Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1003/73641.html    Veröffentlicht: 05.03.2010 13:59    Kurz-URL: https://glm.io/73641

Spieletest: Silent Hunter 5 - spielerische Untiefen

U-Boot-Simulation mit neuen Ansätzen, aber übermäßig vielen Programmfehlern

Wie fühlt es sich an, in einer engen Stahlröhre vom Kommandostand zu den Torpedoschächten zu rennen, während der Tiefenzähler tickt und Explosionen zu hören sind? Silent Hunter 5 möchte das mit einer richtig guten Idee erzählen - nimmt aber nur halbe Fahrt auf.

Richtig begeistert sind die Besatzungsmitglieder nicht, als zum Start der Kampagne von Silent Hunter 5 der Krieg gegen Polen beginnt. Kein Wunder, denn die Mitglieder der Marine dienen auf dem deutschen U-27 und erhalten den Befehl, sich um einen besonders gefürchteten Gegner zu kümmern: die britische Royal Navy. In der Simulation von Ubisoft ist es die Aufgabe des Spielers, als Kommandierender von U-27 sein U-Boot vom Typ VII A durch die Tiefen vor allem des Nordatlantik zu steuern, feindliche Schiffe aufzubringen und möglichst lange zu überleben.

Wichtigste Neuerung gegenüber den Vorgängern: Der Spieler bewegt sich in der Ich-Perspektive in seinem U-Boot und kann von vorne bis hinten durch die Stahlröhre laufen, sich auf den Ausguck stellen und von dort beispielsweise den Horizont nach feindlichen Schiffen absuchen oder schlicht in die Gischt gucken. Auch in Häfen kann er gelegentlich zu Fuß um ein Dock laufen. Die Steuerung funktioniert zwar grundsätzlich wie in einem Ego-Shooter, ist aber komplizierter und längst nicht so komfortabel - es kann Zeit und Nerven kosten, den richtigen Winkel etwa zum Hinabklettern einer Leiter zu erwischen.

Der Marsch durch U-27 ist kein freiwilliger Spaß, sondern regelmäßig nötig: Der Spieler kann als Kommandant mit seinen Besatzungsmitgliedern reden und einfache Befehle erteilen, um etwa beim Beladen der Torpedorohre zu helfen. Anders als bei früheren Versionen des Spiels ist es nicht mehr möglich, schnell mal per Hotkey von einer Station zur anderen zu wechseln. Das nervt zuweilen, etwa wenn der Spieler bei Angriffen möglichst schnell vom Bordgeschütz ins Schiff flitzen möchte, um noch einem Torpedo hinterherzujagen. Immerhin haben die Entwickler am Sehrohr ein paar wesentliche Funktionen zusammengefasst: Dort lassen sich die wichtigsten Befehle zum Ab- oder Auftauchen, zum Abschuss von Torpedos und zum Navigieren einigermaßen komfortabel erteilen.

Einzelspieler treten in Silent Hunter 5 wahlweise in einer halbdynamischen Kampagne an, die in Ereignisse aus den Jahren 1939 bis 1943 eingebettet ist. Beispielsweise geht es darum, feindliche Linien zu unterbrechen oder eine Mindestmenge an gegnerischer Tonnage zu verschrotten. Die Missionen sind spannend inszeniert, immer wieder ist es nötig, sich bei Schleichfahrt einem feindlichen Verbund zu nähern - und dann mit einem Alarmtauchen zu verschwinden, wobei Explosionen das Schiff erschüttern und Wasser eindringt. Zusätzlich gibt es eine Handvoll historischer Einsätze sowie einen Mehrspielermodus.

Wer bislang als Landratte noch keinen Fuß in ein virtuelles U-Boot gesetzt hat, dürfte sich mit dem Einstieg in Silent Hunter 5 schwertun. Die erste Mission fungiert zwar eigentlich als Tutorial, erklärt aber nur die allernötigsten Befehle - und das auch noch schlecht. Da ist es doppelt ärgerlich, dass das dünne Handbuch zwar ausführlich die Biografien der Besatzungsmitglieder schildert, aber dringend benötigte Informationen gar nicht, falsch oder in unlesbar klein gedruckten Übersichten darstellt.

Obwohl Ubisoft gleich zum Start der Verkaufsversion einen ersten Patch ausgeliefert hat, enthält Silent Hunter 5 noch einige Bugs - wobei hier angemerkt sei, dass der direkte Vorgänger mit massiven Fehlern auf den Markt kam, die teils bis heute nicht behoben sind. In Teil 5 gibt es noch Probleme mit der KI von feindlichen und verbündeten Schiffen, Torpedos verpassen trotz kürzester Distanz und korrekten Abschusswinkels ihr Ziel, oder es kommt zu wirren Darstellungsfehlern, bei denen die Kamera durchs Gelände und die Tiefsee fährt und letztlich nur ein Neustart des Programms als Lösung bleibt.

Bereits im Vorfeld hatte der Kopierschutz von Silent Hunter 5 für Verstimmung unter Spielern gesorgt. Er setzt voraus, dass permanenter Datenaustausch per Internet mit den Servern von Ubisoft möglich ist - wenn die Verbindung unterbrochen wird, pausiert das Programm. Im Alltag hat das Programm beim Test keine Probleme gemacht: Die Einrichtung, bei der Silent Hunter 5 per Code an das Benutzerkonto eines Ubisoft-Onlinedienstes gebunden werden muss, verläuft reibungslos und schnell. Eine DVD muss nicht im Laufwerk liegen, und der Launcher von Ubisoft belegt weniger Systemressourcen und lädt schneller als beispielsweise das Konkurrenzsystem. Obwohl beim Test letztlich alles glattging, tut Ubisoft dem ehrlichen Käufer keinen Gefallen mit dem System - denn zu Unterbrechungen im Datenfluss kann es immer kommen und mobiles Spielen etwa auf einem Laptop ist in vielen Fällen unmöglich.

Silent Hunter 5 benötigt Windows XP, Vista oder 7 und mindestens einen Core2Duo E4400 von Intel oder einen Athlon 64 X2 4000 von AMD. Unter XP genügt 1 GByte an RAM, unter Vista und 7 sollten es 2 GByte sein. Die Grafikkarte muss über 256 MByte an RAM verfügen und mindestens DirectX 9.0c unterstützen. Auf der Festplatte belegt das Programm rund 8 GByte an Datenplatz.

Silent Hunter 5 kostet rund 45 Euro, eine Collector's Edition mit ein paar Extras wie einer CD mit dem Soundtrack und einer Handvoll zusätzlicher Ingame-U-Boote und -Schiffe ist für rund 60 Euro erhältlich. Von der USK hat der Titel eine Altersfreigabe ab zwölf Jahren erhalten.

Fazit

Die wichtigste Neuerung von Silent Hunter 5 ist das weitgehend frei begehbare U-Boot. Auf den ersten Blick funktioniert das gut und vervielfacht die Atmosphäre - bis der Spieler ständig an der Leiter hängenbleibt und die Steuerung auch sonst einfach besser sein könnte. Und bis er feststellt, dass er die gleichen paar Meter nervtötend oft entlanglaufen muss und sich die Besatzung offenbar nichts Interessantes zu sagen hat.

Der Rest des Programms bietet unter dem Strich eine gute U-Boot-Simulation mit spannenden Missionen und viel Spieltiefe, die tolle Momente unter hoher See liefern kann. Wenn da nicht die vielen Programmfehler wären - und ein Kopierschutz, den Ubisoft lieber schnell im Meer wieder versenkt. Außerdem ein klarer Hinweis an Einsteiger: Wer nicht mit Engelsgeduld gesegnet ist, sollte die Hände von Silent Hunter 5 lassen - weder Tutorial noch Handbuch sind geeignet, die teils recht komplexen Schiffssysteme und Manöver zu erklären.  (ps)


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