Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0910/70844.html    Veröffentlicht: 30.10.2009 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/70844

Spieletest: Borderlands - wüstes Shooter-Rollenspiel

Action-Rollenspiel-Mix von Gearbox setzt auf Waffenmassen

Ego-Shooter plus Rollenspiel plus Autojagden plus unzähliger Waffen: Macht das alles zusammen ein gutes Spiel? Borderlands hat sich viel vorgenommen, bietet zusätzlich interessante Koop-Möglichkeiten und eine ebenso schicke wie ungewöhnliche Grafik - Golem.de hat sich in die Wüste gewagt.

Borderlands (Xbox 360, PS3, Windows-PC)
Borderlands (Xbox 360, PS3, Windows-PC)
Zugegeben: In der echten Welt gibt es noch ödere Bushaltestellen. Aber der Ort, an dem der Spieler in Borderlands aus einem Transporter steigt und dann mutterseelenallein in der kargen Wüstenlandschaft des Planeten Pandora steht, sorgt erst mal nicht für gute Laune. Da hilft es auch nur wenig, dass sich ein quengeliger Roboter mit Quäkstimme zu Wort meldet, und dass ein paar weitere Augenblicke später schwerbewaffnete Banditen in Buggys durchs Gelände springen. Aufgabe des Spielers im Verlauf der Handlung ist es von nun an, eine sagenumwobene Kammer voller Schätze zu finden - wenn es die denn überhaupt gibt. Dafür spricht immerhin, dass sich - per Videoeinblendung - eine junge Frau in einer Vision zu Wort meldet und ebenfalls über Kammer und Bestimmung orakelt...

Vor dem eigentlichen Start von Borderlands wählt der Spieler eine von vier Hauptfiguren aus, die über leicht unterschiedliche Stärken und Schwächen verfügen. Da ist Mordecai, der am liebsten mit Scharfschützengewehren kämpft. Oder der stämmige Brick, der besonders gerne mit Granaten oder dem Raketenwerfer austeilt. Nach ein, zwei Stunden und ausreichend gesammelten Erfahrungspunkten lernt jeder der Helden eine Spezialfähigkeit: Der Soldat Roland etwa kann auf Knopfdruck ein automatisches Geschütz neben sich platzieren, die schöne Lilith sich unsichtbar machen und so an oder hinter Feinde gelangen. Diese Möglichkeiten sind mehr als ein Gag und langfristig enorm hilfreich - das Geschütz von Roland putzt oft ohne sein Zutun ganze Rudel von Standardgegnern weg, und er spart nebenbei Munition.

Spieler steuern ihr Alter Ego in der Ich-Perspektive und absolvieren Aufträge für andere Figuren oder schlicht für einen Missionscomputer. Wer nicht alleine antreten möchte, kann mit bis zu drei Mitstreitern im Koop-Modus antreten. Mal müssen die oder der Spieler eine bestimmte Menge an Wildtieren ausschalten, spezielle Objekte finden oder einen Bossgegner liquidieren. Neben Einsätzen, die primär Erfahrungspunkte und Geld bringen, gibt es auch welche, von denen die Handlung in Richtung der mysteriösen Schatzkammer vorangetrieben wird.

Waffen spielen in Borderlands eine vergleichsweise große Rolle. Das Programm verwendet einen Algorithmus, der aus Modulen eine riesige Zahl an Schießprügeln zusammenbastelt. Die sind in Kategorien wie Pistolen, Sub-Machine-Guns oder Raketenwerfern unterteilt. Zwölf Knarren kann der Spieler im Inventar mit sich tragen, zwei und später vier hat er im Schnellzugriff. Die Auswahl der Waffen ist relativ zeitaufwendig: Spieler müssen diverse Werte vergleichen, und das immer wieder - schnelle Orientierung bieten nur Farbmarkierungen über die Seltenheit sowie der Verkaufspreis, der aber nicht immer sinnvoll berechnet wird.

Auch jenseits des Waffenmenüs verbringt der Spieler viel Zeit mit nebensächlichen Aufgaben. Er muss immer wieder sein Inventar aufräumen, die Missionen überwachen und seine Erfahrungspunkte anlegen. Vor allem aber muss er Munition und Geld sammeln, und das ist in Borderlands sehr umständlich ausgefallen. Statt die Gegenstände automatisch durch Überlaufen ins Inventar zu verschieben, muss der Spieler sie genau anvisieren, bekommt dann erst angezeigt, ob er überhaupt noch Platz dafür hat und kann sie dann erst durch Knopfdruck aufnehmen. Selbst nach nur mittelgroßen Gefechten kann es ein paar Minuten dauern, bis man mit dieser Arbeit fertig ist.

Die ersten paar Stunden verbringt der Spieler in der Nähe des Startgebiets, dann bekommt er einen kleinen Buggy und darf immer weiter in die Wüstenwelt vordringen. Grafisch macht das Programm - das Gearbox auf Basis der Unreal-Engine entwickelt hat - einen guten Eindruck. Texturen und Animationen sind gut bis klasse und passen prima zum gewollten Cartoon- und Mangastil. Allerdings ist in den Weiten vergleichsweise wenig los. Mit anderen Personen hat es der Spieler fast nur als Gegner oder Auftraggeber zu tun.

Borderlands ist für Xbox 360, Playstation 3 und Windows-PC erhältlich; je nach Plattform liegt der Preis zwischen 40 und 60 Euro. Hierzulande erscheint der Titel mit mehreren Sprachversionen - auch deutsch - auf dem Silberling und mit Schnitten. Ähnlich wie im deutschen Fallout 3 ist es nicht möglich, den Gegner zu verstümmeln; weitere Änderungen gibt es nicht. Die USK hat eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt.

Die PC-Fassung setzt eine CPU mit 2,4 GHz voraus sowie 1 GByte RAM mit Windows XP und 2 GByte mit Vista. Auf der Festplatte belegt das Programm rund 8 GByte. Die Grafikkarte muss über 256 MByte RAM verfügen. Das Programm verwendet den Kopierschutz von Securom, für die Installation muss zur Aktivierung eine Internetverbindung bereitstehen; beim Spielen muss die DVD im Laufwerk liegen. Wer den Multiplayer-Onlinemodus nutzen möchte, benötigt einen Account bei Gamespy - der kostet zwar nichts, aber muss umständlich angelegt werden. Borderlands lässt sich auch per LAN vernetzen.

Fazit

Schade, aber Borderlands verschenkt viel Potenzial. Eigentlich ist das Konzept hochspannend, Elemente aus Ego-Shootern mit Rollenspielen in einer weitgehend offenen Umgebung zu verbinden. Nur leider hapert es im Detail: Die Bedienung ist viel zu umständlich, die Missionen oft langweilig und besonders lebendig wirkt die Wüste nicht - sondern schlicht steril. Wirklich gut gelungen sind das ungewöhnliche Waffen- und das Rollenspielsystem, das tatsächlich zum Weiterspielen und Verbessern der Hauptfigur motiviert. Eine Empfehlung ist Borderlands vor allem für diejenigen, die gemeinsam mit anderen im Koop-Modus antreten, denn da kann das Spiel seine Stärken noch am besten zeigen.  (ps)


Verwandte Artikel:
Gearbox: Das letzte Update leitet das Ende von Battleborn ein   
(18.09.2017, https://glm.io/130117 )
Project 1v1: Gearbox arbeitet an Shooter plus Sammelkarten   
(10.08.2017, https://glm.io/129420 )
Civilization 6 auf iPad angespielt: Rundenbasierte Spieltiefe erobert Flachdisplay   
(22.12.2017, https://glm.io/131833 )
Deus Ex 3 und die globale Verschwörung   
(30.01.2009, https://glm.io/64962 )
Online-Strategie-Shooter Savage 2 startet   
(17.01.2008, https://glm.io/57093 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/