Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0909/70028.html    Veröffentlicht: 23.09.2009 21:20    Kurz-URL: https://glm.io/70028

Neues User-Interface für Firefox

Konkrete Pläne für Firefox 3.7 und 4.0

Das bei Mozilla für die User-Interface-Entwicklung zuständige UX-Team hat nach einigen Diskussionen einen Plan für ein neues User-Interface für Firefox vorgestellt. Der Browser soll transparenter und farblich neutraler werden, die Zahl der Bedienelemente wird reduziert, um mehr Platz für die eigentlichen Inhalte zu schaffen.

Der von Mozillas UX-Team veröffentlichte Plan zur Überarbeitung des User-Interface von Firefox ist recht konkret, aber nicht endgültig verabschiedet. Die Veröffentlichung dient auch dazu, Feedback der Community zu den Plänen einzuholen. Erste Schritte sollen bereits mit Firefox 3.7 umgesetzt werden, weitergehende Änderungen erst in Firefox 4.0 einfließen.

Im Zentrum der Arbeiten steht das User-Interface von Firefox unter Windows Vista und Windows 7. Hier hinke Firefox der Entwicklung hinterher und solle stärker an die Veränderungen von Microsofts Betriebssystem angepasst werden, heißt es in einem Wiki-Eintrag. Erst im zweiten Schritt sollen die neuen Ideen auch in Firefox für MacOS X und Linux einfließen.

Neutrale Farben und mehr Transparenz

So soll Firefox künftig stärker auf Microsofts Aero Glass setzen, Werkzeugleiste und Tabs durchsichtig werden, Knöpfe sollen sich halbtransparent abheben. Farblich soll Firefox auf neutrale Töne setzen und sich mit einem neutralen Farbschema besser in die unterschiedlichen Plattformen einpassen.

Die Menüleiste verschwindet

Die Menüleiste soll künftig verschwinden, zumindest unter Windows Vista und Windows 7. Damit soll Firefox dem Trend folgen, den Microsoft mit seinen Applikationen eingeschlagen hat und dem auch andere unter Windows 7 folgen. Dies spart vor allem Platz. Auf Wunsch kann die Menüleiste mit "Alt" aber wieder aktiviert werden.

Stattdessen sollen zwei neue Schaltflächen "Page" und "Tools" eingeführt und die bestehende Menüstruktur ausgedünnt werden. Dabei orientiert sich Mozilla an Safari und Chrome.

Da mit der Menüzeile auch das Bookmark-Menü verschwindet, soll es durch ein neues Widget ersetzt werden, das an die Stelle der Bookmark-Toolbar rückt und die Funktionen der beiden übernimmt.

Unter Windows XP sowie MacOS X und Linux soll die Menüzeile erhalten bleiben.

Kombinierter Stop- und Reload-Button

Die Knöpfe Stop und Reload werden vereint, je nach aktuellem Ladezustand ergibt sich eine andere Funktion, symbolisiert durch ein entsprechendes Piktogramm.

Heimattab

Zudem soll ein neuer Home-Button zusammen mit einem Hometab eingeführt werden, das die Heimatseite des Nutzers beinhaltet. Dieses Heimattab soll zunächst recht einfach gehalten werden und einen festen Platz in der Tab-Leiste bekommen. Jeder Klick auf eine URL im Heimattab soll in einem neuen Tab geöffnet werden.

Fortschrittslinien statt Balken

Der Fortschrittsbalken soll durch Fortschrittslinien ersetzt werden. Sie sollen unter der Location-Bar des aktuell geöffneten Tabs sowie oberhalb jedes anderen Tabs angeordnet werden und den Ladestatus zeigen, auch von Tabs, die nicht im Vordergrund sind.

Zudem ist ein neues UI für Benachrichtigungen geplant. Firefox 3.7 soll hier einen Zwischenschritt gehen und alle Nachrichten auf Browserebene in eine neue Notification Bar verfrachten. Benachrichtigungen auf Seitenebene sollen in den Page-Button integriert werde.

Firefox 4.0 geht noch einen Schritt weiter

Die für Firefox 3.7 geplanten Änderungen am User-Interface sind aber nur ein erster Schritt, der nächste folgt den aktuellen Plänen nach mit Firefox 4.0. Dann soll Firefox noch stärker an Windows angepasst werden, aber es sind auch einige größere UI-Änderungen geplant.

So ist vorgesehen, die Location-Bar mit der Search-Bar zu vereinen, ähnlich wie es Chrome mit seiner Omnibox tut. Zudem sollen die Funktionen Stop, Neu-Laden und Go in einem Knopf vereint werden.

Tab-on-Top

Darüber hinaus ist für Firefox 4.0 die Einführung einer Tab-on-Top-Option geplant, um eine korrekte UI-Hierarchie zu schaffen, in der die Bedienelemente tabspezifisch sind. Die Redundanz zwischen Titel im Browserkopf und dem Tab wird aufgehoben und etwas Platz eingespart, denn die Tabs rutschen nach oben, jedes bekommt eine eigene URL-Zeile.

Die Option, Tabs wie gehabt darzustellen, soll erhalten bleiben. Denkbar sei auch, Tabs künftig mit einem Thumbnail der jeweiligen Seite zu versehen oder eine Listenansicht einzuführen.

App-Tabs ohne Chrome

Für Webapplikationen sollen spezielle App-Tabs eingeführt werden. Diese verzichten auf Bedienelmente wie "vor" und "zurück", da diese in Applikationen wie Google Mail eigentlich nicht benötigt werden. Im Gegenzug erhalten die Applikationen mehr Platz auf dem Bildschirm.

Heimattab soll zum Dashboard ausgebaut werden

Das für Firefox 3.7 geplante Heimattab soll mit der Version 4.0 zu einem Dashboard ausgebaut werden, mit den wichtigsten Bookmarks, Statistiken, History, zuletzt geschlossenen Tabs und angepassten Designs an Feiertagen. Die Bookmarkzeile soll verschwinden, sofern ein Nutzer sie nicht benutzt hat. Auf diesem Weg soll nochmals Platz geschaffen und Unordnung beseitigt werden. Auf Wunsch soll sich die Zeile aber wieder hinzuschalten lassen.

Und noch etwas soll verschwinden: die Statuszeile. Der hier derzeit beheimatete Fortschrittsbalken soll bereits mit Firefox 3.7 verschwinden, die Anzeige der vollen URL eines Links würde nicht von vielen Nutzern verwendet und die Anzeige könnte in die Location-Bar wandern.

Informationen von Erweiterungen, die jetzt in der Statuszeile zu finden sind, sollen in einen Extensions-Point wandern.

Neues Benachrichtigungssystem

Für Firefox 4.0 ist zudem ein Redesign des Benachrichtigungssystems geplant, das die Notification-Bars ersetzen und Benachrichtigungen persistent in die Knöpfe Page und Tools integrieren soll. Zudem soll es Benachrichtigungspanels und Aktivitäts-Indikator-Panels geben.

Neu eingeführt werden Nutzerprofile, die beispielsweise unterschiedliche Bookmarks, einen individuellen Verlauf und unterschiedliche Einstellungen umfassen können.

Die Mozilla-Entwickler räumen ausdrücklich ein, dass sie Ideen anderer Browser aufgreifen, betonen aber, dass es nicht darum gehe, Firefox so wie andere Browser aussehen zu lassen. Es sei aber kein Grund, eine gute Idee zu verwerfen, nur weil sie von woanders komme. Dass sich die Programme ähneln, liege ohnehin in der Natur der Sache, schließlich gehe es bei allen Browsern um die gleichen Grundfunktionen.

Bei all diesen Plänen handelt es sich noch um einen Vorschlag, wenn auch einen zum Teil sehr konkreten. Vor allem die Pläne für Firefox 4 könnten sich noch deutlich verändern, schließlich soll der Browser erst Ende 2010 erscheinen. Zuvor kommt voraussichtlich im November 2009 Firefox 3.6 und zwischen Februar und April 2010 Firefox 3.7.  (ji)


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