Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0910/70722.html    Veröffentlicht: 26.10.2009 19:12    Kurz-URL: https://glm.io/70722

Test: Kingstons halbe Intel-SSD für unter 100 Euro

SSDNow V Series 40 GByte mit Intel-Technik im Praxistest

Im November 2009 will Kingston mit einer neuen, 40 GByte großen und recht fixen SSD den Festplattenersatz aus Flashspeichern für bastelfreudige Anwender erschwinglich machen. Für unter 100 Euro soll es Upgradekits mit Kabeln und Imagingsoftware geben. Golem.de konnte schon einen Blick auf ein Serienprodukt werfen.

Abgesehen von einigen anfänglichen Firmwareproblemen genießen Intels SSDs der Mainstream- und Extreme-Serie einen guten Ruf, weil sie bei ihrem Erscheinen die schnellsten Geräte waren. Mit bis zu 250 MByte pro Sekunde beim Lesen ist schon die M-Serie rund doppelt so schnell wie die meisten Festplatten. In der Praxis spürt man das durch kurze Bootzeiten und schnelles Starten von Anwendungen. Da aber auch Intels kleinste SSD mit 80 GByte, das Modell X25-M, noch über 200 Euro kostet - und damit mehr als drei Terabyte-Festplatten -, investieren viele Anwender lieber in mehr statt schnelleren Speicherplatz. Weit günstigere SSDs bieten in der Regel aber nicht die Geschwindigkeiten der begehrten, aber teuren Modelle.

Diese Marktlücke will Kingston nun mit dem nach vollem Namen "SSDNow V Series 40GB Boot Drive" getauften Laufwerk schließen. Mit nur 40 GByte sollen darauf auch wirklich nur das Betriebssystem und einige Anwendungen Platz finden, alles andere wie Spiele und Mediendateien besser auf einer Festplatte, die als Datenlaufwerk dient.

Um den Preis von unter 100 Euro zu erreichen, verbaut Kingston zwar Intels Flash-Controller aus der M-Serie der Intel-SSDs, nutzt aber nur fünf der zur Verfügung stehenden zehn Kanäle. Das erklärt auch die halbe Kapazität, denn statt zehn werden nur fünf Flash-Chips in MLC-Technik verbaut.

Die halbe Leistung soll das Gerät aber dadurch nicht erreichen. Während die X25-M theoretische Datenraten von 270 MByte/s beim sequenziellen Lesen und 70 MByte/s beim Schreiben erreicht, soll die SSDNow V noch auf 170 und 40 MByte/s kommen. Ob das stimmt, haben wir mit einem Serienexemplar des Upgradekits überprüft. In diesem Kit, das für 98 Euro (UVP) auf den Markt kommen soll, sind neben der SSD auch Montagematerial und eine bootfähige CD mit Acronis True Image HD zum Clonen der Festplatte enthalten. Lose soll die SSD für 92,50 Euro erhältlich sein.

Defragmentieren ist out

Neben synthetischen Benchmarks an unserer Testplattform mit Intels Core i7 975 unter Vista64 haben wir für diesen Test auch ein etwas praxisnäheres Szenario entworfen. Eine zwei Jahre alte Installation von Windows Vista in der 32-Bit-Version mit etlichen Autostartprogrammen musste zeigen, wie sehr sie von einer SSD profitiert. Der Rechner, auf dem dieses Vista bisher lief, ist mit einem Core 2 Duo E7400 (2,8 GHz), P35-Chipsatz und 2 GByte DDR2-800-Speicher ausgerüstet.

Nach etwas Aufräumarbeiten ließ sich die Betriebssystempartition der Samsung HD321KJ (320 GByte, 7.200 rpm) von netto 40 GByte mit der Boot-CD problemlos auf 30 GByte eindampfen. Netto bietet die Kingston-SSD 37,25 GByte Speicherplatz, die man aber nicht voll nutzen sollte. Wie sowohl Kingston als auch Intel nach erstem Ärger mit immer langsamer werdenden SSDs empfehlen, sollte man 10 bis 20 Prozent einer SSD unpartitioniert lassen - oder bei bestehenden Installationen die Partition entsprechend verkleinern. Wir haben daher die Partition der SSD auf 32 GByte begrenzt.

Hintergrund dieses Tipps ist das Wear Levelling aller SSDs, das die Flash-Zellen gleichmäßig abnutzen soll. Vor allem randvolle SSDs werden dadurch beim Schreiben und Lesen nach einiger Zeit immer langsamer, da die Controllerbausteine der SSD die Zugriffe verteilen. De facto fragmentiert sich eine SSD also ständig selbst. Defragmentieren hilft auch nichts, im Gegenteil: Durch die vielen Schreibzugriffe dabei wird der Zustand noch schlimmer. Das Betriebssystem sieht nie, was der Controller genau tut, und kann auf die Eigenheiten der SSD keine Rücksicht nehmen.

SSD-Hersteller empfehlen daher inzwischen, das Defragmentieren von SSDs tunlichst zu unterlassen und auch Auslagerungsdatei und Browsercache nach Möglichkeit auf ein anderes Laufwerk zu verlagern. Schneller wird eine SSD durch Defragmentieren ohnehin nicht, da es bei diesen Geräten die Neupositionierung von Schreib-/Leseköpfen nicht gibt, und Defragmentieren vor allem diesen Effekt mildern soll.

Booten und Start von Anwendungen deutlich schneller

Mit Acronis True Image HD ließ sich die Boot-Partition unseres Beispielsystems in rund 20 Minuten auf die SSD übertragen, die danach als Bootlaufwerk konfiguriert wurde. Beim Neustart wurde nur das Laufwerk von Windows als neues Gerät erkannt, weitere Änderungen ergaben sich nicht.

Das kann aber auf einem System, bei dem auch Anwendungen auf einem anderen Laufwerk wie "D:" installiert sind, anders sein - im Zweifelsfall sollte man hier über die Datenträgerverwaltung die Laufwerksbuchstaben neu zuordnen. True Image bietet aber auch die Option, die Quellpartition nach dem Kopieren zu löschen, was aber beim ersten Versuch nicht unbedingt ratsam ist.

Die Bootzeit haben wir von der Auswahl des Betriebssystems (F8) bis zum Erscheinen des Desktops gemessen, sobald alle Icons in der Systray aufgebaut waren. Vista ist dabei zwar noch längst nicht mit allen Initialisierungen fertig, aber alle Anwendungen lassen sich nutzen, wie es der Anwender gewohnt ist. Nach weiteren 5 Minuten Ruhe wurde der Start der Programme gemessen.

Die Vergleiche beziehen sich dabei immer auf die vorher vorhandene 320-GByte-Festplatte, geben also wieder, was das Upgrade auf die SSD mit einem vor zwei Jahren aktuellen Mittelklasserechner bringt.

Statt in 52 Sekunden bootete der Rechner in 34 Sekunden, ein 20-MByte-PDF zeigte nach 6 statt 10 Sekunden die erste Seite dar. Der Internet Explorer 8 - mit zuvor geleertem Cache - lud Golem.de als Startseite nach 6 statt vorher 9 Sekunden. Ein Word-Dokument mit Microsofts Office 2003 war nach 8 statt vorher 14 Sekunden geladen. Alle diese Beispiele verstehen sich nach einem Doppelklick auf die Dokumente, also inklusive dem Start der Anwendungen.

Diese Ergebnisse bestätigt auch der synthetische Test "Crystal Disk Mark 2.2". Er bescheinigt der SSDNow V 40 GByte 180 MByte/s beim sequenziellen Lesen und gut 44 MByte/s beim Schreiben. Werden also große Dateien auf die SSD kopiert, ist sie auch älteren Festplatten wie unserem Beispielgerät unterlegen. Die halbierte Anzahl der Speicherkanäle macht sich jedoch bei kleineren Blockgrößen, wie 4 Kilobyte in diesem Test, deutlich bemerkbar. Hier kommt die SSDNow nur auf gut 13 MByte/s beim Lesen. In den Datenblättern von SSDs wird dieser Effekt meist mit dem für Anwender schwer fassbaren Begriff der "IOPS", also den Ein-/Augabeoperationen pro Sekunde beschrieben.

Fazit: Das ideale Weihnachtsgeschenk für PC-Bastler

40 GByte sind nicht viel, 98 Euro aber für die gebotene Mehrleistung auch nicht. Wer seine Anwendungen diszipliniert installiert hat, kann sich nach nicht einmal einer Stunde Umbauarbeiten über deutlich schnelleren Start von Anwendungen freuen. Ansonsten bleibt nur der Weg einer Neuinstallation, was sich aber durch das Erscheinen von Windows 7 in diesen Tagen ohnehin schon anbietet.

Als alleiniger Datenspeicher für Desktop-PCs ist die SSDNow V 40 GByte aber durch die Probleme des Wear Levelling kaum geeignet, eine sinnvolle Konfiguration ergibt sich erst mit einer zusätzlichen Festplatte. Dieses Schicksal teilt sie jedoch mit vielen anderen SSDs, die nicht den Trim-Befehl von Windows 7 unterstützen, und das sind bisher die wenigsten Geräte.

Geht es nur um das Booten von Betriebssystemen, ist sie aber auch ein nettes Upgrade für Mediacenter-PCs oder Netbooks. Bei diesen beiden Anwendungen kommt der reduzierte Geräuschpegel als weiterer Vorteil hinzu.

Fraglich ist nur noch, ob Kingston die Laufwerke vor Weihnachten in ausreichender Stückzahl liefern kann. Ab dem 9. November 2009 sollen die einzelnen SSDs und die Upgradepakete an den Handel geliefert werden.  (nie)


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