Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0910/70281.html    Veröffentlicht: 06.10.2009 13:59    Kurz-URL: https://glm.io/70281

Spieletest: Operation Flashpoint 2 - Kampf dem Drachen

Codemasters setzt den Klassiker von 2001 auf eigene Faust fort

Einsame Helden haben keine Chance in Operation Flashpoint 2: Dragon Rising. Denn in der Schlacht um die Insel Skira tritt immerhin die chinesische Volksbefreiungsarmee als Gegner an. In dem Taktikshooter sind Spieler nicht nur zu Fuß, sondern auch per Jeep und im Helikopter unterwegs.

Operation Flashpoint 2 (PS3, Xbox 360, PC)
Operation Flashpoint 2 (PS3, Xbox 360, PC)
Es könnte so schön sein auf Skira: Das idyllische - und imaginäre - Inselchen im Pazifik verfügt über sanft geschwungene Hügel, beschauliche Wälder und ein paar malerische Siedlungen. Leider ist das Eiland auch Schauplatz heftiger Kämpfe, denn in Operation Flashpoint 2: Dragon Rising kommt es erst zu einer Besetzung durch die chinesische Volksbefreiungsarmee und dann zum Gegenschlag durch US-Streitkräfte, in denen auch der Spieler eine Rolle spielt.

Die Kampagne in Dragon Rising wirkt längst nicht so episch wie die im ersten Operation Flashpoint, sondern versetzt den Spieler als Hauptfigur an die Spitze eines vierköpfigen Trupps. Er muss in der Ich-Perspektive meist hinter feindlichen Linien agieren und Radarstationen ausschalten, Panzer in die Luft jagen oder einen Flughafen stürmen. Dabei hätte der Spieler viele Möglichkeiten, sich einen sicheren Weg durch die gegnerischen Stellungen zu suchen, wenn nicht relativ oft Zeitdruck auf ihm lasten würde. Denn wenn eine Stellung von chinesischen Bodenluftraketen nicht rechtzeitig beiseite geräumt ist, müssen die eigenen Helikopter dran glauben.

Der niedrigste Schwierigkeitsgrad ist "Normal", der höchste "Hardcore" - allerdings passiert in beiden Modi das Gleiche, und auch die Gegner sind nicht stärker. Aber nur in der einfachsten Stufe legt das Spiel an vordefinierten Stellen ein Savegame an und blendet im Menü etwa die Position von feindlichen Einheiten an; auch PC-Spieler dürfen nicht manuell speichern. Der Schwierigkeitsgrad ist hoch, was ein Gefühl von Realismus vermitteln soll. Trotzdem bleibt das Ganze lösbar, denn im richtigen Sichtmodus lassen sich Gegner auch über riesige Entfernungen anvisieren und ohne allzu große Probleme ausschalten.

Die Vertreter der Volksbefreiungsarmee haben ähnliche Möglichkeiten: In Operation Flashpoint 2 kann auch ein zufälliger Treffer den Spieler verletzen und sogar töten. Uns ist das sogar Sekundenbruchteile nach einer offiziell erledigten Mission und dem freigeschalteten Achievement passiert, worauf wir neu laden mussten. Wer nur kleine Verwundungen davonträgt, hat eine kurze Zeitspanne, um sich mit Verbandmaterial zu heilen, sonst verblutet er auf dem Schlachtfeld. Praktisch: Das Team ist nach einem Neustart am letzten Kontrollpunkt grundsätzlich komplett regeneriert.

Befehle für seine Gefolgsmänner erteilt der Spieler über ein einblendbares Ringmenü. Das erlaubt in etwas verschachtelten Unterkategorien eine Reihe von Kommandos wie "Mir folgen", "Feind angreifen" oder "Stellung halten". Ärgerlich und keine realistische Abbildung von echten Kampfhandlungen: Während der Spieler sich durch das Menü manövriert, läuft das Geschehen in Echtzeit weiter - ein Soldat auf dem Schlachtfeld muss nur kurz einen Befehl rufen. Ein ähnliches Ringmenü erlaubt es in manchen Missionen, Luftunterstützung oder Artilleriefeuer anzufordern, das dann mit einem gezielten oder breit gestreuten Wirkungstreffer die Infanterie oder Strukturen ausschaltet. Außerdem von Bedeutung ist eine Übersichtskarte, auf der Spieler ihren Kameraden Befehle erteilen können.

Die meiste Zeit sucht sich der Spieler zu Fuß seinen Weg über Skira, ab und zu darf er aber auch in Jeeps oder einmal im Hubschrauber zum Feind vorrücken. Die Steuerung dieser Vehikel ist ähnlich unkompliziert wie im ersten Operation Flashpoint, das Angebot allerdings längst nicht so groß.

In der Rubrik Multiplayermodus bietet Operation Flashpoint 2 vor allem ein Highlight: Die Kampagne können vier Spieler gemeinsam als Koop-Trupp absolvieren. Das bringt deutlich mehr Spaß als mit computergesteuerten Pappkameraden. Davon abgesehen, gibt es zwei weitere Modi, in denen am PC bis zu 32 und auf Konsole bis zu acht Spieler antreten: "Vernichtung" ist klassisches Deathmatch, und in "Infiltration" muss eine Partei ein Gebiet vor der Gegengruppe beschützen.

Operation Flashpoint 2 ist für Windows-PC, Xbox 360 und Playstation 3 ab dem 8. Oktober 2009 erhältlich; je nach Plattform liegt der Preis zwischen 45 und 65 Euro. Der PC-Fassung liegt ein Editor bei. Abgesehen davon wirkt sie etwas lieblos von den Konsolenversionen umgesetzt: Die Steuerung am PC ist unübersichtlicher und weniger kompakt, Hilfstexte am Beginn der Kampagne zeigen nur auf Xbox 360 und PS 3 die benötigten Tasten an. Zumindest in der Version, die Golem.de vorlag, ließ sich außerdem keine höhere Auflösung als 1.280 x 1.024 einstellen, obwohl der Rechner mehr geschafft hätte. Über weitere technische Probleme, Bugs oder Abstürze mussten wir uns nicht ärgern.

Die Mindestanforderungen liegen bei Windows XP oder Vista, einem Core-2-Hauptprozessor mit 2,4 GHz, mindestens 1 GByte an RAM sowie einer Grafikkarte der Klasse Nvidia 7600 GT oder ATI X1800XL - jeweils mit 256 MByte RAM und Unterstützung für DirectX 9.0c. Die PC-Version benötigt 8 GByte Festplattenspeicherplatz, die Playstation-3-Fassung installiert rund 800 MByte. PC-Spieler müssen das Programm im Rahmen einer Onlineaktivierung mit einem Code freischalten, dann läuft es auch ohne DVD im Laufwerk. Die USK hat das Programm ab 16 Jahren freigegeben.

Fazit

So gekonnt hat sich schon lange kein Spiel mehr zwischen die Stühle gesetzt: Operation Flashpoint 2 ist für Simulationsfans zu actionlastig, während die Freunde unkomplizierter Schießereien schon nach den ersten Verletzungen genervt die Maus in die Ecke pfeffern dürften. Wer sich auf das Programm einlässt, erlebt aber spannende und in einigen wenigen Momenten tatsächlich spektakuläre Gefechte. Schade allerdings, dass fast nie eine ähnlich lebendige und glaubwürdige Atmosphäre herrscht wie im ersten Teil der Reihe.

Auf Dauer störend sind neben den stets tristen Farben vor allem die Befehlsmenüs, die viel zu verschachtelt sind. Auch die KI der Kameraden könnte etwas stabiler arbeiten - meist verrichten sie ihren Dienst zwar richtig gut, aber ohne Aussetzer kommt keiner bis ins Finale. Seine wahre Größe offenbart Dragon Rising mit vier menschlichen Mitstreitern im Koop-Modus. Wer derartige Kampfeinsätze mag, kommt um Operation Flashpoint 2 fast nicht herum.  (ps)


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