Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0912/72096.html    Veröffentlicht: 28.12.2009 12:12    Kurz-URL: https://glm.io/72096

Neue Forderungen nach Nacktscanner stoßen auf Ablehnung

CSU-Präsidiumsmitglied gegen umstrittene Ganzkörperabbildung

Forderungen nach der Einführung von Nacktscannern sind in Deutschland auf Ablehnung gestoßen. Sicherheitskreise in der USA hatten dies nach dem missglückten Sprengstoffanschlag über Detroit verlangt.

Der frühere Sicherheitsberater im Weißen Haus, Richard Clarke, hatte im Gespräch mit dem Sender ABC verlangt, die umstrittenen Nacktscanner einzuführen. Michael Chertoff, ehemals Heimatschutzminister der Vereinigten Staaten, und Kip Hawley, bis Januar 2009 Chef der US-Bundesbehörde Transportation Security Administration, wollen die Scanner überall in den USA einführen. 150 Geräte seien bereits bestellt, berichtet die New York Times.

In Deutschland wurde der Vorstoß zurückgewiesen: "Wir sind uns mit einer Reihe nationaler Regierungen einig, dass es bessere und wirksamere Alternativen zum Einsatz von Nacktscannern gibt", sagte Manfred Weber, Vizefraktionschef der Europäische Volkspartei im Europaparlament und CSU-Präsidiumsmitglied, der in Berlin erscheinenden Tageszeitung Die Welt. "Zum Beispiel sind Scanner im Testbetrieb, die mit chemischen Stoffen durch Anblasen gefährliche Stoffe oder Geräte feststellen können. Deshalb sehen wir Nacktscanner sehr skeptisch."

Ganzkörper- oder Nacktscanner erstellen mit Hilfe elektromagnetischer Strahlen ein 3D-Bild, auf dem der gesamte Körper des Fluggastes ohne Kleidung erscheint. Dadurch werden alle am Körper befestigten Gegenstände sichtbar. Bei dem missglückten Sprengstoffanschlag auf ein US-Flugzeug am 25. Dezember 2009 im Landeanflug auf Detroit soll Farouk Abdulmutallab versucht haben, mit einem Sprengsatz aus Nitropenta (PETN) das Flugzeug von Amsterdam nach Detroit mit 278 Menschen an Bord zum Absturz zu bringen.

Der mutmaßliche Attentäter hatte ein bis Juni 2010 gültiges Einreisevisum für die USA, obwohl er als Terrorverdächtiger verzeichnet war. Sein Vater, der ehemalige Wirtschaftsminister Nigerias, Umar Abdulmutallab, hatte sich erst vor einigen Monaten an die US-Behörden gewandt, und über die islamistisch-terroristischen Tendenzen seines Sohne berichtet. Die Behörden müssten in erster Linie effektiver arbeiten, sagte Weber.

"Nacktscanner gehen zu weit", sagte auch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt der Berliner Zeitung. "Sie verstoßen gegen die Menschenwürde. Sie sind auch nicht nötig, wenn mehr Personal eingesetzt wird."

Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach CDU, forderte, Durchsuchungsgeräte zu entwickeln, "die Tatmittel leichter erkennbar machen, ohne dabei die Privat- und Intimsphäre der Passagiere zu verletzen". Nacktscanner erfüllten diese Voraussetzungen bislang nicht, sagte er.  (asa)


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