Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1002/72992.html    Veröffentlicht: 10.02.2010 13:38    Kurz-URL: https://glm.io/72992

E-Mail-Zugang bei GMX nach dem Login unverschlüsselt

Umfangreiche persönliche Daten gehen ohne SSL an den Adserver

Wer ein kostenloses E-Mail-Postfach bei GMX nutzt, ist nach dem Login ungeschützt. Nach der Anmeldung wird die Session gegenwärtig nicht weiter mit SSL verschlüsselt, sagte ein Unternehmenssprecher Golem.de. Möglicherweise umfangreiche persönliche Daten gehen so auch unverschlüsselt an den Adserver von GMX.

GMX, der Webmailservice von United Internet, steht wegen Sicherheitslücken in der Kritik. Das Blog Facebug berichtet, dass nach dem Login eines Nutzers mit Benutzername und Passwort die Session zu dem E-Mail-Postfach nicht weiter mit SSL (Secure Sockets Layer) verschlüsselt wird. Die gesamte E-Mail-Kommunikation nach dem Anmeldevorgang erfolgt damit ungeschützt.

Über eine Javascript-Funktion werden zudem umfassende persönliche Daten an den Adserver von United Internet übermittelt, fand Facebug heraus. Das Brisante dabei: Auch hier erfolgt die Kommunikation zwischen Client und GMX-Server unverschlüsselt ohne SSL. Dabei werden die Angaben übertragen, die der Nutzer zu Vorname, Name, Geschlecht, Geburtsdatum, Postleitzahl, Ort, Straße, Telefon, E-Mail und Kundennummer bei GMX gemacht hat.

Ein GMX-Sprecher bestätigte die Angaben gegenüber Golem.de. "Grundsätzlich stimmen die Dinge zum Teil", sagte er. "Derzeit haben wir keinen verschlüsselten Webdienst bei GMX im Freemailbereich." Einen früher bereits vorhandenen, verschlüsselten Webmaildienst habe GMX wieder abschalten müssen, "weil es vermehrt Beschwerden gab, dass dies auf die Performance schlägt". Die Planung sehe aber vor, dass GMX im Verlauf des Monats März 2010 wieder einen hohen durchgängigen Sicherheitsstandard anbietet. Bei kostenpflichtigen GMX-Mail-Zugängen gebe es die Performanceprobleme jedoch nicht, so der Sprecher.

Auch die unverschlüsselte Übermittlung der persönlichen Daten an den GMX-Adserver bestätigte der Sprecher. Diese Daten würden aber nicht an Werbetreibende herausgegeben, versicherte er. "Es sind bisher keine Fälle von Datendiebstahl aufgetreten", sagte er. GMX hat nach eigenen Angaben 14 Millionen aktive Postfächer. Als aktiv bezeichnet das Unternehmen E-Mail-Konten, die in den letzten 30 Tagen genutzt wurden.  (asa)


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