Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1002/73046.html    Veröffentlicht: 11.02.2010 12:13    Kurz-URL: https://glm.io/73046

Iran schaltet Google Mail ab

Kommunikationsministerium offenbar zu dauerhafter Sperre entschlossen

Die Regierung im Iran hat offenbar eine dauerhafte Blockade des E-Mail-Dienstes von Google angeordnet. Ein staatlich kontrollierter Maildienst soll als Alternative aufgebaut werden, um Vertrauen zwischen Regierung und Volk zu schaffen, hieß es offiziell.

Die Islamische Republik Iran blockiert dauerhaft den Zugang zu Googles E-Mail-Dienst. Das Wall Street Journal berichtet, dass das iranische Ministerium für Kommunikations- und Informationstechnologie (Ministry of Communications and Information Technology - MICT) eine permanente Blockade angeordnet habe. Am heutigen 11. Februar 2010 feiert der Iran den 31. Jahrestag der Islamischen Revolution. Die Opposition hat zu Massendemonstrationen gegen die Regierung von Mahmud Ahmadinedschad aufgerufen.

Vor kurzem waren Pläne für einen nationalen iranischen E-Mail-Dienst unter Regierungskontrolle veröffentlicht worden. Ein iranischer Regierungsvertreter begründete dies laut dem Wall Street Journal mit der notwendigen Stärkung der nationalen Internettechnologie und der Schaffung von Vertrauen zwischen Regierung und dem Volk.

Ein Google-Sprecher bestätigte der Zeitung, dass es einen massiven Rückgang bei den Zugriffen auf Google Mail vom Iran aus gegeben habe. Die eigenen Netzwerke des Internetkonzerns funktionierten jedoch störungsfrei. "Wann immer wir Blockaden gegen unseren Dienst feststellen, versuchen wir das so schnell wie möglich zu lösen", sagte der Sprecher.

Laut einer Analyse der OpenNet-Initiative vom Juli 2009 betreibt der Iran eines der weltweit größten technischen Kontroll- und Filtersysteme für das Internet. Das Routen des gesamten Internetverkehrs über Proxyserver ermöglicht das Überwachen und Protokollieren des unverschlüsselten Internetverkehrs, einschließlich E-Mails, Instant Messaging und des Surfens im Netz. Der gesamte Datenverkehr des Landes läuft über wenige Internet Service Provider, die die Netzzugänge für die privaten Haushalte bereitstellen. Diese werden zentral über die Netze der staatlich kontrollierten Telecommunication Company of Iran (TCI) geleitet.

Nikahang Kowsar, ein iranischer Onlineaktivist, der in Kanada lebt, erklärte dem Wall Street Journal, dass die Nutzung von Google Mail seit dem 10. Februar 2010 stark eingeschränkt sei. Viele Menschen im Iran setzten auf den Dienst, weil sie vermuten, dass der Zugriff der staatlichen Zensoren darauf nur eingeschränkt möglich sei.

Die Internetnutzung nimmt im Iran weiter stark zu. In den letzten acht Jahren zeigte sich ein durchschnittliches jährliches Wachstum von fast 50 Prozent auf gegenwärtig über 23 Millionen. Die Steigerungsrate ist stärker als in jedem anderen Land im Mittleren Osten.  (asa)


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