Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0912/72125.html    Veröffentlicht: 30.12.2009 11:07    Kurz-URL: https://glm.io/72125

Patch im Streit um Word-Verkaufsverbot bereitgestellt (Upd.)

OEM-Partner in den USA sollen Korrektursoftware von Microsoft aufspielen

Microsofts OEM-Partner haben einen Patch bereitgestellt bekommen, der strittige Funktionen in der Textverarbeitung Word abschaltet. Das Korrekturprogramm ist eine Reaktion auf die erneute gerichtliche Niederlage im Patentstreit mit i4i.

Microsoft hat als Reaktion auf das durch i4i erstrittene Verkaufsverbot offenbar einen Patch für seine Textverarbeitung Word erstellt. Unter dem Titel 2007 Microsoft Office Supplement Release (October 2009) bietet der weltgrößte Softwarehersteller seinen OEM-Partnern das Korrekturprogramm an.

Im Erklärungstext dazu heißt es: "Nachdem dieser Patch installiert ist, kann Word keine Custom XML-Elemente mehr lesen, die in DOCX, DOCM oder XML-Dateien enthalten sind. Diese Dateien werden sich auch weiterhin öffnen lassen, aber die Custom XML-Elemente werden entfernt." Custom XML würde von den meisten Endnutzern von Word nicht verwendet, erklärt Microsoft. Der Patch sei aber für alle Microsoftkunden in den USA obligatorisch. Custom XML bietet die Möglichkeit, Textpassagen innerhalb von Word an XML-Tags zu binden, wenn ein XML-Schema an das Dokument angebunden ist und somit diese Textpassagen in einen Kontext zu setzen.

Die Softwarekorrektur ist bislang nur für PC-Hersteller und Systemhäuser verfügbar, und betrifft Word 2007 und Word 2003, könnte aber auch bald über Windows Update und Automatic Updates in den USA an Endkunden ausgeliefert werden.

Verkaufsverbot bestätigt

Im Patentrechtsstreit zwischen Microsoft und der kleinen kanadischen Firma hatte ein texanisches Gericht am 11. August 2009 ein Verkaufsverbot für die Textverarbeitung Word verhängt. Microsoft sollte zudem rund 290 Millionen US-Dollar an i4i zahlen. Microsoft konnte jedoch vor dem höchsten Berufungsgericht der USA eine Aufhebung des Verkaufsuntersagung während der Prozessdauer erstreiten. Doch das Berufungsverfahren gegen i4i am 22. Dezember 2009 ging für Microsoft verloren: Das Gericht bestätigte die Geldstrafe und das Verkaufsverbot. Der Softwarekonzern bekam bis zum 11. Januar 2010 Zeit, die Auflagen zu erfüllen.

I4i stellt XML-basierte Content-Management-Software her und bietet eine Software, die Microsoft Word um XML-Funktionen erweitert. Der XML-Spezialist wirft Microsoft vor, das US-Patent Nr. 5,787,499 mit einer Funktion vorsätzlich zu verletzen, die das Öffnen von mit Word gespeicherten XML- oder DOCX-Dateien mit der Textverarbeitung erlaubt. Microsoft weist die Anschuldigung zurück und bestreitet die Gültigkeit der Patente von i4i.

Nachtrag vom 07. Januar 2010, 14:44 Uhr:

Jens Häupel, Platform Strategy Manager bei Microsoft Deutschland, sagte Golem.de. "Custom XML legt innerhalb des Open XML-Standards fest, wie eigene XML-Datenstrukturen abgelegt werden, so dass die Hostanwendungen diese erkennen, verarbeiten oder unberührt lassen." Prinzipiell kann man jede erdenkliche Datenstruktur innerhalb des Open XML-Zip-Containers ablegen. Ist aber der entsprechende Content Type nicht angegeben, werden Programme wie Word diese Strukturen ignorieren und beim Wiederabspeichern hinauswerfen.

Eigene XML-Datenstrukturen

"Custom XML wird in Word etwa dafür verwendet, Content Controls mit Daten zu füllen. Dazu erhält das entsprechende Content Control eine Datenquelle, die auf ein Element aus einer Custom XML Struktur zeigt. Die Inhalte der Container Custom XML und Content Control gleicht Word selbsttätig ab" so Häupel.

Content Controls sind Oberflächenelemente, die es dem Anwender erlauben, beispielsweise Formulare schnell und einfach auszufüllen. Wenn das Dokument in einen Workflow eingebunden ist, können mit einer meist serverseitigen workflow activity diese Daten über den Custom XML Datastore schnell extrahiert und weiterverarbeitet werden, ohne das ganze WordprocessingML-Dokument durchsuchen zu müssen.  (asa)


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