Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1001/72564.html    Veröffentlicht: 21.01.2010 14:17    Kurz-URL: https://glm.io/72564

EU genehmigt Übernahme von Sun ohne Auflagen (Update)

EU setzt auf PostgreSQL, Forks und Java Commercial Process

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sieht keine Probleme mehr bei der Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle. Die Open-Source-Datenbank PostgreSQL werde von vielen Nutzern als echte Alternative zu MySQL betrachtet und könne diese als Wettbewerbskraft auf dem Datenbankmarkt ersetzen.

Oracle darf den Server- und Softwarehersteller Sun Microsystems ohne Auflagen übernehmen. Das gab die Europäische Kommission bekannt. In der im September 2009 eingeleiteten "eingehenden Untersuchung" sei die Wettbewerbsbehörde zu dem Schluss gelangt, dass das Vorhaben den wirksamen Wettbewerb im europäischen Wirtschaftsraum nicht "erheblich beeinträchtigen" würde.

Der Hersteller von Unternehmenssoftware war mit einem formellen Einwand aus Brüssel gegen die Übernahme von Sun konfrontiert, für das Oracle 7,4 Milliarden US-Dollar zahlen will. Dabei ging es hauptsächlich um die Open-Source-Datenbank MySQL, die Sun 2008 gekauft hatte.

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte: "Ich bin jetzt sicher, dass Wettbewerb und Innovationskraft auf allen betroffenen Märkten gewahrt bleiben. Der Erwerb von Sun durch Oracle eröffnet die Möglichkeit, wichtige Ressourcen zu reaktivieren und neue, innovative Produkte auf den Markt zu bringen."

Die EU hatte geprüft, ob der Erwerb der weltweit größten Open-Source-Datenbank MySQL durch Oracle, den führenden Anbieter proprietärer Datenbanken, zu einer erheblichen Wettbewerbsbeeinträchtigung führen würde. Die EU gelangte aber zu der Ansicht, dass MySQL und Oracle zwar in bestimmten Segmenten des Datenbankmarktes miteinander konkurrieren, aber in anderen Teilsegmenten, zum Beispiel bei High-End-Produkten, keine engen Wettbewerber sind.

Alternative PostgreSQL

Die Open-Source-Datenbank PostgreSQL werde von vielen Nutzern als echte Alternative zu MySQL betrachtet, weshalb diese, bis zu einem gewissen Grad, MySQL als Wettbewerbskraft auf dem Datenbankmarkt ersetzen könne. Zudem entstünden Forks als legale "Kopien" der MySQL-Codebasis.

Oracle hätte im Dezember 2009 angekündigt, weiterhin auf der Grundlage einer GPL-Lizenz neue MySQL-Versionen auf den Markt zu bringen. Inzwischen sei Oracle bereits einigen seiner Zusagen nachgekommen, sagte Kroes.

Auch bei der Java-Entwicklungsplattform sieht die EU keine Probleme durch die Oracle-Übernahme. Sie kam zu dem Schluss, dass die Möglichkeiten für Oracle, der Konkurrenz den Zugang zu wichtigen gewerblichen Java-Schutzrechten zu erschweren, durch den Java Commercial Process (JCP) sehr begrenzt ist.

MySQL-Gründer hofft auf China und Russland

Die Gegner der Sun-Übernahme um den MySQL-Gründer Michael Widenius setzen nun darauf, dass die Wettbewerbsbehörden in China oder Russland den Deal noch blockieren könnten. China und Russland seien große, selbstbewusste Länder mit wachstumsstarken Volkswirtschaften, deren Erfolg vom kostengünstigen Zugang zu leistungsfähiger Informationstechnologie abhänge.

PostgreSQL existiere seit Jahrzehnten, ohne den Durchbruch auf dem Massenmarkt geschafft zu haben, so Widenius, und MySQL-Forks stellten keine echte Bedrohung für Oracle dar. Oracles Versprechungen seien zudem nicht rechtlich bindend.

Nachtrag vom 21. Januar 2010, 15:49 Uhr:

Oracle erwartet eine Zustimmung ohne Auflagen von den Wettbewerbsbehörden in China und Russland und beabsichtigt, die Transaktion in Kürze abzuschließen, gab das Unternehmen bekannt.  (asa)


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