Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1001/72515.html    Veröffentlicht: 20.01.2010 12:09    Kurz-URL: https://glm.io/72515

MySQL-Streit: EU wird Übernahme Suns durchwinken

Kritiker sehen keine echten Zugeständnisse von Oracle

In der nächsten Woche kommt von der EU höchstwahrscheinlich die Zustimmung für den Kauf von Sun Microsystems und deren Tochter MySQL durch Oracle. Das berichten das Wall Street Journal und die Gegner der Übernahme um den MySQL-Gründer Michael Widenius.

Die Europäische Kommission wird in der kommenden Woche die Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle offiziell genehmigen. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Bis zum 27. Januar 2010 hat die Wettbewerbsbehörde eine Entscheidung zugesagt.

Der Hersteller von Unternehmenssoftware Oracle ist seit November 2009 mit einem formellen Einwand aus Brüssel gegen die Übernahme von Sun für 7,4 Milliarden US-Dollar konfrontiert. Dabei geht es um die Open-Source-Datenbank MySQL. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes wollte die Konsequenzen prüfen, die die Übernahme des Marktführers bei Open-Source-Datenbanken durch das weltweit führende Unternehmen im Bereich proprietärer Datenbanken hat. Doch im Dezember 2009 lenkte Oracle ein und kündigte Zugeständnisse an. "Wir erwarten, dass die Europäische Kommission die Akquisition von Sun im Januar vorbehaltlos klärt", hatte Oracle-President Safra Catz am 17. Dezember 2009 gesagt.

EU sah am Ende schwach aus

MySQL-Gründer Michael Widenius hatte eine Webkampagne gestartet, um weltweit Mitstreiter gegen die Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle in der aktuellen Form zu sammeln. Bisher haben 32.900 Menschen die Petition gezeichnet. Auch Widenius glaubt, dass die Brüsseler Behörde "die Akquisition wohl sehr kurzfristig freigeben" werde. "Die EU-Kommission demonstrierte in weiten Teilen des Verfahrens Mut und Kompetenz, sah am Ende aber schwach aus", sagte er. Es habe ein Treffen mit der EU-Kommission am 7. Januar 2010 gegeben, bei dem als Begründung für eine Freigabe der Übernahme nur erklärt wurde, dass Sun wirtschaftliche Schwierigkeiten habe. Widenius: "Das ist wettbewerbsrechtlich überhaupt kein Argument, denn Oracle hätte MySQL ausklammern und den Rest von Sun übernehmen können."  (asa)


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