Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0912/71826.html    Veröffentlicht: 11.12.2009 12:45    Kurz-URL: https://glm.io/71826

Daten unabsichtlich dem ganzen Internet freigeben

Harsche Kritik an Facebooks neuen Datenschutzeinstellungen

Facebook hat seine Datenschutzeinstellungen überarbeitet und vereinfacht. Nutzer haben jetzt die Möglichkeit einzustellen, wer welche ihrer Daten sehen kann. Voreingestellt ist jedoch ein sehr niedriges Datenschutzniveau, zudem sind einige Einstellungen verschwunden. US-Datenschützer kritisieren die Anpassungen.

Datenschützer wie die US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) haben die neuen Datenschutzeinstellungen des sozialen Netzes Facebook kritisiert. Facebook hat auf Verlangen von Nutzern und Datenschützern die Bedingungen geändert - allerdings nicht unbedingt zum Besseren: Voreingestellt ist, dass die Nutzer Daten für Fremde oder das ganze Internet freigeben.

Datenschutz vereinfachen

Facebook hatte die Absicht, die etwas umständlichen Datenschutzeinstellungen zu vereinfachen. Das ist gelungen: Nutzer können jetzt einstellen, welcher ihrer Freunde welche Statusmeldungen, Fotos und andere Beiträge sehen kann. Die Einstellung gilt für den ganzen Bereich; der Nutzer kann aber auch für jeden Beitrag einzeln einstellen, ob nur Freunde, auch Freunde von Freunden oder sogar das ganze Internet ihn sehen kann.

Damit zwinge Facebook die Nutzer, sich mehr mit ihren Einstellungen, insbesondere bezüglich des Datenschutzes, auseinanderzusetzen, lobt EFF-Mitarbeiter Kevin Bankston in einem Kommentar die Änderungen. "In Anbetracht der Tatsache, dass viele, wenn nicht sogar die meisten Nutzer bisher einfach die von Facebook angebotenen Voreinstellungen übernommen haben, statt ihre Datenschutzeinstellungen selbst anzupassen, ist das wirklich eine gute Sache."

Unsichere Voreinstellung

Meldet sich der Nutzer bei Facebook an, wird er aufgefordert, seine Datenschutzeinstellungen anzupassen. Dabei bietet ihm Facebook verschiedene Optionen: alle Einträge nur Freunden oder allen Internetnutzern zugänglich machen. Letztere Möglichkeit ist bei einem Großteil der Angaben wie persönliche Daten, Freunde oder Statusmeldungen voreingestellt, Fotos sowie politische und religiöse Vorlieben können per Voreinstellung auch die Kontakte der eigenen Freunde einsehen, von denen ein großer Teil Unbekannte sein dürften. Diese Voreinstellungen gelten auch für neu angelegte Profile. Facebook empfiehlt den Nutzern explizit, diese Option zu übernehmen.

Ist der Nutzer unaufmerksam und schaut sich die Einstellungen nicht genau an, kann er unabsichtlich alle seine Daten und geposteten Inhalte für Fremde und das ganze Internet inklusive Google und anderer Suchmaschinen freigeben. Allerdings hat er stets die Möglichkeit, diese Einstellungen in seinem Profil wieder zu ändern.

Freunde sind immer sichtbar

Einige früher vorhandene Möglichkeiten, beispielsweise das Geschlecht, die Liste der eigenen Freunde oder die Mitgliedschaft in Gruppen zu verstecken, sind nach der Anpassung verschwunden. An dieser Stelle werde es "geradezu hässlich", so Bankston.

Trotz einiger positiver Punkte hält die EFF die neuen Bedingungen von Facebook im Ganzen für nicht sehr gelungen. "Die neuen Änderungen der 'Privatsphäre' sind ganz klar dazu da, die Facebook-Nutzer dazu zu bringen, noch mehr Daten als bisher öffentlich zugänglich zu machen. Schlimmer noch, die Veränderungen werden die Kontrolle, die die Nutzer über einige ihrer persönlichen Daten haben, sogar noch verringern", lautet Bankstons vernichtende Kritik. Nutzer, die die Kontrolle über ihre Privatsphäre behalten wollen, müssten sich überlegen, "ob die Teilnahme am neuen Facebook einen solchen extremen Abstrich bei der Privatsphäre wert ist."  (wp)


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