Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0911/71541.html    Veröffentlicht: 30.11.2009 11:29    Kurz-URL: https://glm.io/71541

Handbrake 0.9.4 - weg mit dem Ballast

Besseres H.264-Encoding, während Xvid, AVI und OGM rausflogen

Von Handbrake ist vor einigen Tagen die Version 0.9.4 für Linux, Mac OS X und Windows erschienen. Das Videokompressionstool soll nun beim H.264-Encoding deutliche Verbesserungen gegenüber der vor etwa einem Jahr erschienenen Version 0.9.3 aufweisen.

Ein großer Teil der Verbesserungen beim H.264-Video-Encoding flog Handbrake durch das x264-Projekt zu. Das Handbrake-Team hat aber noch ein paar Optimierungen vorgenommen, so dass die Version 0.9.4 im Unterschied zum Vorgänger H.264-Videos mit besserer Bildqualität bei geringerer Dateigröße in kürzerer Zeit erstellen soll.

Die 64-Bit-Versionen von Handbrake sollen etwa 10 Prozent schneller arbeiten als die 32-Bit-Versionen - und sich künftig deutlich einfacher kompilieren lassen. Zeit sparen soll auch eine verbesserte Vorschaufunktion für die Kompressionseinstellungen - etwa durch Erstellen eines kurzen Vorschauclips, der direkt in Handbrake angeschaut werden kann.

Qualität statt Bitrate wählen

Anwender müssen mit Handbrake 0.9.4 nicht mehr nach der perfekten Bitrate suchen, sondern stellen die gewünschte Qualitätsstufe ein. Dem Encoder wird dabei aufgetragen, die Bitraten zu verändern, um die gewählte Qualität zu erzielen - ohne durch Bitrateneinstellungen limitiert zu werden. Dadurch kann zwar die Dateigröße nicht mehr festgelegt oder vorhergesagt werden, die bessere Videoqualität soll das aber rechtfertigen.

Zudem soll bei einer konstanten Qualitätseinstellung in nur einem Durchlauf die gleiche Kompressionseffizienz erzielt werden, für die bei einer mittleren Bitrate ein zweiter Encoderdurchlauf (2-Pass-Encoding) benötigt würde. Weitere Verbesserungen betreffen die Audio-Video-Synchronisation, zudem ist es nun möglich, DTS-Audio direkt in einen Matroska-Container zu übernehmen, wie es zuvor bei AC3-Audio der Fall war.

Mehrere Untertitel, weniger Probleme mit DVDs und HD

Handbrake 0.9.4 kann Untertitel nicht mehr nur direkt in das Videobild codieren, sondern auch Videos mit aktivierbaren einzelnen oder mehreren Untertitelspuren erstellen. Das ist etwa aus DVD-Untertiteln oder SRT-Dateien möglich. In Verbindung mit dem Matroska-Container ist es auch möglich, grafische Untertitel (VobSubs) einzubinden.

Das DVD-Auslesen soll durch den Wechsel zur Bibliothek libdvdnav nun verlässlicher funktionieren und auch mehrere DVD-Blickwinkel unterstützen. Das Konvertieren insbesondere von HD-Quellmaterial soll ebenfalls verbessert worden sein. Verschiedene Fehler wurden beseitigt.

Keine Presets für Spielekonsolen mehr

Weggefallen sind die Voreinstellungen (Presets) für die PSP, PS3 oder Xbox 360, da sie laut Handbrake-Team nicht sonderlich gut funktioniert hätten. Das habe auch daran gelegen, dass keiner aus dem Entwicklerteam eines dieser Geräte besitze, die zudem unklare Videospezifikationen besäßen und durch die häufigen Firmwarewareupdates zusätzliche Probleme verursachten.

Es sei zwar auch nicht erfreulicher, Apple TV und Co. zu unterstützen, doch die Apple-Hardware hätten wenigstens alle Teammitglieder zum Testen parat. Für die Spielekonsolen wird nun die neue Voreinstellung "Normal" empfohlen, die Standard-H.264-Videos (Main Profile mit AAC-LC Audio) erzeugt, die PS3 und Xbox 360 beide unterstützen.

Ebenfalls entfallen sind die Voreinstellungen Film, Animation und Television. Stattdessen gibt es nun eine einzelne High-Profile-Voreinstellung mit konstanter Qualität mit automatischer Filterung und allen möglichen H.264-Features. "Diese Voreinstellung sollte auf der PS3 und Xbox 360 funktionieren, wir wollen aber nicht zu viel versprechen", heißt es seitens der Entwickler. Voreinstellungen lassen sich nun importieren, so dass es den Nutzern erleichtert wird, untereinander Einstellungen auszutauschen.

Konzentration auf H.264 fordert Opfer

Als Ballast über Bord gegangen ist auch das in die Jahre gekommene AVI-Container-Format inklusive des veralteten AVI-Muxers. Das Gleiche gilt für OGM und Ogg Vorbis, auch da der OGM-Muxer seit Jahren nicht gepflegt wurde und zu viele Workarounds erfordern würde - als Open-Source-Container sei Matroska besser geeignet. Auch der MPEG-4-Part-2-basierte Xvid-Codec flog aus Handbrake 0.94, da der FFmpeg-Encoder schneller arbeite und der Fokus von Handbrake auf H.264 liege.

Handbrake 0.9.4 steht in 32- und 64-Bit-Ausführungen für Linux, Mac OS X und Windows kostenlos zum Download zur Verfügung. Für andere Betriebssysteme steht der Quellcode des Open-Source-Projekts zur Verfügung. Eine Liste aller Änderungen seit der 0.9.3 findet sich auf der offiziellen Website Handbrake.fr.  (ck)


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