Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1002/72959.html    Veröffentlicht: 08.02.2010 20:19    Kurz-URL: https://glm.io/72959

Itanium 9300 Tukwila: Vier Kerne bis 1,73 GHz und 185 Watt

Neue Roadmap für zehn weitere Jahre mit Itanium

Als "Itanium 9300" hat Intel nun den bisher als "Tukwila" bekannten ersten Quad-Core der Serie vorgestellt. Er passt in eine neue Plattform, deren Sockel noch zehn Jahre halten soll. Damit geht eine Verschmelzung der Infrastrukturen von Xeons und Itaniums einher.

Auch wenn das Projekt Itanium von Beobachtern gerne totgeschrieben wird, scheint es Intel mit seinem Bekenntnis zum Konkurrenten für Sparc und Power absolut ernst zu meinen. So gab sich auch Intel-Vize Kirk Skaugen, Chef der Datecenter-Abteilung, bei der Vorstellung der neuen Prozessoren in San Francisco recht selbstbewusst.

Über 80 der jeweils größten 100 Unternehmen im Bereich Automobilherstellung, Telekommunikation, Gesundheitswesen oder Halbleiterherstellung würden bereits mit Itaniums arbeiten, sagte Skaugen. Intel selbst setzt den 64-Bit-Prozessor in seinen Chipfabriken unter anderem für die Testprozeduren in der Fertigung ein. Als weiteren Referenzkunden nannte Skaugen die Tokioter Börse, die vor kurzem nach 18 Monaten Tests ihre alten Mainframes - den Namen "IBM" nannte Skaugen nicht - abgeschaltet habe und auf Itaniums umgestiegen sei.

Die Verzögerungen bei Itanium - angekündigt war Tukwila ursprünglich für 2008 - gestand Skaugen ein, sagte aber auch, die letzte Verschiebung habe man intensiv genutzt, um die künftigen Plattformen zusammenzuführen. So arbeitet der Itanium 9300 jetzt nicht nur mit dem ohnehin erwarteten QPI-Interface für die Verbindung von bis zu acht Sockeln untereinander.

Seine gesamte Plattform aus Prozessor, Chipsatz 7500, Memory Buffer und ICH 10 soll so auch für den Nehalem-EX tauglich sein, den Intel in den nächsten 60 Tagen vorstellen will. Der neue Sockel des Itanium 9300 soll zudem auch für dessen Nachfolger "Poulson und "Kittson" verwendet werden, die Intel "etwa im Abstand von jeweils zwei Jahren" auf den Markt bringen will, sagte Kirk Skaugen.

Bis dahin liegen die Zuwächse an Rechenleistung mit Tukwila erst einmal im Rahmen dessen, was sich von der Verdoppelung der Kerne und Hyperthreading erwarten lässt: Rund zweimal schneller soll der Prozessor gegenüber den Dual-Core-Itaniums der Serie 9100 sein. Da hilft auch der Turbo Boost wenig, den die Itaniums jetzt beherrschen. Nur für das schnellste Modell, Itanium 9350, nannte Skaugen dafür einen Wert: Statt 1,73 GHz soll die CPU mit 1,86 GHz arbeiten können, also um einen der 133-MHz-Schritte mehr.

Dafür brauchen die schnellsten 9300er dann aber gleich 185 Watt, was ein weiterer Grund für die komplett neue Plattform sein dürfte. Die letzten Dual-Core-Itaniums beschränkten sich auf 104 Watt bei 1,66 GHz. Die kleineren Tukwilas kommen bei vier Kernen noch auf 155 Watt, nur das Dual-Core-Modell der Serie, der Itanium 9310 mit 1,6 GHz liegt bei den bisher üblichen maximal 130 Watt.

Einen kräftigen Schub soll die Bandbreite zwischen den Prozessoren erhalten haben, die sich laut Intel um den Faktor neun gesteigert hat. Nicht nur QPI ist dafür verantwortlich, auch ein neues Protokoll für das Lauschen am Speicherbus, genannt "Directory Snoop". Mit dem Chipsatz 7500, den Intel als "Scalable Memory Buffer" bisher nur grob umrissen hat, soll sich zudem die Speicherbandbreite um den Faktor sechs erhöht haben.

Die Abkehr von den stromhungrigen und teuren FB-DIMMs, die im Februar 2009 zur letzten Verschiebung von Tukwila führte, hat Intel mit dem Umstieg zu DDR3 auch für neue Mechanismen zur Fehlerkorrektur genutzt. Bis zu zwei Chips auf einem DIMM dürfen nun gleichzeitig einen Fehler aufweisen, der von der Korrektur abgefangen wird. Speicher, Prozessoren und das I/O-Subsystem sind Hot-Plug-fähig, können also im Betrieb ausgetauscht werden.

Dass nun wieder Schwung in die Itanium-Landschaft kommen soll, versuchte Intel mit zwei neuen Partnern zu untermauern. So will das chinesische Unternehmen Inspur für das landeseigene Wissenschaftsministerium Itanium-Systeme bauen. Von Supermicro, einem Spezialisten für Serverboards, sollen zudem nun auch erstmals kleinere Itanium-Plattformen für OEMs kommen.

Während die Serie 9300 der Itaniums also im Wesentlichen eine Umstrukturierung der Plattform brachte, will Intel mit dem nächsten 64-Bitter "Poulson" eine neue Mikroarchitektur einführen. Sie soll sowohl auf der Ebene der Instruktionen schneller arbeiten als auch Verbesserungen beim Hyperthreading bringen - also etwa vier Threads pro Kern. Mehr Kerne sind ebenso vorgesehen.

Poulson wird, wie Intel bereits früher bestätigte, gleich in 32-Nanometer-Technik gefertigt. Den 45-Nanometer-Schritt überspringt Intel bei den Itaniums, denn Tukwila wird noch mit 65-Nanometer-Strukturen hergestellt. Das dürfte einer der Hauptgründe für seine hohe Leistungsaufnahme sein.  (nie)


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