Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1003/73676.html    Veröffentlicht: 08.03.2010 12:26    Kurz-URL: https://glm.io/73676

Open Pandora - das Spielehandheld für Admins kommt bald

Michael "EvilDragon" Mrozek über Entwicklung und Status des Linux-Handhelds

Über mangelndes Interesse für das offene Linux-Spielehandheld Open Pandora müssen sich die Entwickler keine Sorgen machen. Teammitglied "EvilDragon" zeigte das Gerät in Aktion, wurde von Interessierten umlagert und sprach mit Golem.de darüber, wie er vom Händler für Gamepark-Handhelds zum Hardwareentwickler wurde.

Der in Ingolstadt lebende Michael Mrozek, in der Community bekannt als "EvilDragon", interessiert sich schon lange für Open-Source- und Retrospiele - und für die klassischen Handhelds GP2X und GP32 von Gamepark Holdings, auf denen diese zum Laufen gebracht werden können. Nachdem die Geräte in Deutschland nicht verkauft wurden, importierte und verkaufte Mrozek sie schließlich auch selbst. Außerdem baute er die deutsche Community mit auf.

"Die Geräte waren sehr schön, aber bei Gamepark Holdings saßen leider keine Spieler", so Mrozek. Die Geräte hatten ihre Mängel. Und so schlossen sich Händler und Mitglieder aus der GP2X-Entwicklerszene zusammen, um ihr eigenes Spielehandheld zu produzieren - ohne Gamepark Holdings (GPH).

Die Ausstattung

Im Open Pandora arbeitet eine 600-MHz-CPU vom Typ ARM Cortex-A8, unterstützt durch einen 430-MHz-DSP (TMS320C64x+) für Audio- und Videoberechnungen. Um die OpenGL-2.0-ES-kompatible 3D-Hardwarebeschleunigung kümmert sich ein PowerVR-SGX530-Kern mit 110 MHz. Die Bildschirmausgabe erfolgt über ein Touchscreen-LCD mit 800 x 480 Pixeln. Dazu kommen 256 MByte RAM, 512 MByte NAND-Flashsspeicher und zwei SDHC-Speicherkartenslots.

Zur weiteren Steuerung gibt es eine QWERTY-Tastatur mit 43 Tasten, Nummerntasten, zwei analogen Controllern, einem digitalen Joypad (Directional Pad, DPad) und Feuerknöpfen. Zu den Schnittstellen zählen WLAN nach IEEE 802.11b/g, Bluetooth, USB 2.0, ein S-Videoausgang, ein Kopfhöhrerausgang und Stereo-Ein- und Ausgänge. Ein Mikrofon wurde auch integriert. Die Mischung aus kleinem Tastaturrechner und Spielehandheld ist 140 mm breit, 82 mm tief, zugeklappt 27,5 mm dick und wiegt inklusive 4.000-mAh-Akku 335 Gramm. Die Akkuleistung soll über 10 Stunden betragen.

Damit soll Open Pandora nicht nur das bisher leistungsfähigste Linux-Spielehandeld werden, sondern bessere Kontrollen als die GPH-Geräte bieten und sich zwischendurch auch mal zum Schreiben von E-Mails oder Administrieren von Servern eignen. Als Linux-Betriebssystem dient eine angepasste Angström-Distribution, für die ein eigenes Paketsystem entworfen wurde.

Offen - aber noch nicht für alle interessant

Anders als Nintendo DS, Playstation Portable (PSP) oder iPhone ist Open Pandora eine offene Plattform mit vielen Hardwareschnittstellen und kann ungehindert programmiert werden. Mrozek erwartet dennoch nicht, dass für Open Pandora viele eigene Spiele entwickelt werden, es gehe vor allem um Linux-Spiele und Emulatoren für klassische Systeme - einer für Nintendo-64-Spiele soll bereits ohne Sound schnell auf Open Pandora laufen, auch ein Dreamcast-Emulator ist in Arbeit, der bisher noch nicht die gewünschte Bildrate erreicht. Im unserem Video zeigt Mrozek schnell laufende C64- und Amiga-Emulatoren sowie den Shooter Quake 3. Damit beeindruckte er auf der Cebit die Zuschauer.

Ganz so einfach ist der Weg zum eigenen Spielehandheld nicht, laut Mrozek hatte sich alles länger hingezogen als erwartet - man sei unbedarft an die Sache herangegangen. Die Entwicklung des Gehäuses und der Zugang zu Chips hätten beispielsweise deutlich länger gebraucht als erwartet. Damit verzögerte sich auch das Zusammenbauen von Prototypen, die wiederum für die Softwareentwicklung wichtig sind.

Von Gamern entwickelt, von Fans mitfinanziert

Finanziell wäre das Projekt ohne die Community nicht zu realisieren gewesen. Die rund 4.000 berücksichtigten Vorbesteller sind teils bereits vor zwei Jahren in Vorleistung gegangen - einige sprangen wieder ab, die Zahl neu hinzukommender Kaufinteressenten sei jedoch noch höher. Entsprechend hoch ist der Druck, das Spielehandheld fertigzustellen. Doch Mrozek zeigt sich sehr zufrieden über die Zusammenarbeit mit der Community.

Der Großteil des Weges ist bereits geschafft, wie auch die Statuswebseite auf Open-Pandora.org zeigt: Die Massenproduktion der Pandora-Mainboards läuft bereits, die für die Gehäuse ist in Auftrag gegeben und sobald alles inklusive der Tastaturmatten eingetroffen ist, können der Zusammenbau und die Auslieferung beginnen.

Wer vorbestellt hat, soll sein Open-Pandora-Handheld bald zugeschickt bekommen. Das Gerät hatte für die frühen Vorbesteller 250 Euro gekostet, mittlerweile sind es 300 Euro, auch weil die Preisentwicklung etwas vom Dollarkurs abhänge. Die erste Charge umfasst 3.895 Geräte und ist bereits komplett ausverkauft. Für die zweite Charge sind 8.000 Geräte geplant - dann soll Open Pandora auch für diejenigen interessanter sein, die weniger an Softwareentwicklung interessiert sind, sondern das Gerät zwischendurch zur Entspannung mit Spieleklassikern einschalten.  (ck)


Verwandte Artikel:
Linux-Spielehandheld Pandora vor Markteinführung   
(30.11.2009, https://glm.io/71545 )
Linux-Spielehandheld Pandora kann vorbestellt werden   
(01.10.2008, https://glm.io/62724 )
Valves Source-Engine künftig auch für Linux und Mac?   
(12.05.2008, https://glm.io/59619 )
Pocket Fami - Spiele-Handheld für alte NES-Spiele   
(24.03.2005, https://glm.io/37127 )
Age of Empires Definitive Edition Test: Trotz neuem Look zu rückständig   
(19.02.2018, https://glm.io/132837 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/