Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0909/70164.html    Veröffentlicht: 30.09.2009 13:06    Kurz-URL: https://glm.io/70164

Europarat will Provider in die Pflicht nehmen

Provider sollen für illegale Inhalte verantwortlich gemacht werden

Im Internet können sich Jugendliche über traditionelle Grenzen hinweg informieren - auch über Themen, die nicht für sie geeignet sind. Da Eltern sie nicht ständig beaufsichtigen können, will der Europarat Provider dazu verpflichten, jugendgefährdende Inhalte von ihren Servern zu löschen.

Die Parlamentarische Versammlung des Europarats setzt sich in einer Resolution für ein Internet ein, in dem sich Minderjährige sicher informieren und kommunizieren können. Gleichzeitig will der Rat die Minderjährigen vor Gefahren schützen. Dazu gehört unter anderem, dass Provider mehr als bisher für Inhalte, die auf ihren Servern veröffentlicht werden, zur Verantwortung gezogen werden sollen.

Über den Tellerrand schauen

Das Internet biete nie dagewesene Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung und Kommunikation, heißt es in der Resolution. Gerade Kinder und Jugendliche nutzten diese Möglichkeiten, "um ihren sozialen und kulturellen Horizont über die traditionellen geografischen Grenzen hinaus zu erweitern." Dabei seien die Minderjährigen jedoch Gefahren ausgesetzt.

So sprächen Unternehmen immer aggressiver Minderjährige an. Hier schlägt der Europarat vor, Regeln zu schaffen, an die sich Unternehmen in Europa oder im besten Falle sogar weltweit halten sollten.

Jugendgefährdende Inhalte

Große Sorgen bereiten den Ratsmitgliedern Inhalte, die "einen negativen Einfluss auf Kinder und Heranwachsende haben" können. Dazu gehören beispielsweise Darstellungen von Gewalt und Pornografie, aber auch Geschlechterstereotypen, Alkohol- und Tabakwerbung oder Glücksspiel. Hier seien Eltern und Lehrer gefragt, den Jugendlichen den Zugang zu solchen Inhalten zu verwehren.

Um Jugendliche zu schützen, wenn sie unbeaufsichtigt im Internet unterwegs sind, will der Rat die Provider dazu verpflichten, auf jugendgefährdende Inhalte auf ihren Servern zu achten. Er fordert "Initiativen, die eine größere Verantwortung von Internet Service Providern für illegale Inhalte sicherstellen". Das gelte auch für Inhalte, die "von Drittanbietern oder Nutzern stammen". Festgelegt werden könne das in einem Zusatzprotokoll zur Cybercrime-Convention des Europarates.

Dem 1949 gegründeten Europarat gehören 47 Staaten an, darunter auch einige nichteuropäische.  (wp)


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