Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0911/71285.html    Veröffentlicht: 18.11.2009 11:59    Kurz-URL: https://glm.io/71285

Datenleck: Größte Umtauschaktion von Visa- und Mastercard

Sicherheitsleck bei hunderttausenden Kreditkarten

Wer in Spanien mit Visa- oder Mastercard eingekauft hat, muss damit rechnen, dass seine Kreditkartendaten missbraucht werden. Die deutschen Banken und Sparkassen starteten deshalb eine Umtauschaktion von hunderttausenden Kreditkarten.

Die deutschen Banken und Sparkassen vollziehen die bisher größte Umtauschaktion von Visa- und Mastercard-Kreditkarten. Bei einem spanischen Dienstleister für Kartenabrechnungen wurden Daten gestohlen, berichtet die spanische Zeitschrift Expansión. Hunderttausende Kartenbesitzer, die in Spanien eingekauft haben, sind betroffen. Doch auch wenn ein Handelspartner seinen Zahlungsverkehr über den Dienstleister in Spanien abwickelt, ist ein Datenmissbrauch möglich.

Das Sicherheitsleck trat bei einem spanischen Kartenprozessor auf, einem Unternehmen, das Kreditkartenzahlungen abwickelt. Bislang ist nicht bekannt, um welches Unternehmen es sich handelt. Visa hat wegen der laufenden Ermittlungen eine Stellungnahme abgelehnt. Alle deutschen Banken, deren Kunden in den letzten Monaten in Spanien Kreditkarten verwendet haben, tauschen diese aus. Dies sagte Steffen Steudel, Sprecher des Zentralen Kreditausschusses (ZKA), der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung.

Die Institute reagierten damit auf Warnungen von Visa und Mastercard, hieß es weiter. Jährlich sind fast zehn Millionen deutsche Urlauber in Spanien, alle möglicherweise Betroffenen würden angeschrieben. Die Banken bezeichneten die Rückrufaktion als reine Präventionsmaßnahme.

Ein Sprecher des Zentralen Kreditkartenausschusses (ZKA) sagte Welt Online, die Kreditwirtschaft komme für mögliche Schadensfälle bei Missbrauch der Kartendaten auf. Kreditkartenkunden müssten nicht selbst für fehlende Geldbeträge haften.

Nachtrag vom 18. November 2009, um 14:20 Uhr:

Die Karten müssten zügig ausgetauscht werden, wenn der Verdacht besteht, dass Daten an Unbefugte gelangt sind. "Aufklärung, Austausch und Ausgleich sind das Gebot der Stunde", so Manfred Westphal, Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Die Kartenunternehmen Visa und Mastercard hätten die Kreditinstitute bereits vor vier Wochen darüber informiert, welche Karten betroffen sind. "Wer schon so lange über das Problem Bescheid weiß, sollte in der Lage sein, seine Kunden umfassend aufzuklären", so Westphal.

Verbraucher sollten selbst bei den Banken nachfragen, ob ihre Kreditkarte betroffen ist. Wenn sich auf den Auszügen nicht genehmigte Abbuchungen fänden, sollten die Betroffenen von ihrer Bank umgehend fordern, die Beträge zu erstatten, sagte Westphal.  (asa)


Verwandte Artikel:
Wallet: Programmierbare Kreditkarte mit ePaper, Akku und Mobilfunk   
(14.01.2018, https://glm.io/132163 )
Datendiebstahl: Schadhafte Android-Apps ködern Instagram-Nutzer   
(13.03.2017, https://glm.io/126680 )
Contactless Payment: Gemalto testet biometrische kontaktlose Kreditkarte   
(08.01.2018, https://glm.io/132025 )
Kreditkarten: Mastercard testet Fingerabdruckscanner für mehr Sicherheit   
(20.04.2017, https://glm.io/127401 )
Computerkriminalität: US-Polizei verhaftet mutmaßlichen JP-Morgan-Cracker   
(16.12.2016, https://glm.io/125115 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/