Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0910/70587.html    Veröffentlicht: 20.10.2009 15:23    Kurz-URL: https://glm.io/70587

CIA interessiert sich für das Web 2.0

US-Geheimdienst investiert in Unternehmen, das soziale Medien auswertet

Der US-Geheimdienst CIA will offensichtlich Web-2.0-Angebote wie Blogs oder Twitter überwachen. Dazu hat die CIA über ihre Beteiligungsgesellschaft In-Q-Tel in das Softwareunternehmen Visible Technologies investiert, das sich auf die Auswertung sozialer Internetangebote spezialisiert hat.

Mit Hilfe seiner Lösung könne der CIA wichtige Einsichten in die Kommunikation in Web-2.0-Angeboten gewinnen, schreibt Visible Technologies in einer Mitteilung. Das Unternehmen überwacht täglich rund 500.000 Websites wie Blogs, Twitter-Feeds, Foto- und Videoportale sowie die Nutzerrezensionen bei Amazon. Mit den gewonnen Daten können Unternehmen beispielsweise herausfinden, was Nutzer auf diesen Angeboten über sie schreiben. Außerdem bewertet die Software, ob die Beiträge positiv, neutral oder negativ für den Auftraggeber sind.

Windows-Markteinführung beobachtet

Zu den Kunden gehören beispielsweise Dell, AT&T, Verizon oder Microsoft. Das Softwareunternehmen hat Visible Technologies beauftragt, die Markteinführung des neue Betriebssystems Windows 7 zu verfolgen.

Die CIA dürfte sich indes weniger um ihre Darstellung in der Öffentlichkeit sorgen. Das Engagement stehe im Zusammenhang mit den Bemühungen der CIA, öffentlich im Internet zugängliche Informationen besser nutzen zu können, berichtet Wired.

Ausländische Blogs

Die CIA wolle, dass Visible Technologies vor allem ausländische Angebote überwacht und für den Geheimdienst verfolgt, wie Probleme international behandelt werden, erklärte In-Q-Tel-Sprecher Donald Tighe Wired.

Steven Aftergood, Spezialist für Geheimdienste bei der Federation of the American Scientists, warnte vor möglichen Folgen der Datenanalyse. Zwar seien die Daten frei verfügbar. Trotzdem könnte die Auswertung "problematisch sein, wenn die Informationen für eigenmächtige Ermittlungen oder Operationen im Inland genutzt werden". Der Geheimdienst könnte die Software beispielsweise dazu nutzen, Daten über Kritiker oder Journalisten zu sammeln und für politische Zwecke einzusetzen.

Im Frühjahr war bekannt geworden, dass die CIA über In-Q-Tel die Entwicklung des Irak-Kriegsspiels Six Days in Fallujah mit finanziert hat.  (wp)


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