Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1001/72393.html    Veröffentlicht: 14.01.2010 07:31    Kurz-URL: https://glm.io/72393

Radeon HD 5670: DirectX-11 unter 100 Euro

Neue Einstiegskarten von AMD

Mit seiner neuen Grafikkarte bietet AMD erstmals DirectX-11-Technik für unter 100 Euro an. Die 5670 ist der Nachfolger der 4670, die aber weiter angeboten werden soll. Auch wenn die Spieleleistung eingeschränkt ist, sind fast alle Vorteile der größeren Radeon-5000-Serie vorhanden, darunter auch Unterstützung für drei Monitore.

Nach September, Oktober und November im vergangenen Jahr bringt AMD nun Anfang Januar 2010 bereits seine vierte Modellvariante der Serie Radeon 5000 auf den Markt - planmäßig. Zwar bessert sich die anfangs sehr schlechte Verfügbarkeit insbesondere der größeren Modelle nur langsam, AMD rückt jedoch von seinem Produkttrommelfeuer nicht ab, das vor allem Nvidia treffen soll.

Ab Februar 2010: DirectX-11 auf Lowcost-Karten
Ab Februar 2010: DirectX-11 auf Lowcost-Karten
Mit der Radeon HD 5670 ist die Produktpalette fast komplett, etwas später sollen noch die Low-Cost-Modelle 5500 und 5400 erscheinen, die teils unter 50 Euro kosten dürften. Einen Preis dafür nennt AMD offiziell noch nicht, aber den groben Termin: Schon im Februar 2010 soll es so weit sein. Diese kommenden Karten sind besonders interessant für Mediacenter-PCs, da sie in halber Bauhöhe gehalten sind und auch unter Last nur weniger als 50 Watt aufnehmen sollen, was Passivkühlung ermöglicht.

Bis zu 61 Watt sind es bei der 5670 mit 1 GByte, die kleineren Versionen mit 512 MByte sind erfahrungsgemäß kaum sparsamer. Im 2D-Betrieb sollen die Karten nur 14 Watt aufnehmen, was auf dem gleichen Niveau wie beim Vorgänger 4670 liegt. Wie diese benötigt auch die 5670 keine zusätzliche Stromversorgung, so dass sie bald in günstigen PCs landen dürfte, die mit Slogans wie "Neueste DirectX-11-Technik" beworben werden, aber kein potentes Netzteil für schnellere Karten besitzen.

Die Preisempfehlung von AMD liegt bei der 1-GByte-Version bei 109 Euro, die 512-MByte-Karte soll nur 79 Euro kosten. Ob sich insbesondere Onlinehändler anfangs daran halten, ist zu bezweifeln. Viele dieser Versender verlangten nach dem Marktstart der Serien Radeon 5800 und noch schlimmer bei der 5970 deutlich höhere Preise, weil die Karten knapp und sehr begehrt waren.

Ein Viertel Radeon 5800

Die größten GPUs der 5000er Serie auf Radeon 5870 und 5970 bestehen aus 1.600 Stream-Prozessoren, der Chip "Redwood" der 5670 nur aus 400 dieser Rechenwerke. Da er wie alle DirectX-11-GPUs von AMD in 40 Nanometern Strukturbreite hergestellt wird, kann AMD fast viermal so viele 5670 pro Wafer herstellen wie bei der 5870. Die Anzahl der Transistoren des Grafikprozessors beträgt bei der 5670 nur 627 Millionen, bei einer 5870 sind es 2,15 Milliarden.

AMD Radeon HD 5670 - nur einen Slot breit
AMD Radeon HD 5670 - nur einen Slot breit
Bei den Taktraten hat AMD, wie bei seinen Einstiegskarten üblich, aber den Rotstift nur leicht angesetzt. Mit 775 MHz für die GPU und 1 GHz für den Speicher - der in beiden Varianten nach GDDR5 ausgeführt ist - liegt die 5670 im Bereich der Mittelklassekarte 5750, die mit 700 und 1.150 MHz getaktet ist. Exakte Angaben zur Breite des Speicherinterface macht AMD inzwischen nicht mehr, da 5750 und 5670 aber eine maximale Speicherbandbreite von 73,6 und 64 GByte pro Sekunde erreichen sollen, dürfte der Bus bei beiden Modellen gleich breit sein.

Die Unterstützung für AMDs "Stream SDK" für Rechenanwendungen auf der GPU bringt die 5670 wie alle Karten nach DirectX-10 und Version 11 mit, die geringere Zahl der Rechenwerke muss dabei nicht unbedingt ein Nachteil sein, weil viele Stream-Programme ohnehin nicht alle Prozessoren ausnutzen.

Ebenso ist AMDs Technik für mehrere Monitore namens "Eyefinity" mit der 5670 nutzbar. Statt sechs Monitoren wie bei den Eyefinity-Versionen der 5870 sind mit der kleineren Karte aber nur drei Displays gleichzeitig möglich - für die allermeisten Anwendungen reicht das aber leicht aus. Noch kaum Angaben gibt es zum Videodecoder der 5670; ob dieser zwei Full-HD-Streams von einer Blu-ray 3D verarbeiten kann, ist damit nicht sicher. Flash-Videos mit Adobes Player 10.1 soll er jedoch per GPU decodieren können.

AMDs Referenzdesign sieht je einen Port für VGA, DVI und HDMI vor, die Kartenhersteller können aber auch andere Kombinationen verbauen. Hier ergeben sich Differenzierungsmöglichkeiten, insbesondere scheint eine Karte mit drei HDMI-Ports, die noch problemlos auf das Slotblech passen, recht interessant. HDMI beherrscht jeder aktuelle Monitor, die Eyefinity-Karten mit sechs Ports sprechen jedoch nur Mini-Displayport an. Dafür kann sich der Anwender entweder einen der raren DP-Monitore zulegen oder recht teure Adapter für DVI oder HDMI kaufen.

Konkurrent: Geforce GT 240

AMDs eigene Tests im Vergleich zu GT 240 mit 512 MByte
AMDs eigene Tests im Vergleich zu GT 240 mit 512 MByte
Als direkten Gegner für die 5670 hat AMD die GT 240 vorgesehen. In seinen eigenen Benchmarks vergleicht AMD dabei aber stets eine 5670 mit 1 GByte mit einer GT 240 mit 512 MByte, so dass diese Werte fragwürdig sind. Immerhin geben sie die Tendenz wieder, dass die neue Karte bei mittleren Details bis 1.920 x 1.080 noch spielbare Bildraten über 30 fps erzeugen dürfte. Eigene Messungen von Golem.de waren diesmal nicht möglich, da AMD die 5670 erst während der CES zur Verfügung stellte.

Nach der Papierform erscheint die 5670 aber dennoch interessant, vor allem wegen der Unterstützung von drei Monitoren, die für so wenig Geld und Leistungsaufnahme noch nicht zu haben war. Auch wenn die Spieleleistung für gegenwärtige Titel noch ausreichen mag, so sind ambitionierte Spieler aber dennoch mit einer größeren Karte besser beraten: Die Entwickler fangen gerade erst an, die Funktionen von DirectX-11 auszureizen. Das Demo "Heaven" fällt beispielsweise beim Zuschalten aller Optionen wie Tesselation auch auf der 600-Euro-Karte 5970 auf unter 60 Bilder pro Sekunde.

Für gelegentliches Spielen, Videobeschleunigung und das Ausprobieren von DirectX-11-Titeln - etwa in Form von Downloaddemos - reichen aber erfahrungsgemäß auch Karten der 100-Euro-Klasse.  (nie)


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