Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0910/70629.html    Veröffentlicht: 21.10.2009 17:17    Kurz-URL: https://glm.io/70629

Kaspersky verteidigt seine Forderung nach Internetpässen

"Benutzung eines Flugzeugs ist auch nicht anonym"

Eugene Kaspersky sieht sich von Kritikern seiner Forderung nach obligatorischen Internetpässen missverstanden. Was Menschen in Tauschbörsen und Foren machten, sei ihm egal. Doch Anonymität nutze letztlich nur den Cyberterroristen, so der Securityexperte.

Die Forderung Eugene Kasperskys, die anonyme Nutzung des Internets abzuschaffen und obligatorische Internetpässe für alle einzuführen, hat für viel Kritik gesorgt. Der Gründer des IT-Sicherheitsunternehmens bemüht sich daher im Firmenblog um eine Richtigstellung.

Das Hauptproblem der Struktur des Internets sei die Anonymität, hatte er zuvor dem Onlinemagazin ZDNet Asia gesagt. "Jeder sollte und müsste identifizierbar sein, oder es müsste Internetpässe geben." Die deutsche PR-Agentur von Kaspersky wies Golem.de auf das neue Statement Kasperskys hin. Seine Aussagen seien von ZDNet Asia "etwas aus dem Zusammenhang gerissen worden".

Wenn er "keine Anonymität" gefordert habe, dann sei "keine Anonymität bei IT-Sicherheitskontrollen" gemeint gewesen, erklärte der Firmengründer. "Was Menschen in Blogs, Foren, sozialen Netzwerken und illegalen Torrent Portalen machen, ist mir egal."

Doch die von ihm favorisierten Internetpässe würden wahrscheinlich nie, oder erst nach mehreren schweren cyberterroristischen Anschlägen eingeführt werden, so Kaspersky. "Wir sehen schon die ersten Anzeichen eines aufkommenden Cyberterrorismus - und globale Anonymität ist ein wirklich günstiger Faktor für diese Menschen."

Auch die Benutzung eines Flugzeugs sei nicht anonym. "Und das Internet ist genauso wichtig und so verwundbar wie das Luftverkehrsnetz. Warum also haben wir verschiedene Sicherheitsstandards für diese beiden globalen Netzwerke?", fragte er. Regierungen seien bereits dabei, digitale IDs für das Onlinebanking und politische Wahlen einzuführen, in Firmennetzwerken sei die Authentifizierung mit zwei Faktoren (Two-Factor Authentication) auf dem Vormarsch. "Das einzige, was heute fehlt, ist ein gemeinsamer Standard", so der Sicherheitsexperte.  (asa)


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