Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0911/71192.html    Veröffentlicht: 13.11.2009 14:50    Kurz-URL: https://glm.io/71192

IMHO: Intel hat AMD wieder lieb - und die Regulierer?

Die Einigung der Unternehmen berührt die Monopolvorwürfe nicht

Nach vier Jahren erbitterten Konflikts erneuern AMD und Intel ihr Patentaustauschabkommen, der Größere stützt den Kleineren finanziell, und alles wird gut. Wären da bloß nicht die lästigen Wettbewerbshüter, die Intel durch die Einigung nicht loswird. Deren Aufgabe ist nun wichtiger denn je, denn der Kern der Angelegenheit ist nicht geklärt.

Was zuvor jahrelang getobt hatte, wollten AMD und Intel am 12. November 2009 in drei Stunden vom Tisch wischen: 15 Minuten vor der ersten Telefonkonferenz traf eine Pressemitteilung von AMD ein. Nachdem der kleinere der beiden Chiphersteller die Beilegung des Streits zuerst erklären durfte, kam Intel an die Reihe. Pressemitteilung, Telefonkonferenz, das übliche Prozedere. US-Analysten beglückwünschten die Kontrahenten zu ihrem Burgfrieden, AMD-Chef Dirk Meyer kam im Überschwang der Ereignisse gar zu dem Schluss: "Hier ist jeder der Gewinner."

Jeder? Nicht nur die milliardenschweren Unternehmen AMD und Intel? Auch die Kunden? Nicht nur die PC-Hersteller, sondern Unternehmen und Konsumenten, die Computer kaufen? Nein, so einfach ist die Sache nicht. Denn auch wenn AMD seine eigenen Klagen gegen Intel fallenlassen will, steht immer noch ein wettbewerbswidriges Verhalten von Intel als Vorwurf im Raum.

Die Regulierungsbehörden der Industrienationen, vor allem in Japan und der EU, ermitteln seit Jahren gegen den Chipgiganten. Die EU sprach sogar eine Rekordstrafe von 1,06 Milliarden Euro aus, gegen die Intel rechtlich vorgehen will. Das dürfte noch einige Jahre dauern, einem Bericht des Wall Street Journals zufolge will Intel sich dafür den Kartellrechtsexperten Douglas Melamed ins Boot holen. Melamed war im US-Justizministerium am Kartellverfahren gegen Microsoft beteiligt.

Intel nimmt die laufenden Verfahren, auf die die Einigung mit AMD keinen Einfluss hat, also weiterhin ernst. Dabei geht es aber nicht um Schuld und Sühne oder gar Nachtreten, sondern vor allem um eine Festschreibung der Spielregeln. Dass jeder vorgeblich freie Markt Regeln braucht, wird in Zeiten der Wirtschaftskrise besonders deutlich.

Einer der schlimmsten Vorwürfe gegen Intel ist die angeblich gepflegte Praxis, PC-Hersteller und Handelsketten gegen großzügige Rabatte und Werbekostenzuschüsse zu Exklusivverträgen gedrängt zu haben. In Deutschland soll unter anderem Media Markt dieses Spiel mitgemacht haben.

Es ist zu klären, ob solche Methoden einem fairen Wettbewerb entsprechen. Natürlich steht jedem Händler frei, die Produkte zu verkaufen, die er für seine Kunden für am interessantesten hält. Technisch weniger informierte Kunden kommen aber nicht einmal auf die Idee, ein möglicherweise besseres Konkurrenzprodukt zu kaufen, wenn sie stets nur Werbung vom und für den Marktführer sehen - und ausschließlich dessen Produkte im Laden ihrer Wahl.

Im schnelllebigen IT-Geschäft ist die Sichtbarkeit von Produkten und deren Verfügbarkeit ebenso wichtig wie die Eignung für die vorgesehene Aufgabe. Die Vorwürfe gegen Intel sind dafür ein Präzedenzfall. Da AMD nicht mehr aus allen Rohren feuern will, sind die Kartellwächter gefragt, um die Anschuldigungen lückenlos aufzuklären. Der New York Times sagte die EU-Kommission bereits, sie wolle die Verfahren weiter verfolgen. Dass Intel und AMD dazu nun wesentlich beitragen, ist zu bezweifeln.

Bisher heißt der Gewinner der Einigung vor allem AMD. Intel will binnen 30 Tagen 1,25 Milliarden US-Dollar an den Konkurrenten zahlen. Das könnte AMD über das nächste Jahr retten, in dem das hoch verschuldete Unternehmen keine neuen Prozessorarchitekturen auf den Markt bringen will. Die gnadenlosen US-Börsen ordnen Gewinner und Verlierer ebenso ein. Am Tag der Einigung schloss Intel mit minimalen Verlusten, AMD konnte den Wert seiner Aktie um 21,8 Prozent steigern.

IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)  (nie)


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