Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0911/71507.html    Veröffentlicht: 27.11.2009 09:45    Kurz-URL: https://glm.io/71507

Infineon-Chef erwartet mehrere positive Jahre

Halbleiterbranche startet zur Aufholjagd

Die Chipindustrie erholt sich deutlich schneller von der Rezession als erwartet. Die Chancen auf ein lang anhaltendes Wachstum sind nach Ansicht von Infineon-Chef Peter Bauer gut, das sehen auch die Marktforscher so. Den Herstellern winken im kommenden Jahr schon wieder zweistellige Umsatzzuwächse. Das hilft auch den Fabriken in Deutschland.

Der Absturz der vergangenen zwölf Monate ist vorbei, die Chipindustrie blickt wieder optimistisch in die Zukunft. "Ich glaube, drei bis vier positive Jahre in der Halbleiterbranche liegen vor uns", sagte Infineon-Chef Peter Bauer im Interview mit dem Handelsblatt. Marktforscher teilen diese Ansicht. Sie sehen für das kommende Jahr schon wieder zweistellige Umsatzzuwächse bei den Herstellern.

Im ersten Halbjahr 2009 musste Infineon - wie die meisten anderen Chipkonzerne weltweit - einen heftigen Einbruch der Erlöse sowie tiefrote Zahlen hinnehmen. Doch seit einigen Wochen geht es wieder aufwärts. Sollte es nicht noch schwere Verwerfungen in der Weltwirtschaft geben, werde sich diese gute Entwicklung in den nächsten Jahren fortsetzen, ist Infineons Vorstandssprecher Bauer überzeugt.

Weil der Aufschwung so überraschend einsetzte, kommt Europas zweitgrößter Chiphersteller mit den Lieferungen zum Teil gar nicht mehr nach. "Was jetzt stattfindet, ist eine Aufholjagd", betonte Bauer. Da die Bauteile zum Teil extrem begehrt sind, werden sie derzeit oft per Expressfracht rund um den Globus befördert.

Analysten sehen die Entwicklung ähnlich positiv. Noch Anfang des Jahres haben die Marktforscher von iSuppli einen Umsatzeinbruch der Industrie von einem Fünftel für 2009 vorhergesagt. Inzwischen rechnen die Elektronikexperten aus Amerika lediglich mit einem globalen Rückgang von zwölf Prozent auf 227 Milliarden US-Dollar. "2009 wird weniger schmerzlich, als wir erwartet hatten", sagt iSuppli-Analyst Dale Ford.

Für das kommende Jahr rechnen die Branchenbeobachter von Gartner sogar mit einem Anstieg der Erlöse von 13 Prozent gegenüber 2009. Sollte es tatsächlich so stark aufwärtsgehen, würde die Industrie das Niveau von 2008 schon fast wieder erreichen. Die Branche profitiert momentan davon, dass der Handymarkt anzieht, wieder mehr Computer verkauft werden und sich das Autogeschäft stabilisiert. Dazu kommt, dass die Lager der Kunden leer sind und jetzt dringend aufgefüllt werden müssen.

Allerdings haben nicht alle Anbieter die Rezession überlebt. Im Frühjahr musste die Infineon-Tochter Qimonda angesichts horrender Verluste Insolvenz anmelden, der Speicherchipproduzent wird abgewickelt. Tausende spezialisierte Mitarbeiter haben ihre Jobs verloren, besonders betroffen waren der Fertigungsstandort Dresden und die Zentrale in München.

Doch für die anderen großen Chipwerke sieht es jetzt wieder gut aus. Es gebe keine Pläne, die Infineon-Fabriken in Dresden und Regensburg an günstigere Standorte in Asien zu verlagern, betonte Vorstandssprecher Bauer: "Eine Halbleiterfertigung können Sie nicht mal eben kurz hier ab- und schnell woanders wieder aufbauen." Die Kurzarbeit in den Fabriken, die ab Frühjahr galt, wurde bereits aufgehoben.

Auch für die Mitarbeiter von Globalfoundries, den ehemaligen AMD-Werken in Dresden, hat sich die Lage verbessert. Das Gemeinschaftsunternehmen von Investoren aus Abu Dhabi und AMD hat mit STMicroelectronics, dem europäischen Marktführer, bereits einen neuen großen Abnehmer für seine Chips gefunden. "Wir erwarten, bis Jahresende weitere Kunden bekanntgeben zu können", sagte Konzernchef Doug Grose jüngst dem Handelsblatt. [von Axel Höpner und Joachim Hofer, Handelsblatt.com]  (asa)


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