Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0909/69933.html    Veröffentlicht: 18.09.2009 14:05    Kurz-URL: https://glm.io/69933

Spieletest: Need For Speed Shift - jetzt wird's ernst

EA setzt in seiner wichtigsten Rennspielreihe auf mehr Realismus

Nach Verfolgungsjagden mit der Polizei, Rasereien durch Innenstädte oder nächtlichen Tuning-Wettkämpfen besinnt sich EA auf klassische Racing-Tugenden. Need for Speed Shift bietet Rennen auf abgesteckten Kursen - und eine Erhöhung des Schwierigkeitsgrades. So oft wie in Shift haben NfS-Piloten das Kiesbett lange nicht mehr besucht.

NfS Shift (Xbox 360, PS3, PC
NfS Shift (Xbox 360, PS3, PC
Kaum ist Shift gestartet, sitzt der Spieler schon im Cockpit eines leitungsstarken BMW: Der "Testwagen" dient Übungszwecken und wird nach der ersten Runde wieder abgegeben. In der Einführung von Need for Speed: Shift können sich Fahrer mit der Steuerung vertraut machen - parallel legt das Programm fest, welche Fahrhilfen und Einstellungen optimal für ihn sind. Unterstützung gibt es in großem Umfang: Ideallinie mit Geschwindigkeitsmarkierungen, Traktionskontrolle, Bremshilfe - auch Einsteiger sollen sich schließlich nicht überfordert fühlen. Die Vorschläge des Spiels müssen dabei natürlich nicht angenommen werden. Wer will, kann auch alle Systeme Schritt für Schritt deaktivieren.

Kernstück von Shift ist der Karrieremodus. Fahrer fangen mit kleinem Startkapital und einem eher schwachen Wagen wie dem Ford Focus ST an. Im Laufe der Karriere verdient man immer mehr Punkte, Sterne und natürlich auch Preisgelder, mit denen sich der Fuhrpark aufbessern und Schritt für Schritt neue Wettbewerbe freischalten lassen. Das große Ziel ist die NfS-World-Tour - der Weg dorthin ist allerdings härter, als es in den letzten, eher arcadelastigen Jahren der Fall war, obwohl Spieler die Punkte und Sterne erfreulicherweise in allen Modi, also auch im Multiplayer oder bei einem schnellen Rennen, verdienen können.

Die Rennen finden auf abgesteckten Kursen auf der ganzen Welt statt, wobei die Entwickler zahlreiche berühmte Pisten wie den Nürburgring ins Spiel integriert haben, aber auch Stadtkurse in Städten wie London oder Tokio sind mit von der Partie. Trotz der realistischeren Ausrichtung ist die Modivielfalt groß: Neben den klassischen Rundkurs- und Platzierungsrennen gibt es etwa Ausscheidungsrunden, bei denen jeweils der Letzte einer Runde rausfliegt, Driftaufgaben, Herausforderungen gegen die Uhr sowie Herstellerwettbewerbe, in denen der Spieler mit einem vorgegebenen Fahrzeug die beste Platzierung herausholen muss.

In allen Wettbewerben winken Belohnungen - so gibt es für Plätze auf dem Siegertreppchen Sterne. Aber auch mit der eigenen Fahrweise lässt sich, ähnlich wie bei Project Gotham Racing, das Punktekonto aufbessern: Zurückhaltende Fahrer profitieren von fehlerfreien Abschnitten und perfekt gefahrenen Runden, Raser hingegen punkten mit gut platzierten Rammvorgängen und wilden Überholmanövern. Bei Letzteren schimmert der Arcade-Faktor dann doch wieder deutlich durch: Abdrängen, Rempeln und Auffahren gelten nur als Kavaliersdelikte.

Vom toleranten Unfall- und Schadensmodell abgesehen verlangt einem die Steuerung einiges ab - insbesondere wer die Fahrhilfen deaktiviert, hat in engen Kurven und beim Bremsen zunächst große Probleme. Je nach Modell sind die Unterschiede beim Fahren deutlich spürbar - ein BMW 135i fährt sich komplett anders als ein Bugatti Veyron, ein Porsche ist eine ganz andere Welt als ein Nissan oder ein Lamborghini. Klingt selbstverständlich, wird aber von viel zu wenig Spielen so konsequent umgesetzt wie hier. Die abwechslungsreichen Herstellerwettbewerbe bringen zusätzliche Abwechslung, und in den Optionsmenüs darf im begrenzten Umfang noch Hand an die Fahrzeuge gelegt werden. Neue Spoiler, Cockpitupgrades, schöne Lackierungen: Shift ist kein Need for Speed Underground, aber wer gerne viel Zeit mit der Verschönerung seines Fuhrparks verbringt, kommt ebenfalls auf seine Kosten.

Auch die Präsentation ist rundum gelungen: Detaillierte Wagen mit umfangreichem Schadensmodell, wunderschöne Kurse, gutes Geschwindigkeitsgefühl, mehrere Perspektiven inklusive rasanter Cockpit-Sicht: EA nutzt die vorhandene Hardware vor allem auf Playstation 3 und Xbox 360 nahezu optimal. Einziger Wermutstropfen: Die Karriere wird etwas trocken präsentiert - gab es in den Tuningteilen noch pathetisch übertriebene, aber durchaus filmreif inszenierte Zwischensequenzen zu sehen, wartet Shift kaum mit Story-Elementen zwischen den Rennen auf.

Für zusätzlichen Spaß sorgt der gelungene Mehrspielermodus - auch hier lassen sich Sterne verdienen, zudem finden sich anhand von Rankings und Punkten schnell geeignete Kontrahenten für Wettbewerbe.

Need For Speed Shift hat eine USK-Einstufung ab sechs Jahren erhalten. Die Versionen für Playstation 3 und Xbox 360 kosten rund 60 Euro. Die Fassung für Windows-PCs schlägt mit rund 50 Euro zu Buche, Spieler benötigen als Hauptprozessor mindestens einen Intel Core 2 mit 1,66 GHz oder einen AMD X2 3800+. An Speicher müssen unter XP genau 1 und unter Vista 1,5 GByte an RAM zur Verfügung stehen, und die Grafikkarte muss 256 MByte RAM haben und Pixel Shader 3.0 beherrschen. Auf der Festplatte belegt das Programm rund 6 GByte.

Fazit

Alles anders, fast alles besser! Mit Need for Speed Shift stellt EA die Ausrichtung seiner wichtigsten Rennspielreihe komplett um - und landet einen Volltreffer. Der motivierende Karrieremodus, die unzähligen Kurse und Fahrzeuge, die beeindruckende Optik: Wie im ähnlich gelungenen und fast zeitgleich erschienenen Dirt 2 fällt es schwer, an Shift überhaupt einen Kritikpunkt zu finden. Der gestiegene Realismusgrad stellt zudem auch endlich wieder erfahrene Rennpiloten vor eine Herausforderung, lässt dank zahlreicher zuschaltbarer Hilfen aber auch Einsteiger nicht verzweifeln - und macht Shift so zur lohnenswerten Anschaffung für jeden Rennsportbegeisterten.  (tw)


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