Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0912/71766.html    Veröffentlicht: 09.12.2009 14:22    Kurz-URL: https://glm.io/71766

Spieletest: Stalker - Call of Pripyat

Kämpfe und viel Rollenspiel rund um das ukrainische Kernkraftwerk

Was ist los beim Kernkraftwerk Tschernobyl? In der ersten echten Fortsetzung von Stalker schlägt ein Aufklärungsversuch des ukrainischen Militärs schrecklich fehl - also muss der Spieler ran und im ersten Spiel der Reihe ohne wirklich problematische Bugs, dafür aber mit DirectX-11-Unterstützung kämpfen.

Stalker: Call of Pripyat (PC)
Stalker: Call of Pripyat (PC)
Den Sommerurlaub möchte wohl kaum jemand in der Nähe von Tschernobyl verbringen - bei jenem Atomkraftwerk, in dem 1986 eine Kernschmelze stattgefunden hat. Trotzdem geht von dem Ort eine seltsame Faszination aus, zumindest in der Ego-Shooter-Serie Stalker. Der Erstling hat Computerspieler im Jahr 2007 auf die Suche nach Artefakten in die Ukraine geschickt, ein Prequel mit dem Titel Clear Sky erschien Ende 2008. Jetzt setzt das Entwicklerteam GSC Gameworld mit Call of Pripyat die Handlung des ersten Stalker tatsächlich fort. "Pripyat" ist eine Stadt, die Spieler des ersten Stalker schon kennen: Sie liegt rund vier Kilometer von Tschernobyl entfernt.

In Call of Pripyat schlüpfen Spieler in die Rolle von Major Degtarew, einem Agenten des ukrainischen Geheimdienstes. Der soll einen mysteriösen Vorfall untersuchen: Fünf Helikopter sind bei Aufklärungsflügen über dem Gebiet von Tschernobyl abgestürzt, die Ursache ist unbekannt. Degtarew zieht als Stalker verkleidet los, er verfügt über eine solide Anfangsausstattung an Medikamenten und ausreichend Waffen und Munition.

All die Ausrüstung benötigt Degtarew zu Beginn gar nicht: Anfangs begegnet er nur anderen Stalkern, die - solange er keine Waffe auf sie richtet - freundlich reagieren, nett plauschen und die ein oder andere Information oder Quest für ihn haben. Erst etwas später trifft der Spieler auf Mutanten und andere Gegner, mit denen er sich anlegen muss. Der Schwierigkeitsgrad bleibt aber deutlich unter dem der Vorgänger, und auch das Problem der nicht ausreichenden Ressourcen stellt sich deutlich seltener - wer zumindest einige der rund 70 abwechslungsreichen Zusatzmissionen absolviert, kommt gut über die Runden.

Erst nach einigen Stunden gelangt der Spieler nach Pripyat, davor ist er unter anderem in einem Sumpfgebiet unterwegs, und er erkundet Einrichtungen wie Funkanlagen und ein großes Areal mit Fabrikanlagen. Wer mag, kann die teils sehr langen Fußwege übrigens abkürzen, indem er sich von einem Scout gegen Bezahlung zu bestimmten Zielen bringen lässt - das Spiel lädt das Gebiet dann umgehend in den Speicher. Wer die Umgebungen schon aus den Vorgängern kennt, der sieht in Call of Pripyat wenig Neues: Fast alle Texturen und die typischen Gebäudearten sind schon bekannt, grafisch hat sich vergleichsweise wenig getan. Lediglich die Grafiken des Interfaces und auch die Bedienung selbst haben die Entwickler überarbeitet: Wichtige Gegenstände wie Medpacks lassen sich nun komfortabel über die Funktionstasten verwenden.

In einem Punkt schlägt sich Call of Pripyat deutlich besser als seine Vorgänger: Die Verkaufsversion scheint so gut wie keine nennenswerten Bugs zu enthalten - das war insbesondere bei Clear Sky ganz anders. Das einzige im Test aufgefallene Problem waren einige Grafikartefakte, wenn die höchste Detailstufe eingestellt war.

Stalker: Call of Pripyat ist nur für Windows-PC erhältlich und kostet rund 30 Euro; eine Vorgängerversion wird nicht benötigt. Das Programm setzt eine CPU mit 2,2 GHz voraus, empfiehlt aber einen Intel Core 2 Duo E7400 oder einen AMD 64 X2 5600+. An Speicher müssen mindestens 768 MByte RAM unter Windows XP im Rechner stecken - unter Vista sollten es aber schon 2 GByte sein. Auf der Festplatte belegt Stalker rund 6 GByte. Die Grafikkarte muss mindestens über 128 MByte RAM verfügen, empfohlen werden 256 MByte. Ein Benchmark, mit dem sich die aktuelle Version der Spieleengine auf dem eigenen Rechner testen lässt, ist unter diesem Link verfügbar.

Als eines der ersten Programme unterstützt Call of Pripyat neue Grafikfeatures von DirectX 11: Besitzer entsprechender Grafikkarten können entscheiden, ob sie lieber eine etwas höhere Bildwiederholrate haben oder Hardware-Tessellation verwenden möchten, wodurch die Spielfiguren etwas detailreicher dargestellt werden.

Call of Pripyat verwendet einen Kopierschutz auf Diskbasis, sprich: Der Spieler muss nach der Installation einen Code eingeben und die DVD beim Programmstart im Laufwerk liegen. Die USK hat den Titel für Spieler ab 18 Jahre freigegeben.

Fazit

Mit Call of Pripyat ist den Entwicklern ein krönender Abschluss für Stalker gelungen - falls nicht doch noch eine weitere Fortsetzung folgt. Trotz der leicht angestaubten Grafik ist das Szenario mit seinen riesigen Gebieten und all den offenbar noch in der Sowjetzeit errichteten Betonbauten seltsam glaubwürdig - und das trotz der übersinnlichen Elemente. Dazu kommen eine spannende Haupthandlung und die vielen spannenden Nebenmissionen. Action gibt es zwar auch jede Menge, aber die Rollenspielelemente stehen klar im Vordergrund. Unterm Strich bietet Call of Pripyat die Möglichkeit, erneut in ein faszinierendes Stück Geschichte einzutauchen - wer das Szenario von Stalker mag, kann diesmal bedenkenlos zugreifen.  (ps)


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