Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0912/71695.html    Veröffentlicht: 07.12.2009 12:19    Kurz-URL: https://glm.io/71695

China: Belohnungen für Pornomeldungen

Nutzer werden in Kampf der Behörden gegen Pornografie einbezogen

Chinas Behörden locken Internetnutzer mit Belohnungen dazu, ihnen illegale pornografische Webangebote zu melden. Umgerechnet bis zu 1.000 Euro winken den Nutzern. Die haben deshalb die zuständige Behörde am Wochenende mit Meldungen überschwemmt.

Das China Internet Illegal Information Reporting Center (CIIRC) hat Belohnungen für das Melden von Internetangeboten mit pornografischen Inhalten ausgelobt. Wer der Behörde Hinweise auf ein entsprechendes Angebot gibt, bekommt eine Prämie, die bis zu 10.000 Yuan, umgerechnet knapp 1.000 Euro, betragen kann, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Der Erste bekommt das Geld

Am Freitag vergangener Woche hat das CIIRC zusammen mit mehreren Ministerien und dem Nationalen Büro gegen Pornografie und illegale Veröffentlichungen einen Erlass herausgegeben, in dem Nutzer aufgefordert werden, die Behörden auf Websites und WAP-Angebote mit obszönen Inhalten oder Sexwerbung hinzuweisen. Dafür erhalten die Nutzer zwischen 1.000 und 10.000 Yuan. Melden mehrere Nutzer dasselbe Angebot, geht die Belohnung an den ersten Hinweisgeber.

Die Nutzer kamen der Aufforderung gern nach: Am ersten Tag gingen bei der Behörde 13.000 Meldungen über das Internet und 500 per Telefon ein.

Gegen nacktes Fleisch und kritische Kommentare

Die chinesischen Behörden führen regelmäßig Kampagnen gegen Pornografie im Internet durch. Im vergangenen Winter schlossen sie beispielsweise über 1.200 Websites. Die Behörden begründen ihr Vorgehen gegen solche Angebote mit dem Jugendschutz. Allerdings werden zusammen mit Pornoseiten auch gern mal kritische Websites vom Netz genommen, wie Anfang 2009 das Blog Bullog.cn. Auf dem Blog seien zu viele negative Kommentare zu aktuellen Ereignissen veröffentlicht worden, so die Begründung für die Maßnahme.

Neu ist, dass jetzt auch WAP-Angebote betroffen sind. Die Behörden haben die Jagd nach obszönen Inhalten erst Mitte November auf die mobilen Websites ausgeweitet.  (wp)


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