Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0911/71190.html    Veröffentlicht: 13.11.2009 12:11    Kurz-URL: https://glm.io/71190

Springer: Freier Zugang zu Informationen ist kommunistisch

Verlagsboss ereifert sich auf Monaco Media Forum

Axel-Springer-Chef Döpfner hat die Forderung nach einem freien Zugang zu Informationen als kommunistisch bezeichnet. Genauso sinnvoll sei es zu fordern, dass das Bier im Supermarkt künftig kostenlos sein müsse.

Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner hat sich erneut gegen eine Kostenloskultur im Internet positioniert. "Es ist einfach falsch zu denken, im Web müsse alles kostenlos sein. Die Theorie, dass es einen freien Zugang zu Informationen geben soll, gehört zum Absurdesten, was ich jemals gehört habe", sagte er bei einem Diskussionspanel mit der Huffington-Post-Mitbegründerin Arianna Huffington beim Monaco Media Forum (MMF2009).

"Dies ist ein spätes ideologisches Ergebnis von Webkommunisten: Nur wenn alles kostenlos ist, ist es demokratisch." Dies sei genauso absurd wie zu behaupten, es sei demokratisch, wenn das Bier im Supermarkt kostenlos sei. Niemand werde in qualitativ hochwertigen Content investieren, wenn es nur den freien Zugang zu Informationen im Internet gebe. Dieses Geschäftsmodell könne nicht funktionieren, sagte Döpfner.

Es seien die Themenbereiche Sport, Spiele, regionales Umfeld, Macht und Geld sowie Sex und Crime, die die Menschen interessierten, und für die sie auch bereit seien, Geld zu bezahlen. Dies gelte auch für das Internet, sagte Döpfner. 20 Prozent des Umsatzes werde bei Springer mittlerweile online erwirtschaftet. "Sieben Onlineaktivitäten sind profitabel", rechnete er vor.

Um mit Sex-and-Crime-Inhalten Geld zu verdienen, müsse es einfache Micro-Bezahlmethoden geben, und Abomodelle, wie die kostenpflichtige iPhone-Applikationen.

"Wir sind voll anzeigenfinanziert und wir machen Geld", verteidigte sich Huffington, ohne jedoch Zahlen nennen zu wollen. "Obwohl Sie unglaublich überzeugend klingen, wird es sich zeigen, dass Sie unglaublich falsch liegen", sagte sie. Nutzer seien heute daran gewöhnt, schnell über Suchmaschinen an Informationen zu kommen, hier hätten Bezahlmodelle keinen Platz. Für eine Exklusivnachricht über einen kürzlich verübten Mord könne Springer kein Geld verlangen. "Wenn Sie mit ihren Inhalten Geld verdienen wollen, stellen Sie sicher, das diese auf soviel Websites wie möglich verfügbar ist, dann machen Sie auch Geld damit.".

Döpfner wehrte sich dagegen, dass es "dumme Old-School-Guys" gebe, die haufenweise Geld in hochwertige exklusive Inhalte investierten, um dann zuzusehen, wie diese von den smarten "New-School-Guys gestohlen und vermarktet" würden. Es müsse auch im Web einen zuverlässigen Schutz des Urheberrechts geben, sagte er.  (asa)


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