Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1001/72722.html    Veröffentlicht: 28.01.2010 14:03    Kurz-URL: https://glm.io/72722

R.J. Mical: Herausforderung Fotorealismus

Legendärer Computerentwickler spricht auf Entwicklertagung über Spielehardware

Zur Playstation 4 wollte (und durfte) sich Robert J. Mical auf dem Entwicklerkongress Game Forum Germany nicht äußern. Aber der Miterfinder des legendären Amiga-Heimcomputers verriet trotzdem, was er von der Spielezukunft erwartet.

Die vielleicht wichtigste Botschaft von Robert J. Mical, Eröffnungsredner bei der Entwicklerkonferenz Game Forum Germany, drehte sich um die Hardware der nächsten Generation: "Multicore-Programmierung ist so wahnsinnig wichtig, ich rate jedem Studenten, der Spiele entwickeln möchte, genau das zu lernen. Ich bin überzeugt, dass das ein Problem für viele der älteren Programmierer wird, dass sie da nicht mehr aufschließen können", sage Mical, der selbst schon seit Jahrzehnten in der Branche tätig ist. Er hat unter anderem entscheidend an der Entwicklung des Amiga mitgewirkt und arbeitet derzeit für Sony Worldwide Studios.

Momentan sieht Mical noch keinen Grund, eine neue Konsolengeneration einzuführen. Im Gegenteil. Er ist der Meinung, dass gerade die Entwicklerteams erst einmal mit den aktuellen Geräten das Geld, das sie in den vergangenen Jahren investiert haben, wieder verdienen müssen. Allerdings rechnet er damit, dass die nächste Konsolengeneration vom Start an in jeder Hinsicht kostengünstiger sein wird. Auch bei den Grafikprozessoren erwartet er Multicore-Technologien - etwa in dem Sinne, dass das Bild geachtelt wird und jeder Kern für einen Ausschnitt zuständig ist.

Ein immer größeres, ganz praktisches Problem von Sony-Ingenieuren ist, dass derzeit die Anforderungen an Kühlsysteme immer größer werden. Je schneller und größer die Prozessoren, desto mehr Abwärme produzieren sie schließlich. Das sei kein Problem, das sich irgendwann von selbst erledige, sondern eine echte Herausforderung.

Mical erwartet, dass sich die Grafik rasant weiter verbessert, sieht da aber ein grundsätzliches Problem: Mit jedem Schritt hin zum Fotorealismus werde es schwieriger, weitere Verbesserungen zu erzielen. Und die letzten paar Meter dürften richtig problematisch werden - er hält es für denkbar, dass das Publikum auf "fast" realistisch sogar beinahe ablehnend reagiert, weil es dann quasi Kinoqualität erwartet, aber immer irgendetwas dafür sorgt, dass das Gesamtbild nicht rund wirkt.

Auf eines legte Mical viel Wert: Es komme nicht nur auf die Technik an - "auch die beste Hardware mit toller Grafik und Rich Graphics and Content zählt wenig im Vergleich zum eigentlichen Gameplay".  (ps)


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