antwort auf NVidias GeForce-Grafikprozessor

"... macht Spiele mit 16-Bit-Grafik obsolet"

Mit dem Radeon256 hat ATI auf der WinHEC-Entwicklerkonferenz nun seinen ersten Grafikprozessor mit integrierter Transform-&-Lightning-Engine vorgestellt, der sowohl für anspruchsvollste 3D-Spiele als auch für den Einsatz in professionellen 3D-Workstations geeignet sein soll. Der zuvor unter dem Codenamen Rage6C bekannte Grafikprozessor soll die schnellste T&L-Engine der Welt bieten und neue Maßstäbe setzen.

Radeon256
Radeon256
Der 30 Millionen Transistoren starke, in 0,18 Mikron gefertigte Radeon256 kann bis zu 128MB DDR-RAM Speicher (bis 200MHz Speichertakt) fassen. Dank der von ATI patentierten HyperZ-Technologie soll die Speicherbandbreite um 20 Prozent höher liegen als normal und theoretische 8GB/Sekunde betragen. Allerdings dürfte dann ein entsprechend hoch getakteter und somit sehr teurer DDR-RAM-Speicher nötig werden. Zum Vergleich: NVidias neuer GeForce2-GTS-Grafikprozessor soll mit 166MHz Speichertakt auf 5,6GB/Sekunde kommen. Über die Taktfrequenz des Radeon256 schweigt sich ATI bisher leider noch aus.

ATIs Charisma Engine getaufte T&L-Engine soll bis zu 30 Millionen Polygone pro Sekunde berechnen können. Dank Features wie integriertem Advanced Vertex Skinning ("4-Matrix-Vertex-Skinning") und Keyframe Interpolation soll die Charisma Engine außerdem für realistischere 3D-Grafik sorgen. Beispielsweise sollen dadurch die Gliedmaße animierter 3D-Charaktere bei Bewegungen (Skelettanimation) realistischer aussehen, da sie an Verbindungspunkten nicht einfach "umknicken", sondern gerundet werden.

Die "Pixel Tapestry"-Rendering-Engine des Radeon256 kann drei Texturen gleichzeitig pro Pixel rendern, was eine maximale Texel-Füllrate (Texel = Texturiertes Pixel) von 1,5 Gigatexeln ermöglichen soll. Der Konkurrent GeForce2 GTS soll laut NVidia 1,6 Gigatexel rendern können. Allerdings hat ATI noch Leistungsreserven, denn die bereits in der Rage Fury MAXX eingesetzte Technologie zur Nutzung von zwei Grafikchips auf einer Karte soll sich auch beim Radeon256 nutzen lassen.

Die Pixel-Tapestry-Architektur bietet 3D-Texturen für z.B. einen entfernungsabhängigen Nebeleffekt ("Ranged-Based Fog"), der nicht einfach nur aus dem Nichts auftaucht sondern weich in die Szene "fließt" und beim Annähern immer dichter wird. Außerdem unterstützt der Radeon256 sämtliche DirectX-7-Bump-Mapping-Effekte, darunter auch das bisher nur von Matrox G400-Grafikchip in Hardware unterstützte EMBM für plastischer wirkende Oberflächen. Ebenfalls unterstützt werden Hardware-berechnete Schatteneffekte sowie die in DirectX 8 zu findenden Pixel-Shader-Effekte. Letzteres Feature erlaubt ausgefeilteres Licht- und Schattenspiel mit Texturen und wird auch vom GeForce2 GTS unterstützt.

Radeon256
Radeon256
ATI kündigte auch an, dass der Radeon256 Full-Scene-Antialiasing (Vollszenen-Kantenglättung) beherrscht, gab jedoch nicht an, wie stark sich dieses Feature bei Aktivierung auf die Gesamtleistung des Grafikprozessors auswirkt.

Der Radeon256 wäre nicht von ATI, wenn er keine Video-Features bieten würde: Der integrierte Hardware-HDTV-Decoder nimmt dem PC fast sämtliche Arbeit bei der Wiedergabe von digitalem hochauflösendem Video - darunter auch DVD - ab und versteht sämtliche gebräuchlichen HDTV-Übertragungs-Standards. Die Möglichkeit, das Bild sowohl auf einem Monitor, digitalem Flachbildschirm und (HDTV-) Fernseher darzustellen, versteht sich da von selbst.

ATI hat für den Sommer 2000 verschiedene Produkte angekündigt, die auf dem Radeon256 basieren sollen. Treiber für Windows, Linux und Mac sollen mitgeliefert werden. Für den Radeon256-Nachfolger verspricht ATI übrigens eine viermal so hohe 3D-Leistung.  (ck)


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