Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1002/73382.html    Veröffentlicht: 24.02.2010 20:26    Kurz-URL: https://glm.io/73382

Bloom Box - der Generator mit Brennstoffzellen

Vom Sauerstofferzeuger zum Stromgenerator

Eine dünne Keramikscheibe, die elektrische Energie aus Sauerstoff und einem anderen Gas erzeugt - das ist das Herzstück eines Generators, den das kalifornische Unternehmen Bloom Energy entwickelt hat. Mehrere dieser Generatoren, Bloom Boxes genannt, versorgen im Testeinsatz unter anderem Google und eBay mit Strom.

Das kalifornische Unternehmen Bloom Energy hat am Mittwochmorgen (Ortszeit Kalifornien) die Bloom Box vorgestellt, einen Generator mit Brennstoffzellen. An der Präsentation, die in der eBay-Firmenzentrale stattfand, nahmen neben Bloom-Chef K. R. Sridhar der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der ehemalige US-Außenminister Colin Powell sowie Vertreter verschiedener Kunden teil, darunter Google-Gründer Larry Page. Powell sitzt im Bloom-Verwaltungsrat.

Vom Staub zum Strom

Herzstück des Bloom Energy Server ist die von Bloom entwickelte Festoxidbrennstoffzelle, die sauberen Strom aus Gas und Sauerstoff erzeugt. Diese Zelle unterscheide sich grundlegend von wasserstoffbasierten Brennstoffzellen, erklärt das Unternehmen. Das fange damit an, dass keine teuren Materialien wie Edelmetalle zum Bau genutzt würden. Stattdessen besteht die Zelle aus einfachen und günstigen Materialien. Grundstoff sei Sand, sagte Sridhar, der zu einer dünnen Keramikscheibe verbacken werde. "Powder to Power" nennt er diesen Prozess. Die Scheibe werde auf beiden Seiten mit zwei speziellen Stoffen beschichtet - fertig sei die Brennstoffzelle.

Weiterer Unterschied sei der Brennstoff: Die Zelle könne mit einem großen Spektrum an Brennstoffen betrieben werden. Das könnten herkömmliche Brennstoffe wie Erdgas sein oder solche aus erneuerbaren Quellen wie Biogas. "Diese Brennstoffzelle nimmt sie alle." Der am meisten genutzte Brennstoff sei derzeit Erdgas.

Eine einzelne dieser dünnen Zellen liefert etwa 25 Watt. Schon ein etwa 20 cm hoher Stapel reiche aus, um einen durchschnittlichen US-Haushalt rund um die Uhr mit Strom zu versorgen, erklärte Sridhar dem US-Fernsehsender CBS. Als kommerzielles Produkt will Bloom die Zelle in Form des Bloom Energy Server auf den Markt bringen. Das ist eine zehn Tonnen schwere, über zwei Meter große Anlage, die 100 Kilowatt liefert. Der Preis werde laut Sridhar bei 700.000 bis 800.000 US-Dollar liegen.

Strom statt Sauerstoff, Kalifornien statt Mars

Ursprünglich hatte Sridhar das System entwickelt, um auf dem Mars Sauerstoff zu produzieren. Dann modifizierte er es so, dass es unter Zuführung von Sauerstoff und Brennstoff elektrischen Strom produziert.

Ziel sei gewesen, eine günstige, saubere und zuverlässige Energiequelle zu entwickeln. Dabei hätten sie auch an die Menschen in der Dritten Welt gedacht. "Ohne Energie haben diese Menschen keinen Zugang zu wirtschaftlichem Wachstum", erklärte Sridhar auf der Veranstaltung, von der der US-Branchendienst Cnet live berichtete.

Bloom hat bereits mehrere Systeme an verschiedene Testkunden ausgeliefert. Gastgeber eBay etwa nutzt fünf große Bloom Energy Server, die 15 Prozent des Stromverbrauchs der Firmenzentrale decken, erklärte eBay-Chef John Donahoe. Weitere Testkunden sind das Kurierunternehmen FedEx, die Einzelhandelskette Walmart und Google.  (wp)


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