Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1002/73394.html    Veröffentlicht: 25.02.2010 11:54    Kurz-URL: https://glm.io/73394

Linux-Kernel: 2.6.33 mit Nouveau-Treiber und Trim-Befehl

Linus Torvalds gibt die aktuelle Version des Linux-Kernels frei

Linus Torvalds hat den Linux-Kernel in der Version 2.6.33 freigegeben. Mit dabei sind der vollständig quelloffene Nouveau-Treiber für Grafikkarten mit Chipsätzen von Nvidia und ein aktualisierter Trim-Befehl für SSD-Speichermedien.

Linux 2.6.33 bringt wesentliche Verbesserungen für Grafikkarten mit: Der freie Treibernachbau Nouveau soll die bislang nur mit proprietären Treibern verwendbaren Grafikchips von Nvidia unterstützen. Gleichzeitig wurde an dem Treiber für Karten mit AMD-Chipsatz gearbeitet, er gilt nicht mehr als experimentell. Über 10.000 weitere Commits wurden in die aktuelle Version 2.6.33 eingepflegt, darunter auch viele neue Treiber für Netzwerk- und WLAN-Karten.

Freie Treiber für Grafikkarten

Zu den auffälligsten Neuerungen im neuen Linux-Kernel 2.6.33 gehört sicherlich der Nouveau-Treiber, der den partiell proprietären Nv-Treiber (xf86-video-nv) ab sofort ersetzen kann. Der Treiber für Grafikkarten mit Geforce-GPUs von Nvidia wurde auf Drängen Torvalds in den neuen Kernel aufgenommen. Mit dem Nouveau-Treiber wanderten auch die entsprechenden Kernel Mode Settings (KMS) in den Kernel, was ein flackerfreies Umschalten zwischen Konsole und Xserver und einen optisch weicheren Systemstart bietet. Der Nouveau-Treiber ermöglicht im Gegensatz zum Nv-Treiber über RandR die Verwendung von zwei Bildschirmen und Xvideo-Beschleunigung. Für die 3D-Unterstützung und die Verwendung von Nvidias Videobeschleunigung VDPAU wird allerdings noch immer der proprietäre Treiber von Nvidia benötigt. An den 3D-Funktionen wird intensiv gearbeitet. Dank Beiträgen aus dem Mesa- und Gallium-Projekt sollen erste OpenGL- und OpenCL- Treiber in der kommenden Version 13 der Linux-Distribution Fedora zu begutachten sein.

Bislang haben die Nouveau-Entwickler den Firmwarecode lediglich für Geforce-Karten der Serien 6 (NV40) nachgebaut. Für alle anderen Nvidia-Chipsätze muss noch ein aus dem proprietären Treiber extrahierter Codeschnipsel geladen werden. Der Entwickler Martin Kocielnicki hat allerdings einen Firmwaregenerator programmiert, mit dem der ctx_voodoo-Microcode für neuere Nvidia-Grafikchips in Echtzeit bereitgestellt wird. Damit kann auf den bisher benötigten proprietären Firmware-Codeschnipsel verzichtet werden. Wann der Code für den neuen Firmwaregenerator in den Kernel aufgenommen wird, ist noch offen.

Die Implementierung der Kernel Mode Settings für andere Grafikchipsätze schreitet ebenfalls voran, für Intel-Grafikbausteine kümmert sich ab sofort auch der Kernel vollständig um die Einstellungen für die Grafikkarte und unterstützt hier Auflösungen mit einer Farbtiefe von 32 Bit. Außerdem bietet der KMS-Treiber zusammen mit der Version 2.10 des Xorg-Intel-Treibers eine Video-Overlay-Funktion.

Monitore, die an Displayports und Embedded-Displayports angeschlossen sind, funktionieren nun auch mit der neuen Version des Radeon-Treibers an mit AMD-Grafikchipsätzen bestückten Geräten. Zusätzlich funktioniert damit auch Audio über die HDMI-Schnittstelle. Der Code des AMD-Treibers gilt nicht mehr als experimentell. Allerdings fehlt auch hier weitgehend die 3D-Funktionalität, die das proprietäre Pendant fglrx liefert.

SSDs getrimmt

Der für die Kommunikation mit Festplatten verantwortliche Libata-Treiber leitet Informationen über gelöschte Speicherbereiche an die Firmware von SSD-Festplatten weiter. Die Informationen sammelt der Discard-Stack und gibt sie über den Trim-Befehl an die Massenspeicher weiter, um deren Leistung zu erhöhen. Bislang teilte jedoch lediglich das Dateisystem Btrfs dem Discard-Stack mit, welche Speicherbereiche freigegeben wurden. Ab sofort informieren auch die Treiber für die Dateisysteme Ext4 und FAT über nicht mehr genutzte Speicherbereiche, allerdings muss bei beiden die Funktion beim Mounten manuell aktiviert werden.

Ab dieser Kernel-Version wird der veraltete IDE-Treiber entfernt. Dessen Nachfolger Pata, Teil des Libata-Treibers, wurde verbessert. In den meisten Distributionen wurde die Umstellung schon länger vorgenommen. Das gilt ebenfalls für den Anticipatory-I/O-Scheduler, der längst durch den CFQ-Scheduler ersetzt wurde. Er soll sowohl im Serverbereich als auch im Desktopbereich besser funktionieren.

In den neuen Kernel schaffte es diesmal auch der Treiber für die Netzwerkreplikation DRBD. Der Code steht schon seit längerem für den Einzug in den Kernel zur Debatte, nun gab Linus Torvalds sein Einverständnis. DRBD implementiert eine Art RAID-1 über das Netzwerk. Er hält Daten zwischen zwei oder mehr Servern in Echtzeit synchron. Bei einem Ausfall eines Servers kann ihn der zweite nahtlos ersetzen. DRBD wird zusammen mit Heartbeat in Hochverfügbarkeitslösungen eingesetzt.

Der Treiber für die Software-RAID-Implementierung Mdadm kann ab sofort besser zwischen verschiedenen RAID-Levels migrieren. Die Schreibfunktionen des Mdadm-Treibers wurden mit dem Kernel abgestimmt, so dass die Integrität der Daten bei unerwarteten Abstürzen die Integrität besser geschützt werden soll, vor allem bei verwendeten Journaling-Dateisystemen.

Multimedia und Netzwerk

Im Audiobereich wurde die Unterstützung von HD-Audio-Codecs verbessert. Der Linux-Kernel verwendet jetzt die HDMI-Audio-Codecs von Intel sowie etliche HD-Audio-Codecs der Firma VIA, darunter die VT1716S- und VT1718S- sowie VT1828S- und VT2020-Codecs. Ab dieser Kernel-Version können auch Besitzer einer TV-Karte mit Mantis-Chipsatz diese ohne zusätzliche Treiberinstallation verwenden. Zusätzlich wurden viele Commits für Treiber von Webcams eingepflegt, sowie für etliche Geräte aus dem Multimediabereich, etwa der Hauppauge WinTV-HVR1290.

Der Code aus dem Projekt gc-linux.sourceforge.net wurde ebenfalls in den Kernel integriert. Damit kann der Kernel mit den PPC-Chips verwendet werden, die in Nintendos Wii und Gamecube eingebaut sind. Wer will, kann die Spielekonsolen als Linux-basierten Thin-Client oder Multimedia-Terminal verwenden.

Wer die WLAN-Chipsätze der Serien 1000, 5000 oder 6000 von Intel verwendet, kann sie mit dem Iwlwifi-Treiber nutzen, der auch die Wifi/Wimax-Link-6050-Serie anspricht. Der neue Iwmc3200top-Treiber kann mit dem ebenfalls neuen Wireless-Multicom-Chip verwendet werden, der GPS-, Bluetooth-, WLAN- und WiMAX-Funktionen vereint. Für die Chipsätze RT2760, RT2790, RT2860, RT2880, RT2890 und RT3052 stellt der Linux-Kernel den experimentellen Treiber rt2x00 bereit. Der Treiber Bnx2x wurde um die Unterstützung von Broadcom-Chips BCM8481 und BCM84823 erweitert. Zudem haben die Kernel-Entwickler den neuen Firewire-Stack Juju als offiziellen Nachfolger des 1394-Stacks benannt und raten dringend zu einem Umstieg.

Architektonisches und Virtuelles

Viel Arbeit haben die Kernel-Entwickler in dieser Version in die vom Kernel unterstützte ARM-Architektur investiert. Dabei wurde die Unterstützung für OMAP-basierte Geräte von Texas Instruments verbessert. Unter anderem funktioniert auf OMAP3-basierten Geräten nun die WLAN-Funktion. Außerdem läuft ein entsprechend angepasster Kernel auch auf ST-Ericssons Multicore-Smartform-Plattform U8500 sowie auf Palms Centro 685. Für die x86-Architektur haben die Entwickler vor allem an der ACPI-Unterstützung diverser Laptops gearbeitet. So soll der Lenovo-SL-Hotkey auch auf Notebooks von Asus funktionieren und der ALSA-Mixer auf Thinkpads von Lenovo. Neue Treiber gibt es auch für neue Geräte von MSI und Dell sowie für den Classmate-PC von Intel.

In der Kernel-based Virtual Machine (KVM) wurde die Leistung verbessert, indem das Context Switching optimiert wurde. KVM verwendet die Virtualisierungsfunktionen von CPUs nur noch bei Bedarf. Virtuelle Maschinen konnten bereits ab der letzten Kernel-Version per Kernel Shared Memory (KSM) auf identische Speicherbereiche gemeinsam zugreifen. Ab jetzt können diese Speicherbereiche auch in den Swap-Speicher ausgelagert werden.

Wer sich einen Überblick über die zahlreichen Änderungen am Code der neuen Linux-Kernel-Version verschaffen will, kann sich unter kernelnewbies.org/LinuxChanges umfassend informieren. Der Quellcode der aktuellen Version steht unter www.kernel.org/ zum Download bereit. Dort findet sich auch ein umfassender Changelog, der die Aktualisierungen auflistet.  (jt)


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