Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0911/71496.html    Veröffentlicht: 27.11.2009 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/71496

IMHO: Warum Gamesload keinen Spaß macht

Keine echte Steam-Konkurrenz in Sicht

Der Onlinedistribution gehört die Zukunft, auch im Spielebereich. Das sollte man zumindest meinen. Wer sich Gamesload anschaut, wird eines Besseren belehrt.

Als Jurymitglied beim Deutschen Entwicklerpreis 2009 musste ich einen Haufen Spiele bewerten, einige davon gab es nur als Download. Das könnte den Prozess theoretisch deutlich verkürzen, schließlich erspart es den Versand größerer Spielepakete. Doch im gegebenen Fall führte es zu einer langwierigen und unerfreulichen Begegnung mit dem deutschen Steam-Konkurrenten Gamesload. Gamesload gehört zur Telekom und versucht, europaweit erfolgreich zu werden.

Denn leider ist Gamesload das Gegenteil von komfortabel. Eine Software, die sich um die automatische Installation und Pflege gekaufter Spiele kümmert, fehlt, also muss der Käufer selbst bei Vollpreisspielen die in mehrere Dateien gesplitteten Installationsarchive eigenhändig herunterladen und aufrufen. Zeitgemäß ist das nicht.

Bei einem der über Gamesload eingereichten Spiele gab es zwar einen Downloadclient, der fand aber erst nach mehreren Versuchen an verschiedenen Tagen Anschluss an den Gamesload-Shop. Ein weiteres Spiel ließ sich zwar herunterladen und installieren, bestand dann aber darauf, es müsse eine DVD eingelegt werden. Des Rätsels Lösung: Starten ließ sich das über Gamesload bezogene Spiel offenbar nur mit dem Desktopicon, das ich bei der Installation aber weggeklickt hatte.

Vor allem im Vergleich mit Steam, dem Marktführer, wenn es um Onlinedistribution von PC-Spielen geht, lässt der deutsche Downloadshop sehr zu wünschen übrig. Gamesload fehlt fast alles, was Steam auszeichnet.

Steam wird zwar oft gescholten: wegen mangelnden Datenschutzes, wegen des teilweisen Onlinezwangs und der Aushebelung des Gebrauchtspielemarktes. Auch hohe Kosten für Partner und ein immer größer werdender Steam-Client sorgen für Ärger.

Gleichzeitig ist es aber kinderleicht, über Steam Spiele zu kaufen, die ohne großes Zutun des Nutzers heruntergeladen und fortan automatisch gepatcht werden - wenn auch nicht immer zeitgleich mit den Retailversionen. Dazu kommen eine große Community sowie viele Tools, mit denen Entwickler ihre Spieler vernetzen können. Das entschädigt zumindest für einen Teil der Unannehmlichkeiten.

Von Gamesload lässt sich das nicht behaupten. Das ist traurig, denn die Zukunft Steam oder schlechten Nachahmungen zu überlassen, ist für den Spielemarkt und vor allem für den Kunden nicht gut.

IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)  (ck)


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