Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0912/72094.html    Veröffentlicht: 28.12.2009 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/72094

Wikileaks plädiert für Zone für freie Information

Das Projekt macht sich dafür in Island stark

Zu dem angekündigten Thema Wikileaks 1.0 äußerten sich Wikileaks-Mitarbeiter Daniel Schmitt und Leiter Julian Assange nicht. Stattdessen präsentierten sie ihre Idee einer freien Zone für Information.

Als Gegenpol zu den finanziellen Freizonen plädieren Wikileaks-Leiter und -Gründer Julian Assange und Wikileaks-Mitarbeiter Daniel Schmitt auf dem 26C3 für eine "Freie Zone für Informationen". Dort sollen spezielle und strikte Gesetze gelten, die die Informationsfreiheit garantieren. Als Vorbild für die Gesetzgebung soll der erste Artikel der amerikanischen Verfassung zur Redefreiheit dienen, aber auch die liberalen schwedischen Gesetze zur Informationstechnologie sowie die strikten Gesetze zum Schutz von Journalisten und deren Quellen in Belgien.

Informationsfreizone Island

Island sei gegenwärtig ein idealer Kandidat für eine solche Informationsfreizone, so Wikileaks. Nach der Veröffentlichung interner Papiere der kollabierten privaten Bank Kaupthing durch Wikileaks und der anschließende Versuch die Veröffentlichung juristisch zu verhindern, sei die isländische Öffentlichkeit weitgehend für das Thema Informationsfreiheit sensibilisiert. Ein entsprechender Vorschlag seitens Wikileaks in einer populären Talkshow sei danach auf großen öffentlichen Anklang gestoßen.

Wikileaks hatte Ende August 2009 ihnen anonym zugespielte interne Papiere der Kaupthing Bank veröffentlicht. Als das staatliche Fernsehen RUV über die Dokumente berichten wollte, ereilte den öffentlich rechtlichen Sender eine einstweilige Verfügung. Stattdessen sendete RUV zwei Minuten lang die Webseite von Wikileaks als Standbild.

Assange und Schmitt betonten, die Notwendigkeit eines freien Zugangs zur und die Integrität von Informationen weltweit sei wichtiger denn je. Die Presse, die eigentlich für Enthüllungen solcher Art zuständig sei, werde immer mehr eingeschränkt, etwa durch finanzielle Kürzungen oder gar staatliche Repressionen. Internet-Einrichtungen wie Wikileaks seien eine unentbehrliche Instanz, um der Öffentlichkeit weiterhin relevante Informationen frei und unzensiert zu präsentieren. In einer freien Informationszone könnten solch neuralgischen Informationen gelagert werden, ohne dabei von Sperren oder einer Löschung bedroht zu werden.

Quellenschutz durch Technik

Wikileaks kümmert sich nicht nur um die Veröffentlichung sensibler Dokumente, sondern auch um die Quellen, die die Informationen an Wikileaks weitergeben. Die Organisation garantiert die Anonymität dieser Quellen. Wikileaks leistet dabei sowohl rechtlichen als auch technischen Beistand. Dazu gehören Tipps, wie eine Quelle auch im digitalen Netz seine Spuren verwischen kann, etwa mit der Anonymisierung über das Tor-Netzwerk.

Gegenwärtig präsentiert die Webseite Wikileaks nur einen Aufruf für Spenden an die Organisation. Dies soll bis zum 6. Januar 2010 so bleiben. Benötigt werden beispielsweise dringend zusätzliche Hardware, die die steigende Anzahl der Zugriffe bewältigen sollen. Ob sich dann Wikileaks in dem neuen Gewand 1.0 zeigen wird, das beispielsweise auch einen Twitterfeed bieten soll, war bislang nicht zu erfahren.  (jt)


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