Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0910/70286.html    Veröffentlicht: 07.10.2009 01:01    Kurz-URL: https://glm.io/70286

Test: Palm Pre - das Smartphone für iPhone-Verächter

WebOS-Smartphone bietet komfortables Multitasking und Synergy

Am 13. Oktober 2009 kommt das Palm Pre auf den deutschen Markt. Es hat das Zeug dazu, dem iPhone ernsthaft Konkurrenz zu machen, denn es macht einiges anders und vieles besser. Palms neue Mobiltelefonplattform bringt Innovationen, die kein anderes Mobiltelefon zu bieten hat.

Das Palm Pre weist Hardwarebesonderheiten auf, die es bei keinem anderen Mobiltelefon auf dem Markt gibt. Die neue WebOS-Plattform bietet komfortables Multitasking und wird über einen Multitouch-Bildschirm mit dem Finger sowie mit speziellen Gesten bedient. Innerhalb von WebOS machen dezente Benachrichtigungen das Arbeiten angenehm. Zu den Besonderheiten von WebOS zählen auch eine universelle Suche und der intelligente Synchronisierungsdienst Synergy, der vor allem im Kalender und Adressbuch seine Vorzüge zeigt.

Das Palm Pre zeichnet sich durch viele praktische Hilfen aus, wie etwas ein leicht erreichbares Netzwerkmenü, um WLAN und Bluetooth ein- und auszuschalten oder den Flugzeugmodus zu aktivieren. Das WebOS-Smartphone besitzt einen komfortablen Browser und einen sehr leicht zu konfigurierenden E-Mail-Client. Mit WebOS bündelt Palm Kurzmitteilungen und Instant-Messaging in einer Applikation.

Der Musikplayer auf dem Pre bindet sich pfiffig in WebOS ein, enttäuscht aber an anderer Stelle. Zu den Softwarebeigaben zählen ein Youtube-Client und ein Videoplayer, Anzeigesoftware für Office-Dokumente und PDF-Dateien sowie Google Maps. Wie auch Apple für das iPhone bietet Palm einen Softwareshop für WebOS-Applikationen an, den App Catalog. Neben dem kapazitiven Touchscreen besitzt das Pre eine ausziehbare QWERTZ-Tastatur, die allerdings nicht voll überzeugt. Die induktive Ladestation Touchstone gibt es gegen Aufpreis, sobald der Palm Pre exklusiv bei O2 zu haben ist - ab 13. Oktober 2009.

Besonderheiten der Pre-Hardware

Im Gegensatz zu den bisherigen Mobiltelefonen von Palm besitzt das Pre einen kapazitiven Touchscreen mit Multitouch-Unterstützung. Das Mobiltelefon wird also mit dem Finger bedient und besitzt unterhalb des Displays einen speziellen Gestenbereich, den es nur bei WebOS-Geräten von Palm gibt. Im Gestenbereich werden spezielle Befehle zur Steuerung ausgeführt. Dabei leuchtet der Bereich als Rückmeldung für den Nutzer auf. Mitten im Gestenbereich befindet sich ein Knopf, der bei Berührung ebenfalls aufleuchtet, aber keine Trackball-Funktion bietet.

Mit dem Pre bringt Palm sein erstes Mobiltelefon mit ausziehbarer Tastatur auf den Markt. Bei den bisherigen Palm-Smartphones befanden sich die QWERTZ-Tastaturen immer direkt unterhalb des Displays. Dadurch war die maximale Displaygröße beschränkt, denn das Gerät sollte nicht zu groß werden. Das Palm Pre ist das einzige Mobiltelefon am Markt, das eine QWERTZ-Tastatur besitzt, die hochkant ausgefahren wird. Dadurch kann die Tastatur auch mit einer Hand ausgefahren und darauf getippt werden. Bei Mobiltelefonen mit seitlich ausziehbaren Tastaturen geht beides meist nur mit beiden Händen.

WebOS bringt luxuriöses Multitasking

Palms neues Betriebssystem WebOS ist ideal auf die Bedienung mit dem Finger optimiert und beherrscht Multitasking, das sehr transparent arbeitet. Jedes laufende Programm wird in einer sogenannten Karte ausgeführt, ein Druck auf die mittlere Taste unterhalb des Displays aktiviert aus jedem Programm heraus eine Kartenübersicht mit allen laufenden Applikationen. Mit einem Fingerwisch wird zwischen den Karten gewechselt, die Reihenfolge der Karten lässt sich dabei verändern. Die vorgewählte Karte wird entweder mit einem Fingertippen auf das Display oder der Betätigung der mittleren Taste aktiviert.

Zum Schließen eines Programms wird die Karte einfach mit dem Finger nach oben aus dem Bildschirm geschoben. Die Programme speichern ihre Daten immer sofort, so dass es dabei nicht zu Datenverlust kommen kann. Das Wechseln zwischen laufenden Programmen reagiert außerordentlich schnell, aber das Starten von Applikationen ist oftmals sehr langsam und der Nutzer muss lange warten, bis die Software einsatzfähig ist.

Im Musikplayer und in Palms Softwareshop App Catalog aktualisieren die Programme den Karteninhalt auch in der Kartenübersicht. Leider funktioniert das nicht im Browser, der zwar im Hintergrund weiter läuft, aber nicht anzeigt, sobald eine größere Webseite fertig geladen ist. Innerhalb der Karten wird der Lagesensor berücksichtigt, so dass Webseiten oder Fotos ihre Ausrichtung ändern, wenn das Gerät statt im Hochformat quer gehalten wird.

Der Lagesensor im Palm Pre reagiert sehr zügig, wird aber nur von wenigen Applikationen genutzt. Neben dem Browser gehören dazu die Fotoanzeige und die Kamera. Obwohl eine Queransicht auch in Programmen wie dem Kalender hilfreich wäre, steht sie dort nicht zur Verfügung. Breitbildvideos werden immer im Querformat abgespielt.

Die grundlegende Bedienung von WebOS ähnelt der von Apples iPhoneOS deutlich. In langen Listen scrollt der Nutzer bequem und butterweich mit einem Fingerwisch; Webseiten, Bilder oder Dokumente lassen sich mit einem Doppeltipp oder durch Kneif- und Spreizgesten vergrößern und verkleinern. Mit einem Fingerwisch nach rechts oder links wird durch Fotosammlungen geblättert und selbst die Schalter in den Programmeinstellungen können das Vorbild von Apple nicht verhehlen. Im Unterschied zum iPhoneOS quittiert WebOS das Tippen auf den Bildschirm immer mit einem kurzen Aufleuchten, so dass der Anwender erkennt, welchen Bereich er getroffen hat.

In nahezu jeder Applikation kann über Tippen in die linke obere Bildschirmecke das Programmmenü geöffnet werden - PalmOS lässt grüßen. Da der Tippbereich dafür recht klein ist, trifft der Anwender ihn nicht immer genau. Diesen Fehler hat Palm mittlerweile bemerkt und mit WebOS 1.2 korrigiert, das in Deutschland voraussichtlich im November 2009 erscheint. Dann wird das Menü aktiviert, indem der Finger von oben in den Bildschirm fährt. Die deutschen Pre-Modelle werden noch mit WebOS 1.1.3 ausgeliefert. Palm hat vor, jeden Monat ein Update für WebOS zu veröffentlichen, so dass neue Funktionen zügig integriert werden können.

Auf dem unteren Teil der Kartenübersicht befindet sich ein Schnellstarter, um bis zu vier Applikationen sowie den Startbildschirm zu öffnen. Der Startbildschirm besteht aus drei Seiten, auf denen sich Applikationen beliebig verteilen lassen, eine Kategorienaufteilung wie bei PalmOS fehlt. Bei vielen installierten Programmen kann es auf den drei Seiten schon mal etwas unübersichtlich werden. Mittels Drag-and-Drop lassen sich Programme umsortieren oder im Schnellstarter ablegen. Wird eine Applikation bei gedrückter Optionstaste angetippt, wird die Software nach einer Sicherheitsabfrage deinstalliert.

Gesten helfen bei der Bedienung

Außer über den Knopf in der Schnellstartleiste kann der Startbildschirm in der Kartenübersicht auch über den Gestenbereich geöffnet und geschlossen werden. Dazu wischt der Finger bei aktivierter Kartenübersicht vom Gestenbereich in den Bildschirm hinein, und schon erscheint der Startbildschirm. Mit dieser Geste kann der Startbildschirm auch geschlossen werden und in einem aktiven Programm gelangt der Nutzer auf die Kartenübersicht.

Aus jedem Programm heraus öffnet sich der sogenannte Wellenstarter, wenn der Finger bei dieser Geste auf dem Display bleibt. Der Wellenstarter entspricht von den Programmverknüpfungen her der Schnellstartleiste und erlaubt den Aufruf von bis zu vier Applikationen. Schade, dass der Wellenstarter nicht unabhängig davon mit Programmverknüpfungen belegt werden kann, denn so könnten sich in Kombination mehr häufig benötigte Programme bequem aufrufen lassen.

Eine zentrale Geste findet in zahlreichen Applikationen Anwendung: die Zurück-Geste. Damit springt der Nutzer in einer Software immer zum vorherigen Bildschirm zurück. Das wird etwa benötigt, um Einstellungsdialoge zu verlassen, aus einer E-Mail wieder in den Postfachordner zu wechseln oder im Browserverlauf die vorherige Webseite zu öffnen. Hierbei wischt der Finger entweder vom rechten Rand des Gestenbereichs bis zum mittleren Knopf oder von diesem zum linken Rand.

Ein Fingerwisch quer über den gesamten Gestenbereich wechselt zwischen zwei laufenden Applikationen analog zum Durchblättern einer Fotogalerie. Hierfür kann es wichtig sein, die Reihenfolge der Programme in der Kartenübersicht zu ändern. Ein Wisch nach rechts wechselt zum Programm links von der aktiven Applikation, bei einem Linkswisch kommt die rechts befindliche Applikation nach vorne. Einfacher geht der Taskwechsel nicht, zumal der Programmwechsel ohne jegliche Verzögerung vor sich geht. Obwohl diese Geste außerordentlich nützlich ist und leicht von der Hand geht, ist die Funktion standardmäßig nicht aktiviert.

Der intensive Einsatz von Gesten erlaubt es, auf Bedienelemente zu verzichten. Dadurch müssen weniger Befehlselemente in Applikationen integriert werden und es bleibt mehr Platz für die eigentlichen Informationen.

Benachrichtigungen, die nicht stören

Ein weiterer Vorzug von WebOS sind die dezent ins System eingebundenen Benachrichtigungen. Bisher sorgen eingehende Kurzmitteilungen oder Anrufe auf Mobiltelefonen dafür, dass das Schreiben einer E-Mail oder Kurzmitteilung oder das Lesen einer Webseite rüde unterbrochen wird. Um dieses Ärgernis zu umgehen, blendet WebOS in der unteren Bildschirmhälfte Benachrichtigungen ein. Bei Android kommt ein ähnlicher Ansatz zum Einsatz, der allerdings weniger elegant und effizient implementiert ist als bei WebOS.

Denn bei WebOS kann der Nutzer entscheiden, ob er gleich oder später auf die Benachrichtigung reagiert. Generell kann bei allen Benachrichtigungen im oberen Bildschirmbereich weiter gearbeitet werden. Will der Nutzer etwa eine E-Mail oder eine SMS lesen, genügt ein Tippen auf den Hinweisbereich, und die betreffende Nachricht wird geöffnet.

Um die Benachrichtigung ganz zu entfernen, genügt es, sie einfach links oder rechts aus dem Bildschirm zu schieben. Alternativ kann der Hinweis aber auch durch den Druck auf die mittlere Taste minimiert werden, dann zeigt WebOS nur noch ein Hinweissymbol im Benachrichtigungsbereich an. Ein Tippen auf das Symbol vergrößert die betreffende Benachrichtigung wieder. Während Hinweise auf neue E-Mails, Instant-Messaging-Nachrichten oder Kurzmitteilungen sehr wenig Platz im Benachrichtigungsbereich einnehmen, erscheinen Terminerinnerungen und Anrufe deutlich größer. Eingehende Anrufe nehmen dann den halben Bildschirm ein.

Universale Suche findet (noch nicht) alles

Ebenfalls eine pfiffige Idee ist die universale Suche, die so kein anderes Mobiltelefon bietet. Befindet sich der Nutzer in der Kartenübersicht, kann er auf der Tastatur einfach drauflostippen und startet so direkt eine Suchanfrage, ohne vorher einen Knopf drücken oder eine Applikation öffnen zu müssen. Derzeit werden auf dem Gerät Programmnamen sowie alle Kontakte im Adressbuch gefunden. Bereits während der Eingabe erscheinen passende Treffer, so dass sich etwa der Musikplayer durch Eingabe von "mu" starten lässt. Jede Sucheingabe kann ansonsten direkt an Google, Google Maps, Wikipedia oder Twitter weitergereicht werden.

Die universale Suche ist derzeit allerdings nicht so universell, wie der Name verspricht. Die Suche findet keine E-Mails, keine Kurzmitteilungen, keine Lesezeichen, keine Termine, keine Memos und auch keine Aufgaben. Palm will das erst mit künftigen Updates ermöglichen. Damit bleibt die Suchfunktion von den Fähigkeiten her weit hinter dem zurück, was selbst das betagte PalmOS beherrscht: eine systemweite Suche. Wer Hand anlegen mag, kann die Suche etwas erweitern: Denn jedes Browser-Lesezeichen kann im Startbildschirm abgelegt werden, so dass die URL wie ein Programm über die Suche gefunden wird. Die grundlegende Idee der universalen Suche bleibt trotz der noch vorhandenen Defizite überzeugend.

Synergy macht den Unterschied

Ein Eckpfeiler von WebOS ist Synergy. Synergy sammelt Daten aus unterschiedlichen Quellen und bündelt sie in einem Programm. Dieser Ansatz kommt vor allem im Kalender und im Adressbuch zum Tragen. Bei der Ersteinrichtung des Pre muss der Nutzer bei Palm ein Konto anlegen, weil darüber neben den Synergy-Daten auch weitere Funktionen umgesetzt werden.

Im Internet bietet Palm Software an, um Termine und Adressen aus dem Palm Desktop 6.22, aus Microsofts Outlook 2003 oder 2007 sowie aus iCal und dem Adressbuch von MacOS einmalig in das Palm-Profil zu importieren. Eine regelmäßige Synchronisation zwischen diesen Programmen und dem Palm-Profil bietet Palm nicht an. Aber verschiedene Drittanbieter bieten Lösungen, um Daten weiterhin lokal jenseits des Internet zu synchronisieren. Ansonsten werden die Daten über eine mobile Internetverbindung zwischen Pre und Palm-Profil ausgetauscht. Erst zum Marktstart des Pre werden Kunden auf Palm-Profil-Daten über den PC zugreifen können, während des Tests war das noch nicht möglich. Nachtrag vom 22. Oktober 2009: Wie Palm auf Nachfrage erklärte, wird es doch keine Möglichkeit geben, Termine oder Kontakte des Palm-Profils direkt am PC zu bearbeiten.

Jenseits des Palm-Profils können im Kalender und Adressbuch jeweils Daten aus den zugehörigen Google-Diensten, aus Facebook und über Microsoft Exchange ActiveSync integriert werden. Die Daten werden dabei über eine mobile Internetverbindung synchronisiert und stehen auch im Offlinebetrieb bereit. Neue Dateneinträge werden synchronisiert, sobald das Pre wieder mit dem Internet verbunden ist.

WebOS-Kalender mit Synergy

Die jeweiligen Kalenderdatensätze zeigt der WebOS-Kalender mit unterschiedlichen Farben und wahlweise erscheint auch nur eine Datenbank im Kalender. Die Einträge aus anderen Kalenderdatenbanken erscheinen dann ausgegraut, so dass Terminüberschneidungen noch auffallen. Enthält ein Profil mehrere Kalenderdatenbanken, können diese in den Kontoeinstellungen nach Belieben im WebOS-Kalender ein- oder ausgeschaltet werden.

Neue Termine kann der Nutzer schnell und bequem eingeben, indem er einfach auf die betreffende Uhrzeit tippt und schreibt. Kalenderdetails lassen sich nachträglich ergänzen. Längere freie Zeiträume zwischen Terminen werden wie eine Ziehharmonika dargestellt, so dass mehrere Termine an einem Tag gut sichtbar sind, selbst wenn viele Stunden dazwischen liegen. Uhrzeittermine lassen sich bequem mit dem Finger auf eine andere Zeit verschieben und als kleine Nettigkeit zeigt das Programm-Icon des Kalenders immer den aktuellen Monatstag als Zahl an.

Tippt der Nutzer auf das Tagesfeld, kann er zu einem bestimmten Datum oder zum aktuellen Tag springen. Mit einem Fingerwisch nach links oder rechts wird der Kalender Tag für Tag oder Woche für Woche durchblättert. Nur in der Monatsansicht fehlt diese Funktion. Beim iPhone gibt es so viel Komfort nicht, da muss im Kalender immer das entsprechende Icon zum Durchblättern gedrückt werden.

Adressbuch verschmelzt Kontaktdaten

Während die Kalenderdatensätze über Synergy strikt getrennt verarbeitet werden, schmeißt WebOS bei Adressen alles zusammen, was es finden kann. Dabei werden alle Adressinformationen zu einem Kontakt zusammengefasst, ganz gleich, ob die Daten von Google, Facebook oder Exchange auf das Pre gelangen. Das bringt Übersichtlichkeit in die Kontaktliste, denn doppelte Einträge kommen nicht vor und alle verfügbaren Kontaktdetails sind leicht zu erreichen. Praktisch: Zu jedem Eintrag lässt sich eine Kontakterinnerung hinzufügen. Dann erscheint ein Hinweistext, sobald derjenige kontaktiert wird, ganz gleich ob per Anruf, SMS oder E-Mail.

Die angenehm enge Verzahnung von Daten fällt an vielen Stellen in WebOS positiv auf, so auch im Adressbuch. Sowohl in der Kontaktliste als auch in den Details zeigt das Adressbuch mit einem grünen Punkt, wenn ein Nutzer bei Facebook oder einem Instant-Messaging-Netz angemeldet ist. In den Kontaktdetails genügt ein Tippen auf den grünen Punkt, um die Chatsoftware zu öffnen.

In den Kontakteinstellungen zeigt Synergy, woher die jeweiligen Adressinformationen stammen und bei Bedarf kann eine Profilverknüpfung aufgehoben oder hinzugefügt werden. Allerdings funktioniert die Erkennung zusammengehöriger Kontakte sehr zuverlässig, so dass hier nur in Ausnahmefällen Nacharbeit erforderlich ist. Dabei lässt sich bestimmen, welches Profil bevorzugt verwendet werden soll, allerdings muss das für jeden Kontakt einzeln eingestellt werden. Eine globale Einstellung gibt es nicht.

Als Nachteil erweist sich hierbei, dass Google Mail jede E-Mail-Adresse automatisch ins Adressbuch aufnimmt und so viel Datenmüll über Google Mail in das WebOS-Adressbuch gelangt. Derzeit werden auch immer alle Kontakte auf der SIM-Karte in die Kontakte importiert, eine Abschaltoption gibt es nicht. Diese soll erst mit einem WebOS-Update nachgereicht werden.

Onlinebackup und Fernlöschfunktion

Über das Palm-Konto sichert das Pre-Smartphone in der Standardeinstellung täglich einige Gerätedaten. Dazu gehören die Anmeldedaten der verschiedenen Synergy-Quellen, Informationen über die installierten Applikationen sowie die verwendete WebOS-Version. Fotos, Videos und Musikdateien werden vom Backup nicht berücksichtigt und müssen bei einer Wiederherstellung über den PC zurückgespielt werden.

Derzeit werden im Rahmen des Backups noch keine Lesezeichen des Browsers gespeichert, das wird aber wohl mit dem nächsten WebOS-Update kommen, das voraussichtlich im November 2009 erscheint. In WebOS 1.2 ist die Funktion bereits enthalten. Das tägliche Backup kann bei Bedarf deaktiviert werden und der Nutzer kann jederzeit ein manuelles Backup vornehmen.

Bei einem Geräteverlust kann das Pre außerdem über das Palm-Konto von jedem PC mit Internetanschluss aus der Ferne gelöscht werden. Damit wird verhindert, dass vertrauliche Daten in fremde Hände gelangen.

Netzwerkfunktionen immer erreichbar

Großes Lob hat Palm dafür verdient, wie einfach und zuverlässig alle Netzwerkfunktionen im Pre arbeiten. Tippt der Nutzer auf den rechten Bereich in der Statusleiste am oberen Bildschirmrand, öffnet sich ein Menü, das den genauen Akkufüllstand preisgibt und das Umschalten der verschiedenen drahtlosen Netze erlaubt. So lässt sich WLAN und Bluetooth in Windeseile an- und ausschalten. Das Suchen in langen Einstellungsmenüs entfällt. Ferner wird darüber auch der Flugmodus ein- oder ausgeschaltet. Bei aktiviertem Flugmodus lässt sich WLAN separat aktivieren, was nicht für jedes Mobiltelefon am Markt eine Selbstverständlichkeit ist.

Das Umschalten des Flugmodus geschieht dabei so komfortabel wie beim iPhone, indem der Mobilfunkteil auch ohne PIN-Eingabe wieder eingeschaltet wird. Auch nach einem Geräteneustart gibt es keine PIN-Abfrage, sofern die SIM-Karte nicht gewechselt wurde. Das WLAN-Modul geht bei Nichtnutzung in einen effizienten Energiesparmodus und ist sehr schnell wieder einsatzbereit. In der Statusleiste zeigt das Pre außerdem vorbildlich, ob UMTS, EDGE oder GPRS zur Verfügung stehen.

Wie auch beim Menü ist der Aktivierungsbereich für das Netzwerkmenü sehr klein, so dass es nicht immer richtig getroffen wird. Auch das hat sich mit WebOS 1.2 bereits geändert und wird deutschen Nutzern wohl mit dem nächsten Update bereitstehen. Dann öffnet sich das Menü, indem der Finger von oben in den Bildschirm fährt.

Browser arbeitet flink und zuverlässig

Wie auch die Browser auf dem iPhone sowie auf Nokia- und Android-Smartphones verwendet der WebOS-Browser die Rendering-Engine Webkit. Der WebOS-Browser arbeitet sehr zügig und mittels Doppelklick oder Kneif- und Spreizgesten kann der Bereich einer Webseite vergrößert oder verkleinert werden. Innerhalb der Webseite scrollt der Browser butterweich mit einem Fingerwisch.

Bei der Eingabe einer URL gibt es eine Autovervollständigung, die sowohl die Lesezeichen als auch den Browserverlauf berücksichtigt und passende Treffer anzeigt. Jede URL-Eingabe kann auch bequem direkt zu Google oder Wikipedia geleitet werden. Beim Surfen stören keine lästigen Leisten, so dass der Bildschirm optimal genutzt wird. Die URL-Zeile öffnet sich sehr intuitiv automatisch, sobald auf der Tastatur getippt wird. Die Eingabe einer URL ist also jederzeit möglich.

Im Browser gibt es außer der Zurückgeste auch eine Vorwärtsgeste für den Gestenbereich, um im Browserverlauf vor- und zurückzublättern. Alternativ funktioniert das auch über die Vor- und Zurück-Knöpfe, die der Browser immer einblendet. Sehr angenehm: Beim Blättern durch bereits aufgerufene Webseiten merkt sich der Browser die gewählte Zoomstufe und zeigt die Seite so, wie der Nutzer sie verlassen hat. Im Acid3-Test versagt der WebOS-Browser kläglich. Er unterstützt damit derzeit nicht so viele Webstandards wie der iPhone-Browser, der den Acid3-Test mit Bravour besteht.

Der Browser gehört zu den wenigen mitgelieferten WebOS-Applikationen, die sich auch im Querformat nutzen lassen, was mehr Lesekomfort bringt. Im Querformat wird die Statusleiste komplett ausgeblendet, so dass noch einmal mehr Platz auf dem Bildschirm zur Verfügung steht. Mit einem Trick lässt sich aber auch hier das Programmmenü aufrufen: Dazu muss eine der beiden Lautstärketasten betätigt werden und die Statusleiste erscheint, um das Browsermenü zu erreichen.

Im Querformatmodus ändert der Gestenbereich seine Funktion und kann mit den Zurück-Gesten zum Hoch- und Herunterblättern verwendet werden. Dabei macht sich ein weiteres Schmankerl bemerkbar: Wenn eine Software den Lagesensor berücksichtigt, spielt es keine Rolle, wie herum das Gerät gehalten wird. Das Mobiltelefon kann also auch kopfüber gehalten werden und im Querformat kann der Gestenbereich wahlweise links oder rechts sein. Wird das Pre kopfüber gehalten, zeigt der Browser keine Statusleiste, so dass mehr Platz für den Inhalt bleibt.

Maximal 15 der gespeicherten Lesezeichen zeigt der WebOS-Browser beim Programmstart mit Minibildchen an, alle weiteren Lesezeichen sind dann nur per Tastatur erreichbar. Dadurch bleibt der Browserstartbildschirm übersichtlich und wirkt nicht überfrachtet. Ein mehrseitiger Startbildschirm wäre aber auch eine gute Lösung, um das zu verhindern. Eine tolle Funktion ist die automatische Aktualisierung des Vorschaubilds im Startbildschirm: Das Minibild zeigt nämlich immer den Inhalt des letzten Besuchs, so dass sich die Vorschau verändert, sobald die Webseite nochmal aufgerufen wird.

Über den Startbildschirm lassen sich Lesezeichen nicht entfernen, dafür steht die Lesezeichenübersicht bereit. Das Löschen eines Lesezeichens geschieht bequem darüber, indem es nach links oder rechts aus dem Bildschirm geschoben wird. Nach einer Sicherheitsabfrage ist der Eintrag entfernt. In dieser Darstellung lässt sich außerdem die Reihenfolge der Lesezeichen bequem mittels Drag-and-Drop verändern. Über das Browsermenü lässt sich die aktuelle URL per E-Mail versenden. Dabei wird gleich ein Bildschirmfoto der Webseite erstellt und an die E-Mail angehängt.

Ansonsten ist der Browser derzeit noch sehr unzureichend in WebOS integriert. Die Zwischenablage ist komplett deaktiviert, so dass sich keine Daten in den Browser kopieren lassen. Auch lassen sich Inhalte auf Webseiten weder markieren noch kopieren. Zudem unterstützt der Browser keinen Dateidownload, so dass sich eine auf einer Webseite befindliche PDF-Datei nicht ohne weiteres ansehen lässt, obwohl passende Anzeigesoftware vorhanden ist. Diese Kritikpunkte gehören mit dem Update auf WebOS 1.2 bereits der Vergangenheit an. Generell kann der Browser keine WAP-Seiten darstellen und auch mit Flash-Inhalten kommt er noch nicht klar. Für dieses Jahr wurde eine Betaversion des Flash-Players 10.1 für WebOS angekündigt.

E-Mail-Client mit intelligenter Datenverzahnung

Der in WebOS enthaltene E-Mail-Client lässt sich leicht konfigurieren: E-Mail-Einstellungen werden von der Software automatisch nach Eingabe von E-Mail-Adresse und Kennwort vervollständigt. Das funktionierte sogar mit einer Golem-Adresse. Einfacher kann die Konfiguration nicht sein. Als Besonderheit kann die Software beliebige E-Mail-Verzeichnisse in einen gemeinsamen Ordner zusammenfassen. Das hilft beim Einsatz mehrerer E-Mail-Adressen, weil alle Neuzugänge in einem Verzeichnis angezeigt werden.

Von Hause aus kann der E-Mail-Client nicht im Querformat verwendet werden. Aber mit einem Trick lässt sich die Software doch im Querformat nutzen. Zur Aktivierung des Querformatbetriebs muss auf dem Startbildschirm des E-Mail-Clients das Wort "RocknRollHax" eingetippt werden. Dabei muss beim Schreiben der Großbuchstaben die Umschalttaste gedrückt gehalten werden. Die Funktion gilt nur temporär und schaltet sich wieder ab, sobald der E-Mail-Client geschlossen wird.

Im Posteingang werden E-Mails vom aktuellen und des gestrigen Tages deutlich hervorgehoben, so dass der Nutzer sie einfacher findet. In einer geöffneten E-Mail kann der Nutzer mit Pfeilsymbolen von einer Nachricht zur anderen wechseln, ohne jedes Mal in den entsprechenden Ordner wechseln zu müssen. Das Blättern mit Wischgesten steht hier nicht zur Verfügung. E-Mails löscht der Nutzer bequem und intuitiv, indem er diese im E-Mail-Verzeichnis nach links oder rechts aus dem Bildschirm schiebt. Eine Funktion zum Löschen mehrerer Nachrichten fehlt allerdings.

In den Kontoeinstellungen lässt sich jeweils festlegen, ob auf neu eingehende Nachrichten mit einem Signalton oder durch Vibration hingewiesen wird. Eine Kombination beider Modi ist nicht möglich und der Signalton wird nur abgespielt, sofern die Systemsignale generell aktiviert sind. Neue E-Mails werden ansonsten im Benachrichtigungsbereich angezeigt. Bei ausgeschaltetem Display gibt es kein Signal: Hier könnte die mittlere Taste neue Nachrichten mit einem Leuchten anzeigen.

Auch im E-Mail-Client schlägt die Datenverzahnung von WebOS zu: Ein Tippen auf die Absenderadresse in einer E-Mail öffnet die Kontaktdetails, sofern es einen passenden Eintrag im Adressbuch gibt. Ansonsten wird angeboten, den Kontakt in das Adressbuch aufzunehmen. Besitzt der Absender ein Facebook- oder Instant-Messaging-Konto, zeigt ein kleiner Punkt, ob er gerade online ist.

Anhänge lassen sich ohne Probleme auf das Pre laden. Ein Fortschrittsbalken zeigt, wie lange das Herunterladen noch dauert. Von einem Foto erscheint in der E-Mail eine Vorschau und wird direkt im E-Mail-Client angezeigt. Bei Bedarf lässt sich das Foto auf dem Gerät speichern. Office-Dateien und PDF-Dokumente werden mit den mitgelieferten Programmen geöffnet und lassen sich mit diesen im Gerätespeicher ablegen. Bei Musikdateien funktioniert das nicht. Sie lassen sich als kleines Trostpflaster bequem im E-Mail-Client wiedergeben.

SMS und Instant Messaging wird eins

Noch bevor Palm Handspring übernahm, hatte Handspring mit dem Treo 600 erstmals bei Mobiltelefonen eine Chatansicht für Kurzmitteilungen eingeführt. Diese Funktion wird in WebOS umfangreich erweitert: Die SMS-Konversation erscheint nun in iPhone-Manier und die Messagingsoftware fasst alle Kurzmitteilungen und Chatsessions zu einem Kontakt zusammen. Dadurch wird die gesamte SMS- und Instant-Messaging-Kommunikation in einem Programm gesammelt.

Der Messagingclient ist zweigeteilt und zeigt alle Chats in einer Ansicht und die Kontaktliste der Instant-Messaging-Netze in einer anderen. Derzeit unterstützt die Software lediglich die Protokolle von Google Talk und AOL Instant Messenger. ICQ, Windows Live Messenger sowie Yahoo Messenger und Jabber sind mit dem Pre derzeit nicht nutzbar. Palm will weitere Protokolle zu einem späteren Zeitpunkt nachliefern. Wie lange das dauert, ist nicht bekannt.

In einem offenen Chatfenster erscheinen auch Statusänderungen in Textform. Sobald das Chatfenster geschlossen wurde, verschwinden diese auf Dauer unnützen Daten wieder. Die Software bietet auch eine Suchfunktion, die aber nur Adressaten findet. Die Chatinhalte lassen sich nicht durchsuchen. Auch der Messagingclient nutzt die mittlere Taste nicht zum Blinken, um bei ausgeschaltetem Display auf neue Nachrichten hinzuweisen.

Der Musikplayer ist eine Enttäuschung

Der auf dem Pre installierte Musikplayer kann die Dateiformate MP3, AAC, AAC+, AMR, QCELP und WAV abspielen, mit WMA-Dateien kommt er nicht klar. Die Software liest die ID3-Tags der Musikstücke aus und zeigt - wenn vorhanden - auch Albencover an. Die Titel können nach Lied, Interpret oder Album sortiert werden und mittels Autovervollständigung lassen sich Stücke gezielt finden.

Während der Wiedergabe genügt ein Fingerwisch über die Albencover, um von Lied zu Lied zu wechseln. Ein Tippen auf das Coverbild unterbricht die Wiedergabe oder setzt sie wieder fort. Alternativ können auch die üblichen eingeblendeten Steuerelemente dafür verwendet werden. Neben der Albencover-Ansicht kann auch eine Listenansicht gewählt werden.

Wenn der Musikplayer im Hintergrund läuft, wird ein Symbol im minimierten Benachrichtigungsbereich angezeigt, über das sich bequem die Funktionen Pause/Wiedergabe sowie Vor- und Zurückspringen erreichen lassen. Bei einem Liedwechsel wird der Titel praktischerweise im Benachrichtigungsbereich eingeblendet. Während der Musikwiedergabe sind die Lautstärketasten dauerhaft freigegeben, so dass sich die Lautstärke auch bei abgeschaltetem Display regulieren lässt.

Ansonsten enttäuscht der Musikplayer auf breiter Front: Es gibt nur Spultasten, aber keine Abspielleiste mit Fortschrittsanzeige, um schnell zu einer bestimmten Stelle zu gelangen, was etwa in einem Hörbuch oder Podcast sinnvoll sein kann. Beim Beenden des Musikplayers geht die letzte Abspielposition verloren und Lesezeichen kennt die Software auch nicht. Wer also die Musikwiedergabe an der alten Stelle fortsetzen will, darf den Musikplayer nicht beenden.

Dann blendet WebOS allerdings dauerhaft ein kleines Symbol im Benachrichtigungsbereich ein, was mit der Zeit störend sein kann. Immerhin lässt sich das Icon wegwischen, jedoch nicht wieder aktivieren, es sei denn, der Musikplayer wird neu gestartet. Das Pre unterstützt auch das Bluetooth-Profil A2DP, so dass sich Stereomusik drahtlos auf entsprechende Kopfhörer bringen lässt. Zudem besitzt das Gerät eine normale 3,5-mm-Klinkenbuchse, an die sich beliebige Kopfhörer anschließen lassen.

Die Wiedergabe des Musikplayers bremst das gesamte System erheblich aus, so dass das Pre auf Eingaben nur noch stockend reagiert, wenn im Hintergrund Musik läuft. Das ist besonders schade, weil die intelligente Einbindung in den Benachrichtigungsbereich den Musikplayer eigentlich dafür prädestiniert, im Hintergrund zu laufen, während der Nutzer etwa Webseiten liest, E-Mails versendet oder etwas anderes erledigt. Wenn der Musikplayer läuft, stockt der Browser bei Zoomgesten oder beim Scrollen in einer Webseite.

Auch innerhalb des Musikplayers wäre eine höhere Geschwindigkeit wünschenswert. Da die Software den gesamten Speicher bei jedem Programmstart durchsucht, dauert es immer einige Zeit, bis die Software einsatzbereit ist. Allerdings hat das wieder den Vorteil, dass Musikdateien nicht in einem speziellen Verzeichnis liegen müssen, damit sie vom Player gefunden werden.

Videoplayer und Youtube-Client vorhanden

Der Videoplayer auf dem Pre spielt die Dateiformate MPEG-4, H.263 sowie H.264 ab und zeigt sie im Querformat. Sobald der Videoplayer deaktiviert wird, unterbricht er die Aufnahme und spielt nicht weiter. Außerdem steht ein Youtube-Client bereit, um sich die Internetfilme auf dem Mobiltelefon anzusehen. Auch sie werden im Querformat abgespielt und pausieren, sobald die Kartenübersicht aktiviert ist.

Fotosoftware unterstützt Photobucket und Facebook

Die Fotogalerie auf dem Pre arbeitet immer im Vollbildmodus und der Nutzer wechselt zwischen den Bildern mit einem Fingerwisch nach links oder rechts. Dabei wird der Bewegungssensor für die automatische Querformatsdarstellung unterstützt. Wie beim Browser kann das Mobiltelefon beliebig gehalten werden - auch kopfüber. Für das Zoomen werden die bekannten Browsergesten genutzt. Beim Programmstart durchsucht das Gerät den gesamten Speicher nach allen Gif-, Jpg-, Png- und Bmp-Dateien, was dann einen Moment dauern kann. Fotos müssen also nicht in einem bestimmten Verzeichnis liegen. Bilder in Verzeichnissen werden als Galerie eingebunden.

Da die Software die Bilder im Originalformat verarbeitet, dauert es bei hochauflösendem Material einen Moment, bis das Foto vollständig geladen ist. Wer die Wartezeiten umgehen will, muss die Fotos vor der Übertragung auf das Pre verkleinern. Befindet sich der Nutzer innerhalb der Fotogalerie, führt ihn eine Zurück-Geste zur Fotoübersicht. Eine nochmalige Zurück-Geste ruft den Startbildschirm der Fotosoftware auf.

Aus der Software heraus lassen sich Fotos per E-Mail oder MMS versenden und direkt bei Facebook oder Photobucket hochladen. Außerdem kann ein Bild aus der Fotosoftware heraus als Hintergrundbild für die Kartenübersicht oder als Foto für einen Adressbuchkontakt festgelegt werden. Eine Diashowfunktion ist nicht integriert und wie der Musikplayer merkt sich die Fotosoftware nicht, welches Bild beim Programmende geöffnet war.

Memo und Aufgaben bieten nicht viel

Unspektakulär fallen die Programme Memo und Aufgaben aus. Wer bei Memo an eine umfassende Merkzettel-Applikation wie bei PalmOS denkt, wird bitter enttäuscht. Denn Memo ist nur eine Post-It-Software, um kurze Notizen abzulegen, deren Hintergrundfarbe sich anpassen lässt. Längere Notizen lassen sich damit ebenso wenig sinnvoll nutzen wie viele Notizen, weil es schnell unübersichtlich wird. Störend macht sich außerdem bemerkbar, dass die Standardsortierung der Memos unveränderbar ist: Neue Memos landen immer ganz oben und ältere Memos ganz unten. Immerhin lassen sich die einzelnen Memos verschieben.

Die Aufgabenverwaltung ist im Vergleich zu Memo etwas funktioneller und bietet mehrere Aufgabenlisten. Über die Suchfunktion lassen sich Aufgaben auch finden. Ein Datenaustausch über die Synergy-Funktionen steht für beide Programme nicht zur Verfügung, so dass sich die Daten nicht ohne weiteres am PC einsehen lassen.

Software zur Anzeige von Office- und PDF-Dateien vorhanden

Das Pre wird mit einer Software zum Anzeigen von Word-, Excel- und Powerpoint-Dateien ausgeliefert. ODF-Dateien lassen sich damit nicht ansehen und eine Bearbeitung der Dateien ist generell nicht möglich. Ergänzend dazu gibt es einen PDF-Reader und in beiden Programmen lassen sich Dokumente durchsuchen. Zudem stehen die üblichen Zoomgesten zur Verfügung, um einen Ausschnitt zu vergrößern. Beide Applikationen ignorieren den Lagesensor und lassen sich somit nur im Hochformat nutzen. Auch fehlt in beiden Programmen eine Löschfunktion, so dass sich Office- und PDF-Dateien nur mittels PC entfernen lassen, denn einen Dateimanager besitzt das Pre nicht.

Google Maps fehlen Funktionen

Für Ortungsfunktionen und die lokale Suche steht Google Maps bereit, das ebenfalls über die üblichen Fingergesten bedient wird. Google Maps nutzt wahlweise die Ortung per Mobilfunkzelle, WLAN oder GPS-Sensor. Die verschiedenen Optionen von Google Maps lassen sich über ein Menü aufrufen, das nicht WebOS-konform ist. Darüber kann der Nutzer zwischen Kartenübersicht und Satellitenbilddarstellung wählen. Funktionen wie Street View oder Latitude sind nicht enthalten.

App Catalog: Softwareshop für WebOS

Nach dem Erfolg von Apples App Store für iPhone und iPod touch kann es sich kein Handyhersteller mehr leisten, eine neue Mobiltelefonplattform ohne Softwareshop auf den Markt zu bringen. Bei Palm heißt dieser App Catalog und befindet sich noch im Betatest. Im Unterschied zu Apples Ansatz ist der App Catalog nicht zentralistisch organisiert, denn Entwickler können ihre WebOS-Programme auch über andere Distributionswege anbieten. Entwickler von Open-Source-Applikationen brauchen nichts zu bezahlen, wenn sie ihre Produkte im App Catalog kostenlos verteilen.

Ansonsten müssen Softwareanbieter die mittlerweile üblichen Umsatzbeteiligungen an Palm abführen. Der App Catalog erinnert von Aufbau und Bedienung an Apples App Store. Der Nutzer wird über das Palm-Konto identifiziert und in den USA wird der Softwarekauf per Kreditkarte beglichen. Welchen Bezahlweg es für Deutschland gibt, ist noch nicht bekannt. Der App Catalog bietet lange nicht die Softwareauswahl, die es für das iPhone gibt, schließlich ist die WebOS-Plattform noch nicht so lange verfügbar. Mit den Bedingungen für den App Catalog versucht Palm, Entwickler von PalmOS-Programmen für WebOS zu begeistern, um diese einst starke PalmOS-Entwicklergemeinde wieder zu aktivieren.

Telefonfunktionen mit Pfiff

Bei eingehenden Anrufen erscheint ein Hinweis, der den halben Bildschirm einnimmt. Ein Druck auf die Ein-Aus-Taste schaltet das Klingelsignal oder die Vibration aus, ohne den Anrufer abzulehnen. Ein weiterer Druck auf die Ein-Aus-Taste entspricht dem Drücken der roten Taste und weist den Anrufer ab. Zum Annehmen eines Anrufs wird entweder das grüne Anrufsymbol auf dem Display angetippt oder einfach die Tastatur des Pre aufgeschoben. Während des Telefonats kann die Tastatur dann ohne Gefahr wieder eingeschoben werden, der Anruf wird dadurch nicht beendet. Verpasste Anrufe werden im Benachrichtigungsbereich groß dargestellt, abgelehnte Anrufe erscheinen minimiert als Symbol. Ein Blinken der mittleren Taste bei verpassten Anrufen gibt es auch hier nicht.

Anrufe lassen sich am bequemsten über die universale Suche durchführen, indem der Kontakt im Adressbuch durch Namenseingabe gesucht wird. Ansonsten kann eine Rufnummer in der Telefonapplikation eingetippt werden. Einen Favoritenbereich mit häufig gewählten Rufnummern wie bei den Treo-Modellen gibt es nicht. Immerhin kann eine Rufnummer einer bestimmten Kurzwahltaste, also einer Buchstabentaste, zugeordnet werden. Bei aktivierter Telefonapplikation oder in der Kartenübersicht muss der jeweilige Buchstabe etwas länger gedrückt werden und schon startet die Anwahl.

Sobald das Pre bei einem Telefonat ans Ohr gehalten wird, schaltet sich das Display aus und automatisch wieder ein, wenn es vom Ohr genommen wird. Dadurch wird verhindert, dass mit dem Gesicht unerwünschte Befehle ausgeführt werden. Während eines Telefonats lässt sich die Freisprechfunktion an- oder ausschalten. Die Sprachqualität beim Telefonieren ist sehr gut und arbeitet ohne Echoeffekte oder Verzerrungen.

Konfiguration des Pre

Bei allen Konfigurationsdialogen fällt der Einfluss von Apples iPhone auf: Auch bei WebOS werden Funktionen mit virtuellen Schiebeschaltern umgeschaltet. Standardmäßig sind die meisten Einstellungen auf der dritten Startbildschirmseite untergebracht. Ein zentrales Konfigurationsprogramm, das die Übersichtlichkeit für den Nutzer erhöhen würde, gibt es nicht. Generell fällt auf, dass etwa im Vergleich zu einem PalmOS-Gerät deutlich weniger Einstellmöglichkeiten vorhanden sind. So lassen sich Signaltöne in Applikationen nur ein- oder ausschalten. Die Auswahl eines anderen Tons ist nur beim Telefonklingelton möglich, alle anderen sind vorgegeben.

Die technischen Daten

Im Palm Pre steckt moderne Handytechnik, wie man es von einem aktuellen Mobiltelefon dieser Leistungsklasse erwartet. Das HSDPA-Mobiltelefon unterstützt alle vier GSM-Netze, EDGE sowie GPRS und ist mit WLAN nach 802.11b/g sowie Bluetooth 2.1 mit A2DP-Unterstützung versehen.

Der kapazitive Touchscreen bietet eine Bildschirmdiagonale von 3,1 Zoll und zeigt bei einer Auflösung von 320 x 480 Pixeln bis zu 16 Millionen Farben. Das Display ist zwar nicht matt, aber die Spiegelung macht sich selbst unter direktem Sonnenlicht kaum negativ bemerkbar. Die Informationen auf dem Display lassen sich sehr gut erkennen. Ein Lichtsensor sorgt dafür, dass die Displaybeleuchtung automatisch passend zum Umgebungslicht reguliert wird. Der Touchscreen reagiert sehr zügig und unmittelbar auf Eingaben, so dass sich gut damit arbeiten lässt. Der integrierte Lagesensor reagiert ebenfalls zügig, so dass das Displaybild ohne lange Wartezeit passend ausgerichtet wird.

Auch Palm folgt leider dem Trend vieler Mobiltelefonhersteller, bei Touchscreen-Geräten auf dezidierte Tasten zum Annehmen oder Ablehnen eines Anrufs zu verzichten. Denn eine einzelne Taste lässt sich mit dem Finger erfühlen, im Gegensatz zu einem virtuellen Knopf auf einem Touchscreen. Auch auf einen bei den bisherigen Palm-Smartphones üblichen 5-Wege-Navigator wurde verzichtet. Das ist bedauerlich, denn auch Touchscreen-Geräte gewinnen dadurch an Bedienkomfort. Besonders bei der Arbeit in Texten ist ein 5-Wege-Navigator wesentlich effizienter als es eine Fingerbedienung sein kann.

Neben dem Ein-Aus-Schalter rechts oben befindet sich der von den Treo-Modellen bereits bekannte Klingeltonumschalter. Bequem lässt sich so der Vibrationsmodus des Pre aktivieren. Im Vibrationsmodus schaltet das Pre aber nicht alle Tonsignale aus, wie es bei den Treo-Modellen der Fall ist. Bei der Wiedergabe von Musik oder dem Abspielen von Videos verwendet das Pre im Vibrationsmodus den externen Lautsprecher. Ein längerer Druck auf die Ein-Aus-Taste öffnet ein Menü zum Ein- oder Ausschalten des Flugmodus und zum kompletten Ausschalten des Mobiltelefons.

Das Pre wiegt mit 136 Gramm geringfügig mehr als ein iPhone, ist aber mit den Maßen 59,5 x 100,5 x 16,95 mm ein ganzes Stück kompakter. Das Gerät liegt im geschlossenen Zustand äußerst angenehm in der Hand. Palm gibt an, dass beim Gerätedesign ein Kieselstein Vorbild war, der keine harten Ecken und Kanten hat. So erklärt sich wohl auch die leicht gewölbte Gehäuserückseite des Pre.

Der Micro-USB-Anschluss zum Aufladen des Akkus sowie zum Übertragen von Daten wird von einer Plastiklasche vor Dreck geschützt. Die Lasche lässt sich nur mühsam und auch nur bei aufgeschobener Tastatur öffnen. Wenn der Pre-Akku immer darüber geladen wird, nervt das bald. Eine Modemfunktion unterstützt das Pre derzeit nicht. Vielleicht wird diese Möglichkeit in einer späteren WebOS-Version nachgereicht, konkrete Ankündigungen gibt es dazu nicht.

Im Pre stecken 8 GByte Speicher, von denen rund 7 GByte für den Anwender nutzbar sind. Einen Speicherkartensteckplatz gibt es nicht, so dass sich auch keine Daten über eine Speicherkarte austauschen lassen. Zum Aufspielen von Daten wird das Pre auf Wunsch wie ein USB-Laufwerk eingebunden. Allerdings arbeitet dieser Modus nicht gerade schnell: Für das Kopieren von 4 GByte Musikdaten vergingen 45 Minuten. Glücklicherweise kopiert der Nutzer so viele Daten nicht ständig auf das Gerät, so dass es verschmerzbar ist. Auf eine Speicherkarte lässt sich die gleiche Datenmenge deutlich schneller kopieren.

Wer die Daten mit iTunes synchronisieren will, muss das Pre im Mediensynchronisationsmodus verwenden. Mit iTunes 9 wurde dieser Datenaustausch von Apple aber erst einmal wieder deaktiviert. WebOS 1.2.1 hat den Mediensynchronisationsmodus zwar wieder repariert, ist für Deutschland aber noch nicht erschienen. Apple stört sich daran, dass mit dem Pre ein Nicht-Apple-Gerät Daten mit der iTunes-Software austauscht.

Pre-Tastatur enttäuscht

Das Pre ist das einzige Mobiltelefon auf dem Markt, das eine im Hochformat ausziehbare QWERTZ-Tastatur besitzt. Ansonsten befinden sich diese schmalen QWERTZ-Tastaturen direkt unterhalb des Handydisplays oder es gibt eine im Querformat ausziehbare QWERTZ-Tastatur, die dann auch etwas mehr Platz für die Finger bietet. Wenn das Pre im Querformat benutzt wird, gibt es keine Tastatur, nicht einmal eine Bildschirmtastatur, so dass Eingaben immer im Hochformat vorgenommen werden müssen.

Bedauerlicherweise hat sich Palm beim Pre nicht für die vorzügliche Tastatur von den Treo-Modellen 650 und 680 entschieden. Bei diesen waren die Tasten extra stark nach oben gewölbt. Dadurch konnte der Nutzer darauf auch mit dickeren Fingern sehr gut und schnell tippen. Die Tastatur des Pre besitzt hingegen sehr flache Tasten, so dass dicke Finger eigentlich immer daneben hauen und selbst dünnere Finger nicht immer die richtige Taste treffen. Störend macht sich außerdem bemerkbar, dass sich links und rechts von der Tastatur ein hoher Rand befindet und die obere Tastenreihe sehr dicht an das obere Gehäuseteil heranreicht. Ein so schnelles und fehlerfreies Schreiben wie auf einer Treo-680-Tastatur ist mit der Pre-Tastatur schlicht unmöglich.

Positiv hervorzuheben ist, dass die Tastatur eigene Tasten für Punkt und Komma sowie für das @-Zeichen erhalten hat. Die QWERTZ-Tastatur besitzt neben einer Umschalttaste eine orangefarbene Optionstaste, um Zahlen und Sonderzeichen einzugeben. Wenn die Umschalt- oder Optionstaste aktiviert ist, wird das praktischerweise durch ein kleines Symbol am unteren Ende des Textcursors angezeigt. Eigene Tasten für deutsche Umlaute gibt es nicht, sie müssen über eine spezielle Symboltaste im Zusammenspiel mit den dazugehörigen Buchstaben eingetippt werden. Das System arbeitet ähnlich wie bei den bisherigen Treo-Modellen, wurde aber etwas verändert.

Bei den Treo-Modellen wird für ein ä erst ein a und dann die Symboltaste betätigt und schon ist das ä in einem Pop-up vorausgewählt und durch Betätigung einer beliebigen anderen Taste wird das ä übernommen. Beim Pre muss die Symboltaste nun vorher und nachher einmal betätigt werden, um einen Umlaut oder ein ß einzugeben. Das direkte Weiterschreiben wie beim Treo ist nur möglich, wenn beim Schreiben von Umlauten die Symboltaste gedrückt gehalten wird. Aber das erfordert oft ziemliche Fingerverrenkungen, weil es die Symboltaste nur auf der einen Tastaturhälfte gibt. Insgesamt hat sich die Eingabe von Umlauten beim Pre im Unterschied zum Treo etwas verschlechtert.

Die Tastatur ist beleuchtet, aber die Helligkeitseinstellung ist widersinnig konfiguriert. Wenn das Displaylicht in dunkler Umgebung manuell heruntergeregelt wird, verringert sich auch die Tastaturbeleuchtung. Und zwar so weit, dass mit dem niedrigsten Displaylicht die Tasten selbst bei totaler Dunkelheit kaum mehr zu erkennen sind. Wird die Displayhelligkeit hochgedreht, werden analog dazu auch die Tasten heller beleuchtet. Bei normalem Tageslicht fällt die Beleuchtung nicht weiter auf, so dass hier wertvoller Akkustrom gespart werden könnte, wenn die Tastatur bei heller Displayeinstellung gar nicht beleuchtet werden würde. Denn die Tastatur lässt sich außer im Dunkeln und bei wenig Umgebungslicht auch ohne Beleuchtung immer gut erkennen.

Textmarkierung, Copy-and-Paste und fehlende Undo-Funktion

Für das Markieren von Texten wird bei WebOS zwingend die Tastatur benötigt. Denn beim Textmarkieren muss die Umschalttaste gedrückt gehalten und dann mit dem Finger der gewünschte Bereich gewählt werden. Das hört sich umständlich an und ist es auch. Der Nutzer muss sich daran gewöhnen, dass der Finger nicht direkt oberhalb des Textes sein muss, wenn dieser markiert wird. Das Display verhält sich dann in etwa so wie ein Touchpad. Hier macht das iPhone vor, wie sich Text auf einem Multitouch-Gerät bequemer auswählen lässt: Nachdem der Finger einige Sekunden auf dem iPhone-Display ruht, wird der Markierungsmodus aktiviert und dann wird die Markierung bequem erweitert.

Beim Pre kann der mühsam markierte Text mittels Menü oder aber mit der Tastenkombination "Gestenbereich berühren und C, V oder X" kopiert, ausgeschnitten oder eingefügt werden. Aber Achtung: Wenn dabei ein Fehler passiert und der markierte Textbereich mit einem Buchstaben überschrieben wird, ist der markierte Text unrettbar verloren. Denn WebOS kennt keine Undo-Funktion, um Bedienfehler rückgängig zu machen. Hier zeigt sich der Nachteil des Prinzips, alle Daten immer sofort zu speichern.

Bei gedrückter Optionstaste lässt sich der Textcursor des Pre bewegen und positionieren. Das ist notwendig, weil der Finger für eine Cursorpositionierung viel zu groß ist. Auch die Cursorbewegung mit der Optionstaste ist ähnlich mühsam und umständlich wie die Textmarkierung.

WebOS besitzt zudem eine nicht abschaltbare Automatik zur Korrektur von Tippfehlern. Falls die vorgeschlagene Ersetzung nicht passt, kann sie durch einen Druck auf die Backspace-Taste rückgängig gemacht werden. Ferner schreibt WebOS alle Buchstaben nach einem Satzzeichen automatisch groß. Auch das lässt sich nicht abschalten, aber durch Druck auf die Backspace-Taste korrigieren. Die Backspace-Taste muss dabei direkt nach der automatischen Großschreibung betätigt werden, dann wird der Buchstabe kleingeschrieben.

Kamera mit Spiegel für Selbstporträts, aber ohne Videoaufnahme

Im Pre hat Palm eine 3-Megapixel-Kamera integriert, der ein LED-Blitzlicht zur Seite steht und die Fotos per GPS-Empfänger mit Geotags versehen kann. Wenn die Tastatur ausgefahren ist, gibt es außerdem auf der Rückseite oberhalb der Kameralinse eine Spiegelfläche für Selbstporträts. Die Kamera besitzt keine Abdeckung, um die Linse vor Verschmutzung oder Beschädigungen zu schützen. Außerdem ist die Position der Linse etwas unglücklich gewählt, allzu leicht landet der Finger beim Fotografieren direkt vor der Linse. Der Blitz lässt sich ein- und ausschalten, sonst bietet die Kamera keine Optionen.

Außer über das Bildschirmsymbol kann der Auslöser auch über die Leertaste aktiviert werden. Letzteres erlaubt schnellere Aufnahmen, denn die Kamera löst zügig aus. Die Bildqualität ist für eine Kamera in einem Mobiltelefon akzeptabel. Eine separate Kamerataste bietet das Pre nicht und die Kamera kann keine Videos aufnehmen. Da Palm das Pre vor allem als internetaffines Mobiltelefon bewirbt, ist das unverständlich. Denn auch das Hochladen von Videos gehört heutzutage zum Alltag. Möglicherweise wird die Videoaufnahmefunktion mit einem WebOS-Upgrade nachgereicht.

Akkulaufzeit nicht überragend

Der Akku im Pre ist für die Anforderungen des Geräts etwas unterdimensioniert. Bei intensiver Nutzung kann der Akku schon nach einem halben Tag leergesaugt sein. Eine Stunde Musikwiedergabe bei aktivierter UMTS-Verbindung frisst rund 12 Prozent Akkuleistung. Wenn die Musik über Stereo-Bluetooth gehört wird, geht der Akkuwert um rund 13 Prozent zurück - also nur unwesentlich mehr als ohne Bluetooth-Stereo. Das Surfen per WLAN zehrt an den Akkukräften. Allerdings gibt es keinen Grund, WLAN dauerhaft zu deaktivieren: Denn solange WLAN nicht aktiv verwendet wird - ohne WLAN-Verbindung wird automatisch UMTS genutzt -, verringert sich die Akkulaufzeit nur unwesentlich. Hier setzt Palm intelligente Stromspartechnik ein.

Immerhin kann der Akku ausgewechselt werden und mit Ersatzakku im Gepäck hält das Pre auch bei intensiver Nutzung einen Tag gut durch. Wer mit dem Pre nicht viel surft oder Musik hört, braucht sich ohnehin keine Sorgen zu machen, dass der Akku den Tag nicht durchsteht. Zur Verlängerung der Akkulaufzeit ist zu empfehlen, Bluetooth und GPS abzuschalten, wenn es nicht gebraucht wird. Auch eine Verlängerung des Abfrageintervalls von E-Mails verhilft zu einer längeren Akkulaufzeit.

Eine Lade-LED gibt es am Pre nicht, so dass der Nutzer nicht auf Anhieb erkennt, ob der Ladevorgang abgeschlossen ist. Vielleicht erscheint einmal eine WebOS-Version, in der die mittlere Taste leuchtet, um das Fertigladen des Akkus anzuzeigen?

Lieferumfang

Palm liefert das Pre mit einem Netzteil, einem USB-Kabel, einem Stereo-Headset und einer Schutztasche aus. Das USB-Kabel besitzt einen praktischen Clipverschluss, um es zusammenzubinden. Außerdem liegt eine Kurzanleitung bei, weitere Dokumentation wird nicht mitgeliefert. Bei weiterführenden Fragen muss die Onlinehilfe auf dem Pre bemüht werden, die zum Testzeitpunkt noch nicht zur Verfügung stand. Daher konnte sie nicht bewertet werden.

Touchstone nur gegen Aufpreis

Bereits bei der Pre-Vorstellung wurde die induktive Ladestation Touchstone gezeigt. Die Akkuladetechnik ist für Mobiltelefone zwar nichts Neues, aber Palm hat diese Technik als erster Handyhersteller direkt in seine Produkte integriert. Die Touchstone-Ladestation gehört bedauerlicherweise nicht zum Lieferumfang, wird aber wohl für die meisten Pre-Käufer zum Pflichtkauf werden. Denn das Aufladen über den USB-Anschluss und das Abfummeln des Buchsenschutzes nervt auf Dauer sehr.

Dafür bietet das Aufladen des Pre-Akkus per Touchstone Komfort pur. Das Mobiltelefon muss einfach auf die Ladestation gelegt werden und schon wird der Akku induktiv geladen. Die Induktionstechnik lädt den Akku dabei fast so schnell wie wenn das USB-Kabel direkt mit dem Pre verbunden ist. Damit das Pre mit der Ladestation verwendet werden kann, ist noch weiteres Zubehör erforderlich, ein anderes Rückcover.

Das mit dem Pre gelieferte Rückcover bietet keine Technik, um den Ladestrom zum Akku zu leiten und auch das integrierte Eisenplättchen fehlt. Im Touchstone-tauglichen Rückcover befindet sich neben dem Anschluss zum Laden des Akkus besagtes Eisenplättchen. Dadurch kann das Pre einfach auf die Ladestation gelegt werden und der im Touchstone enthaltene Magnet hält das Mobiltelefon fest. Mit dem Touchstone-Rückcover fühlt sich das Pre auch viel besser in der Hand an, weil das Cover im Unterschied zum Standard-Cover eine rutschfeste Oberfläche besitzt.

Touchstone und das passende Rückcover werden nur separat angeboten. Das hat den Vorteil, dass Kunden sich mehrere Touchstone-Ladestationen etwa für das Büro und zu Hause kaufen können, ohne zwei Rückcover bezahlen zu müssen. Allerdings wird der Touchstone auch ohne Netzteil und USB-Kabel verkauft, so dass beim Einsatz eines zweiten Touchstone ein zweites USB-Kabel samt Netzteil gekauft werden muss. Ein USB-Kabel allein genügt nicht, denn am USB-Anschluss funktioniert die Touchstone-Ladestation nicht.

Neben der komfortablen Akkuaufladung bietet die Touchstone-Ladestation einige intelligente Funktionen. Liegt nämlich das Pre auf der Ladestation, während ein Anruf eingeht, genügt es, das Pre vom Touchstone zu nehmen, um den Anruf entgegenzunehmen. Es verhält sich also ähnlich wie ein schnurloses Telefon, das auf Ladeschale oder Basisstation ruht. Wird das Pre während eines Telefonats auf die Ladestation gelegt, aktiviert das automatisch die Freisprechfunktion.

Die Ladestation Touchstone kostet 50 Euro und ein passendes Rückcover gibt es für 20 Euro. So fallen also mindestens 70 Euro zusätzlich an, wenn der Nutzer das Pre mit der bequemen Akkuladetechnik verwenden will. Preise für zusätzliche Netzteile und USB-Kabel liegen noch nicht vor.

Preis und Verfügbarkeit

Ab 13. Oktober 2009 wird es das Palm Pre exklusiv bei O2 geben. Das Gerät besitzt weder ein O2-Logo noch ist es mit einem SIM-Lock versehen und kann daher mit SIM-Karten beliebiger Netzbetreiber verwendet werden. Einmalig kostet das Mobiltelefon ohne Vertrag 481 Euro, aber über O2 My Handy kann das Pre auch mit zwei Jahren zinsloser Ratenzahlung erworben werden. Dann fällt beim Kauf einmalig 1 Euro an und monatlich müssen dann zwei Jahre lang 20 Euro gezahlt werden.

O2 bietet das Pre ansonsten im Paket mit zwei verschiedenen Tarifen mit jeweils zwei Jahren Vertragslaufzeit an. Mit der O2 Mobile Flat kostet das Mobiltelefon noch 90 Euro. Die monatlichen Kosten belaufen sich auf derzeit 29,75 Euro. 50 Euro müssen bezahlt werden, wenn das Pre mit dem Tarif O2 Inklusivpaket erworben wird. Dieser kostet dann 21,25 Euro im Monat. Bei beiden Tarifen ist kein Datentarif dabei.

Fazit

Das Palm Pre ist ein echter Handschmeichler. Es bietet ein vorzügliches Display und die Tastatur lässt sich bequem einhändig aufschieben. Hätte das Smartphone einen Speicherkartensteckplatz und wäre da nicht die unbefriedigende Tastatur mit den viel zu flachen Tasten, gäbe es an der Hardware nichts auszusetzen. Beim Tippkomfort bleibt das Pre weit hinter Palms Treo-Modellen 650 und 680 zurück. Trotz aller Schwächen der Pre-Tastatur bleibt festzustellen, dass sie allemal besser ist als eine Bildschirmtastatur.

Das intelligente Konzept von WebOS überzeugt und stellt das erste Multitasking-Betriebssystem für Mobiltelefone dar, bei dem der Nutzer nicht den Überblick über die laufenden Programme verliert. Der Kartenwechsel ist intuitiv und arbeitet sehr schnell und flüssig. Im Test überzeugte WebOS durch hohe Stabilität und Zuverlässigkeit. Allerdings benötigt das Betriebssystem erhebliche Geschwindigkeitsoptimierungen, denn das Öffnen neuer Karten ist viel zu träge. Besonders wenn der Musikplayer läuft, wird das System zu stark ausgebremst, die gleichzeitige Nutzung anderer Programme bereitet dann keine Freude.

Einen enormen Produktivitätsschub bringt Synergy, das Daten aus verschiedenen Netzen nahtlos in die entsprechenden Pre-Applikationen einfügt. Eine vergleichbare Intelligenz hat kein anderer Hersteller am Markt zu bieten. Ein gewaltiger Nachteil ist allerdings, dass sich die Daten des Palm-Profils ausschließlich auf einem WebOS-Gerät bearbeiten lassen, eine Eingabe etwa am PC ist ohne Drittanbieter-Software nicht möglich. Die dezent eingeblendeten Benachrichtigungen von WebOS überzeugen wieder und machen die gesamte Gerätebedienung sehr angenehm.

Insgesamt hinterlässt das Palm Pre allerdings einen ähnlichen Eindruck wie Apples iPhone der ersten Generation. Viele wesentliche Funktionen fehlen noch. Apple hat das beim iPhone mittlerweile zum Großteil ausgebügelt, und es besteht die Hoffnung, dass Palm das ebenfalls tut. Der Pre-Hersteller hat angekündigt, einmal im Monat ein Update für WebOS zu veröffentlichen, so dass neue Funktionen Schritt für Schritt integriert werden können. Es bleibt aber der fade Beigeschmack, dass WebOS an manchen Stellen unfertig wirkt, vor allem bei Copy-and-Paste und bei der universalen Suche.

Unterm Strich kann Palm aber mit dem Pre überzeugen. Es ist die erste wirkliche Konkurrenz für das iPhone. Bei der Bedienung und einfachen Einrichtung nehmen sich die beiden Plattformen nichts. Das Pre übertrifft das iPhone durch gelungenes Multitasking, die pfiffige Benachrichtigungsfunktion und die Synergy-Funktion.  (ip)


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