Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0911/71340.html    Veröffentlicht: 19.11.2009 20:02    Kurz-URL: https://glm.io/71340

Google veröffentlicht Chrome OS als Open Source

Chrome OS bootet in wenigen Sekunden ausschließlich von SSDs

Wie angekündigt hat Google sein Betriebssystem Chrome OS als Open Source veröffentlicht. Das "Google Chrome Operating System" basiert auf Linux mit einem neuen Windowing-System und startet direkt in Googles Browser Chrome, in dem die Applikationen laufen.

Es gibt heute kein Produkt, keine Beta und keine Geräte, das machte Googles Produktmanager Sundar Pichai gleich zum Anfang seiner Ankündigung, die Google mit "Update in ChromeOS" betitelt hat, klar. Stattdessen kündigte Google die Freigabe des Quellcodes von Chrome OS als Open Source an, um die Open-Source-Community und andere Entwickler einzuladen, an der Weiterentwicklung des Betriebssystems mitzuarbeiten.

Erste Computer mit Chrome OS sollen erst im vierten Quartal 2010 verfügbar sein.

Booten in wenigen Sekunden

Das Betriebssystem selbst soll innerhalb von Sekunden starten und Nutzer so in kurzer Zeit ins Internet bringen, das ist die Grundidee der Google-Entwickler. Dazu verzichtet Chrome OS auf die Initialisierung der Hardware und verlagert Funktionen aus der Firmware in den Kernel, um Geräte parallel zu initialisieren. Auch einen Splashscreen sparen die Google-Entwickler ein. Gleiches gilt für typische Hintergrundapplikationen wie Virenscanner. In Googles Demonstration startet Chrome OS auf einem Netbook innerhalb von etwa 5 bis 7 Sekunden.

Zudem werden alle Chrome OS-Geräte mit Flashspeicher ausgestattet. Auf Festplatten wird komplett verzichtet, um für hohe Geschwindigkeit zu sorgen.

Beim Booten überprüft Google sämtliche Firmware, um Malware auszuschließen, und nennt dies Verified-Boot-Prozess. Werden Veränderungen festgestellt, lädt Chrome OS die entsprechenden Komponenten aus dem Netz und heilt sich somit selbst.

Das Userinterface von Chrome OS ist minimal gehalten. Letztendlich läuft nur der Browser Chrome im Vollbild, der um Anzeigen für Ladestand des Akkus und den Netzwerkstatus erweitert wurde. Tabs können auch als Dateibrowser genutzt werden. Zudem gibt es im Userinterface sogenannte Panels, Fenster, die an Fensterposition verharren und mehr Tabs haben können, beispielsweise für einen Instant Messenger.

Nutzer können zwischen mehreren Fenstern wechseln und Tabs von einem Fenster in ein anderes schieben. Die offenen Fenster zeigt Chrome OS am unteren Rand des Bildschirms in kleinen Vorschauversionen.

Verschlüsseltes Dateisystem und Daten in der Cloud

Alle Daten werden dabei mit Googles Servern synchronisiert. Das Root-Dateisystem wird nur zum Lesen geöffnet und liegt verschlüsselt vor. Kommt ein Gerät mit Chrome OS abhanden, sind die Daten somit sicher, und auf dem Ersatzgerät stehen die persönlichen Daten nach einer Synchronisierung wieder zur Verfügung.

Jede Applikation läuft mit chroot in einer eigenen Sandbox.

Der Fokus von Chrome OS liegt auf dem Web, denn das ist Googles Plattform für Applikationen. So laufen Applikationen für Chrome OS auch auf anderen Betriebssystemen und stehen dank moderner Webtechnik auch offline zur Verfügung, nicht nur in Googles Browser Chrome.

Dank Googles Native Client sollen sich künftig auch komplexe und rechenintensive Applikationen wie Spiele realisieren lassen, denn Entwickler erhalten direkten Zugriff auf die CPU. Derzeit arbeitet Google daran, den Native Client in Chrome zu integrieren.

Chrome OS läuft sowohl auf x86-Prozessoren als auch auf ARM-Chips und ist in erster Linie für Netbooks und kleine Internetgeräte gedacht, denn auch wenn sich mit Webtechnik heute vieles umsetzen lässt, so haben Webapplikationen doch noch Grenzen.

Gemeinsamkeiten mit Googles Smartphone-Betriebssystem Android hat Chrome OS nur wenige. Es handle sich um ein separates Projekt, das auf Computern - vom Netbook bis zum Desktop-PC - zum Einsatz kommen soll. Dabei macht Google klare Hardwarevorgaben und lässt beispielsweise keine Festplatten zu. Die Installation auf bestehenden Systemen ist nicht Googles Ziel, vielmehr sollen Nutzer neue Geräte mit Chrome OS kaufen.

Chrome OS steht im Quellcode zusammen mit Dokumentation und Designdokumenten unter chromium.org/chromium-os zur Verfügung. Entwickelt wird in einem Git-Repository, das auch externen Entwicklern offensteht.  (ji)


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