Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0909/69881.html    Veröffentlicht: 16.09.2009 15:07    Kurz-URL: https://glm.io/69881

Handy-Daten - Todesstoß per Fernbedienung

Daten aus der Ferne löschen

Wer das Mobiltelefon verliert, verliert auch jede Menge privater Daten. Die drohen, in unbefugte Hände zu gelangen. Da hilft nur löschen. Das geht auch per Fernsteuerung.

Etwa 855.000 Handys fallen jedes Jahr allein in Großbritannien in die Toilette, weiß die Webseite Simplyswitch. Zwar überleben die wenigsten Telefone den unfreiwilligen Tauchgang, weitaus dramatischer aber kann der Verlust ausfallen, wenn das Mobiltelefon irgendwo verloren geht. Denn die Geräte wissen viel. Mobiltelefone sind schon lange zu Computern herangewachsen, mit jeder Menge Speicherplatz für Daten.

Wenn sogar Berufliches darauf gespeichert war, ist ein Verlust ab dem 1. September 2009 sogar meldepflichtig, sofern es sich um personenbezogene Daten handelte. Denn das verschärfte Datenschutzgesetz verpflichtet schludernde Behörden und Unternehmen ab sofort, Betroffene über den Verlust zu informieren. Aber auch für Privatpersonen kann die Vorstellung unangenehm sein, private Daten, Fotos, Kontakte und SMS könnten in die falschen Hände geraten. Laut einer Studie des Sicherheitssoftwareherstellers Symantec sind mittlerweile 42 Prozent aller Datenverluste auf Gerätediebstahl oder Liegenlassen zurückzuführen.

Remote-Knopf

In vielen Fällen allerdings gibt es eine Chance, die Daten auch aus der Entfernung zu löschen. Im IT-Sprech heißen diese Funktionen "remote erase" oder "remote wipe". Alle großen Smartphone-Systeme von Apples iPhone über den Palm Pre bis hin zu Microsoft haben einen solchen Remote-Knopf im Angebot. Auch Anbieter wie Nokia oder Samsung bieten den Service zumindest für einige Modelle ihrer Palette.

Dabei gibt es unterschiedliche Wege, auf das Handy zuzugreifen: Spezielle Applikationen beispielsweise, die zuvor installiert worden sein müssen. Oder eine Funktion, die es dem Administrator erlaubt, gleich auf mehrere Telefone seiner Mitarbeiter zuzugreifen - interessant vor allem für Firmen. Im Moment scheint sich die Methode zu etablieren, den Löschauftrag via Netz abzuschicken oder verlorene Geräte per SMS auszuknipsen.

Mit der "Mein-iPhone-suchen"-Funktion können Apple-Kunden das gute Stück nicht nur lokalisieren. Sondern über den Mobileme-Account auch den Befehl zum Löschen erteilen. Das Feature ist ab dem System iPhoneOS 3.0 voreingestellt, muss aber eigens aktiviert werden. Dazu geht man in den - allerdings kostenpflichtigen - Mobileme-Account und aktiviert die Suchfunktion. Apple empfiehlt, zudem die Code-Sperre auf dem iPhone zu nutzen, damit nur der Besitzer entscheiden kann, die Funktion ein- oder auszuschalten.

Durchdringender Ton

Falls das iPhone verloren geht, lässt es sich via Netz nicht nur löschen und auf die Werkeinstellungen zurücksetzen. Es kann auch ein zwei Minuten langer Ton abgespielt werden, der selbst dann dem Dieb in den Ohren klingt, wenn das iPhone stumm geschaltet wurde. Beeilen lohnt sich dabei. Schwierig kann es nämlich werden, wenn der Dieb das Telefon findet, bevor der Löschbefehl ergeht, wenn die Batterie leer ist oder das Gerät sich außerhalb der Reichweite eines Netzwerkes befindet. Dann könnte der neugierige Finder die Netzwerkverbindung unterbinden und sich ins Telefon hacken.

Auch beim Palm Pre lässt sich beim ersten Einrichten ein Palm-Profil anlegen, über das man dann drahtlos Updates empfangen und eben den Befehl zum "Löschen im Fernverfahren" verschicken kann. Palm bietet diesen Dienst auch für Unternehmen an - also kann der IT-Administrator das zentral für alle Mitarbeiterhandys erledigen.

Wer die Remote Control einfach nur mal so zum Spaß ausprobieren möchte, sollte sich übrigens darauf einstellen, später die Hilfe eines Technikers zu benötigen, um das Gerät wieder zum Laufen zu bringen.

Ein Blackberry kann ebenfalls recht einfach ferngesteuert zum Datenlöschen angehalten werden. Privatpersonen brauchen dafür ein eigenes Programm, beispielsweise das kleine "Anti-Theft" von Roblock. Die Anwendung, die ferngesteuert sowohl das Handy nur sperren als auch alle Daten löschen kann, bietet auch GPS-Ortung und kann alle verlorenen Kontakte wieder herstellen. Sie lässt sich im Netz für etwas über sieben Euro herunterladen. Auch bei dieser Anwendung wichtig: Erst den Wipe ausführen, dann die SIM-Karte sperren.

Lösungen für Android

Natürlich existieren auch für die wachsende Zahl der Handys, auf denen Googles Software Android läuft, einige Fernlöschlösungen. Noch in der Betaphase befindet sich zum Beispiel der Dienst Phoneloc eines privaten Entwicklers. "Nein, es schützt nicht vor den Diebstählen selbst, aber es hilft beim Wiederfinden und remotewipen/remotecontrolling eines geklauten Android Smartphones", schreibt er in einem Technikforum. Bei Phoneloc hat der Besitzer außerdem die Möglichkeit, die aktuelle Position seines Geräts in einem Googlemaps Mashup zu sehen. Und er kann ihm per SMS Befehle geben, etwa von fern den Vibrationsalarm auszulösen.

Wer den Mut nicht aufbringt, seine Daten in das Interface eines privaten Programmierers einzugeben, der kommt auch offizieller mit SMobile Anti-Theft for Android zum Ziel, muss aber an die 20 Dollar dafür bezahlen. Die Anwendung löscht sowohl Daten auf dem Gerät selbst als auch auf der SD-Speicherkarte.

My Phone ist ein mobiler Backup-Dienst für alle Handhelds, auf denen Windows Mobile läuft. Er befindet sich derzeit aber noch in der Betaphase. Mit dem Start von Windows Mobile 6.5 - angekündigt für den 6. Oktober 2009 - soll das Programm allen Interessierten zur Verfügung stehen. Bei My Phone soll das Anlegen eines Datenkontos mit bis zu 200 MByte kostenlos möglich sein. Alle Daten, Kontakte, Fotos, SMS und Kalendereinträge werden dann per Knopfdruck nicht nur gelöscht, sondern können gleich auf das neue Handy überspielt werden.

Wer Microsoft misstraut, kann auch zu einer Lösung von F-Secure oder Kaspersky greifen. Die muss allerdings in der Regel vorher auf dem Handy installiert sein. Dann reicht eine einfache SMS mit einer PIN, und das Handy ist wahlweise gesperrt, gelöscht oder unter Beobachtung. Bei GPS-fähigen Geräten kann auch ein Befehl eingegeben werden, der eine URL zu Google-Maps generiert, mit dem aktuellen Standort des Geräts. Außerdem kann es wahlweise auch von vorneherein so eingestellt werden, dass es automatisch blockiert, sobald die SIM-Karte entfernt wird.

Gefahr des Missbrauchs

Manch einer mag sich über solche Funktionen nur verhalten freuen, oder sie gar deinstallieren wollen: Schließlich lassen sich damit auch üble Streiche spielen, sobald jemand auf der Profilseite das eigene Passwort gehackt hat. Auch nutzen Firmen wie Apple und Microsoft einen ähnlichen Weg, um unliebsame Programme von registrierten Geräten zu löschen, ebenfalls per Fernsteuerung. [von Tina Klopp, Zeit Online]  (md)


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