Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0912/72019.html    Veröffentlicht: 31.12.2009 12:11    Kurz-URL: https://glm.io/72019

Android, iPhone und WebOS bestimmen die Handyzukunft

Android und WebOS starten kommendes Jahr richtig durch

Das aktuelle Jahr stand im Zeichen von Apples iPhone, Googles Android und Palms WebOS. Die etablierten Smartphone-Plattformen verloren dabei an Einfluss auf die Mobiltelefonentwicklung. Vor allem von Nokia war mehr erwartet worden, der Stillstand bei Microsoft überraschte hingegen kaum.

Das Handyjahr 2009 hatte Palm mit einem Paukenschlag eingeläutet: Das Palm Pre mit WebOS wurde erstmals gezeigt. WebOS ist die von Palm entwickelte neue Plattform für Mobiltelefone und gilt als Quasi-Nachfolger von Palm OS. Im Sommer 2009 kam das Palm Pre dann auf den Markt, zunächst nur in Nordamerika, seit Oktober 2009 ist es auch in Deutschland zu haben.

Das von Palm entwickelte Betriebssystem WebOS besitzt als Besonderheit ein für den Nutzer transparentes Multitaskingsystem und mit Synergy eine Technik zur Einbindung von Informationen aus verschiedenen Quellen. Das gesamte System ist voll auf die Nutzung von Internetdiensten ausgerichtet. Ohne eine mobile Datenverbindung lässt es sich nicht sinnvoll nutzen.

WebOS hat dem Markt für Mobiltelefone zwar viele neue Impulse gebracht, die aber, anders als beim iPhone, von der Konkurrenz bislang nicht aufgegriffen wurden. WebOS-Geräte zeichnen sich durch einen speziellen Gestenbereich für die Bedienung aus, werden über Multitouch-Bildschirme mit den vom iPhone bekannten Gesten bedient und weisen den Nutzer durch dezente Benachrichtigungen störungsfrei auf neue Nachrichten hin.

In den USA gibt es mit dem Palm Pixi bereits einen niedrigpreisigeren Ableger des Palm Pre. Wann und ob der Palm Pixi nach Deutschland kommt, ist nicht bekannt. Möglicherweise wird Palm kommendes Jahr noch weitere Smartphones auf Basis von WebOS auf den Markt bringen, denn neue Geräte mit Palm OS oder Windows Mobile wird es nicht mehr geben. Zunächst will sich Palm aber auf die Vermarktung von Palm Pre und Palm Pixi konzentrieren.

Spannend wird es kommendes Jahr bei WebOS auf jeden Fall, denn Palm verspricht, jeden Monat ein größeres Softwareupdate mit neuen Funktionen zu veröffentlichen. Damit könnte Palm einige Kritikpunkte an WebOS und am Palm Pre bald ausräumen. Anfang Januar 2010 ist WebOS 1.3.5 geplant, das mehr Programminstallationen zulässt sowie eine höhere Geschwindigkeit und längere Akkulaufzeit bringen soll.

Viele neue Android-Smartphones erwartet

Auch für die Android-Plattform war 2009 außerhalb der USA das Premierenjahr. In Deutschland kam mit dem G1 das erste Smartphone mit Googles Betriebssystem Anfang des Jahres auf den Markt. Das Multitasking-Betriebssystem Android arbeitet sehr zügig und wird auch bei vielen laufenden Applikationen nicht ausgebremst. Bedient werden Android-Geräte mit dem Finger und sie setzen auf eine enge Internetanbindung, allerdings geht die Internetabhängigkeit nicht so weit wie WebOS. 2009 zeigte sich, dass immer mehr Handyhersteller auf Android setzen.

2009 gab es eine Reihe von Updates für Android, die viele neue Funktionen brachten, etwa die Freischaltung der Videoaufnahme mit der integrierten Kamera. Zudem wurde Unterstützung für das Bluetooth-Profil A2DP integriert, die Suche verbessert und die automatische Bildschirmausrichtung erweitert. Außerdem gibt es nun eine Sprachausgabe und seit Android 1.5 ist die Zwangsanmeldung bei Google entfallen. Für das nächste Jahr werden weitere Upgrades für Android erwartet und auch neue Mobiltelefone, die andere Gehäusedesigns in die Android-Welt bringen werden.

Kommt im nächsten Jahr ein neues iPhone?

Rund um das iPhone gab es dieses Jahr viel Neues. Mit dem iPhone 3GS kam die dritte Gerätegeneration auf den Markt, die eine verbesserte Hardware erhalten hat. Das iPhone 3GS reagiert schneller als die beiden Vorgängermodelle, aber auch die neue iPhone-Firmware brachte viele Verbesserungen wie eine MMS-Funktion und Unterstützung von Bluetooth-Stereo. Zudem wurden lang vermisste Funktionen wie eine Zwischenablage sowie eine systemweite Suche integriert und die Bildschirmtastatur funktioniert in allen Programmen mittlerweile auch im Querformat.

Mit der neuen iPhone-Firmware kam die Möglichkeit hinzu, dass Fremdanbieter den im iPhone enthaltenen GPS-Empfänger ansprechen können. In der Folge erschienen dieses Jahr eine Reihe von Navigationsapplikationen für die iPhone-Plattform. Insgesamt hat die Marktverbreitung des iPhone 2009 abermals deutlich zugenommen und im kommenden Jahr wird das iPhone der vierten Generation sowie eine neue Firmware erwartet. Es ruht zum Beispiel Hoffnung auf Apple, das iPhone um Multitasking-Funktionen zu erweitern. Vielleicht erhält die nächste Gerätegeneration auch eine bessere Kamera.

Nokia kämpft gegen die Konkurrenz

Für Nokia war 2009 kein besonders prestigeträchtiges Jahr. Der mit recht viel Werbeaufwand nach Deutschland gebrachte Musikabodienst Nokia Comes With Music konnte nach internen Zahlen international nur wenige Kunden gewinnen. Aber auch der Start des Ovi Store, ein zentraler Onlineshop für Symbian-Applikationen, verlief alles andere als reibungslos. Das Jahr über musste Nokia leichte Verluste bei den Marktanteilen im Handymarkt hinnehmen.

Insgesamt wirkt der Marktführer gegenüber iPhone, Android und WebOS nicht gut aufgestellt. Nokias Versuche, Symbian eine frische Bedienoberfläche zu verpassen, waren bislang nicht sonderlich erfolgreich. Die Symbian-Plattform kann ihre lange Jahre zurückliegende Herkunft einfach nicht verschleiern. Deutlich erfolgversprechender ist Nokias Ansatz, künftig stärker auf Mobiltelefone auf Basis von Maemo zu setzen. Ein erster Schritt ist mit dem N900 getan: Die Oberfläche wirkt modern und zeitgemäß, das gilt auch für die Gerätebedienung.

Zudem hat Nokia für das kommende Jahr für Symbian eine Kehrtwende in Aussicht gestellt. So versprechen die Finnen eine überarbeitete Bedienoberfläche für ihre Symbian-Smartphones. Damit soll der Vorsprung von iPhone, Android und WebOS bei der Bedienführung eingeholt oder sogar überholt werden. Dafür müsste Nokia bei der Entwicklung einer neuen Bedienoberfläche aber mehr Mut als bisher beweisen.

Windows Mobile hat nicht aufgeholt

Weit abgeschlagen in Bezug auf den Einfluss auf den Mobiltelefonmarkt ist auch Microsoft mit Windows Mobile. Der Konzern hat dieses Jahr Windows Mobile 6.5 vorgestellt, konnte damit aber den Entwicklungsrückstand zur Konkurrenz bei weitem nicht aufholen. Die meisten Microsoft-Partner halten selbst nicht viel von der überarbeiteten Bedienoberfläche des Smartphone-Betriebssystems. So erhielten die meisten Geräteneuvorstellungen gleich eine andere Hauptoberfläche, so dass der neue Startbildschirm von Windows Mobile 6.5 im Grunde keine Rolle spielt.

Es scheint derzeit unwahrscheinlich, dass Microsoft Windows Mobile von Grund auf erneuert. Das allerdings wäre notwendig, um vor allem bei der Bedienung mit der Konkurrenz zumindest gleichzuziehen. Derzeit wird davon ausgegangen, dass Windows Mobile 7 erst Ende 2010 erscheint, so dass erste Geräte damit wohl erst 2011 zu erwarten sind. Vor allem die wachsende Bedeutung von Android macht Microsoft zunehmend zu schaffen. Vor dem Android-Zeitalter setzte etwa HTC ausschließlich auf Windows Mobile, nun bekommen die Mobiltelefone mit Android in HTCs Produktsortiment immer mehr Bedeutung.

Samsung versucht's mit Bada

Samsung nutzt bislang für Smartphones die verfügbaren Plattformen Android, Symbian und Windows Mobile. Eine eigene Smartphone-Plattform hat es nicht im Angebot. Das soll sich kommendes Jahr ändern. Mit Bada kommt eine von Samsung entwickelte Smartphone-Plattform auf den Markt. Erste Bada-Geräte sind für das erste Halbjahr 2010 geplant. Wie sich Bada im Detail von der Konkurrenz unterscheiden soll, ist noch nicht klar, so dass derzeit nicht abzuschätzen ist, welchen Einfluss Bada auf den Mobiltelefonmarkt haben wird.

RIM schwimmt auf Blackberry

Anders als Nokia und Microsoft versucht Research In Motion (RIM) gar nicht erst, bei Modernität und Bedienung zu iPhone, WebOS oder Android aufzuschließen. Mit dem Blackberry Storm hatte RIM schon 2008 sein erstes Gerät mit Touchscreenbedienung vorgestellt und ging einen recht eigenen Weg. Auch der Storm-Nachfolger machte dieses Jahr kaum etwas anders bei der grundlegenden Bedienung.

Die Mehrzahl der Blackberry-Smartphones wird aber auch im nächsten Jahr ohne Touchscreen auskommen. Nach Auffassung von RIM ist eine Kombination aus Touchscreen und Tastatur nicht sinnvoll. Besonderer Nachholbedarf besteht bei der Blackberry-Plattform beim Thema mobiler Browser. Das sieht wohl auch RIM so und hat dieses Jahr Torch Mobile übernommen, um vermutlich im nächsten Jahr einen Browser auf Basis von Webkit anbieten zu können.

Motorolas Neuanfang

Für Motorolas Neuanfang setzt der Konzern ganz auf Android. Der ehemals ewige Zweite in der Handyweltrangliste hat sich offenbar davon verabschiedet, langfristig in der Topliga der Handyhersteller mitzumischen. Stattdessen will der Hersteller mit der Konzentration auf Premium-Mobiltelefone sein Glück versuchen. Das aktuelle Glanzlicht ist das Motorola Milestone, das erste Android-Mobiltelefon mit Android 2.0 auf dem Markt.

Alle mobilen Plattformen setzen auf zentrale Softwareshops

Einer der wichtigsten Impulse des iPhones war der App Store, um Applikationen direkt vom Mobiltelefon aus zu installieren. Zwar gab es zuvor bereits für andere Smartphone-Betriebssysteme wie Windows Mobile, Symbian, Blackberry oder Palm OS die Möglichkeit, native Applikationen auf den Geräten zu installieren, aber ein zentraler Shop fehlte meist. Mittlerweile stehen zentrale Onlineshops auch für die älteren Smartphone-Plattformen bereit. Eine neue Plattform ohne zentralen Softwareshop ist undenkbar geworden.

Nach dem App Store verbucht Android Market derzeit die größte Softwareauswahl, Palms App Catalog ist hingegen noch ganz am Anfang. Im kommenden Jahr wird sich zeigen, welche der beiden Plattformen mehr Entwickler anziehen kann. Sowohl Android Market als auch Palms App Catalog setzen nicht auf den dominanten Ansatz, den Apple mit dem App Store verfolgt. Damit haben die beiden Plattformen vor allem iPhone-Entwickler im Visier, denen die Methoden von Apple nicht passen. Denn auch in diesem Jahr wurde so manche iPhone-Applikation grundlos aus dem App Store entfernt oder aber gar nicht erst freigegeben. Alternative Browser, Media-Player oder E-Mail-Clients sind auf dem iPhone gleich ganz verboten.

Jede Menge Feinschliff ist an Android, WebOS und iPhoneOS im kommenden Jahr zu erwarten. Während Apple wohl nur ein großes Firmwareupgrade anbieten wird, könnte es bei Android mehr Upgrades geben. Palm will für WebOS sogar einmal monatlich Upgrades bereitstellen und darin auch Funktionen integrieren, die Nutzer noch schmerzlich vermissen. Mit Spannung wird bei Nokia zu beobachten sein, was eine renovierte Bedienoberfläche für Symbian bringen kann.  (ip)


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