Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0004/7121.html    Veröffentlicht: 04.04.2000 01:32    Kurz-URL: https://glm.io/7121

Microsoft im Kartellverfahren für schuldig befunden

Microsoft hat dem Verbraucher geschadet

Microsoft musste im Kartellverfahren gegen die US-Regierung und die Klagen von 19 Bundesstaaten eine empfindliche Niederlage einstecken. Das nach US-Börsenschluss veröffentlichte Urteil entsprach in vielen Punkten der Klägerposition.

Zwar wurde Microsoft nicht für schuldig befunden, Knebelverträge mit Herstellern geschlossen zu haben, allerdings lastete Richter Jackson dem Unternehmen an, seine Marktmacht beim PC-Betriebssystem Windows zur Verdrängung des Konkurrenten und Browserherstellers Netscape missbraucht und Anstrengungen unternommen zu haben, ein Monopol im Browsermarkt zu errichten.

Die Anklagevertreter Janet Reno und Joel Klein zeigten sich zufrieden mit der Entscheidung des Gerichts, die das Tor zu mehr Wettbewerb öffne und damit dem Verbraucher helfe, dem Microsoft mit illegalen Geschäftspraktiken geschadet habe. Mehr Wettbewerb bedeute mehr Innovation und sinkende Preise. Man wolle nun dafür sorgen, wieder Wettbewerb herzustellen.

Ein Strafmaß soll erst in zwei Monaten nach weiteren Anhörungen verkündet werden. Microsoft hat bereits angekündigt, in die Berufung zu gehen. Microsoft geht davon aus, vor dem Berufungsgericht deutlich bessere Chancen zu haben, zeigte sich aber offen für eine außergerichtliche Einigung. Bill Neukom, Executive Vice President for Law and Corporate Affairs bei Microsoft, betonte, dass die heutige Entscheidung nur ein Schritt in einem Verfahren sei, das noch Jahre dauern könne.

Die Börse reagierte schon vor dem Urteil verstimmt auf die am Wochenende gescheiterten Vergleichsverhandlungen: Der Kurs der Microsoft-Aktie stürzte um rund 15 Prozentpunkte ab. Innerhalb einer Stunde war Microsoft auf dem Papier rund 150 Milliarden DM weniger wert. Nach Verkündung des Urteils konnte der Kurs der Microsoft-Aktie im nachbörslichen Handel jedoch wieder leicht gewinnen.

Auch der Index der US-Technologiebörse Nasdaq musste Federn lassen: Der Zählerstand krachte um 349,20 Punkte auf 4223,63, während der Dow Jones kräftig (+300,01) zulegte.  (ad)


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