Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0909/69802.html    Veröffentlicht: 14.09.2009 14:08    Kurz-URL: https://glm.io/69802

Spieletest: Dirt 2 - schneller Spaß statt Rallye-Realismus

Rennspiel von Codemasters mit teils spektakulärer Konsolengrafik

Überraschungsbesuche von Skate- und BMX-Legenden, zurückdrehbare Zeit, Rasen im Buggy: Schon die letzten Colin-McRae-Spiele nahmen Abschied vom schraubengenau simulierten Realismus. Mit Dirt 2 präsentiert sich die Rennspielreihe so spaßorientiert und vielseitig wie nie zuvor.

Colin McRae Dirt 2 (Xbox 360, PS3)
Colin McRae Dirt 2 (Xbox 360, PS3)
Bereits Menübildschirm und Einstiegssequenz machen deutlich, dass sich vieles geändert hat. Laute Rockmusik, modernes Design und eine auf den Spieler wartende Welttour: Die Rennen aus der Anfangszeit der Rennspielreihe mit dem 2007 verstorbenen Colin McRae, in denen PC- und Konsolenpiloten Strecken auswendig lernen und immer auf die ebenso trockenen wie präzisen Ansagen des Beifahrers hören mussten, gehören der Vergangenheit an. Um neue Rennen, Schauplätze und Karrierepunkte freizuschalten, ist jetzt größte Vielseitigkeit gefragt - in variablen Boliden und an den unterschiedlichsten Ecken der Welt.

In London, Tokio oder LA locken die Innenstädte, anderswo - etwa Utah, China oder Malaysia - warten mal staubige Pisten, mal Dschungelstrecken. Auch bei den Modi herrscht Abwechslung pur: Klassische Platzierungsrennen gibt es ebenso wie Ausscheidungsaufgaben, bei denen jeweils der letzte rausfliegt. In Zeitrennen müssen die Fahrer bestimmte Streckenabschnitte oder Runden gegen die Uhr absolvieren, zudem gilt es, Duelle zu gewinnen oder Aufsteller umzufahren.

Die von Codemasters erneut deutlich aufgebohrte Ego-Engine setzt alles bravourös in Szene: Strecken und Fahrzeuge glänzen mit einer beachtlichen Detailfülle, das Geschwindigkeitsgefühl ist beeindruckend, die Weitsicht optimal. Auch die Licht- und Partikeleffekte sind eine Klasse für sich - derart gut sah bisher kaum ein Rennspiel auf Playstation 3 und Xbox 360 aus. Hinzu kommt ein überzeugendes Schadensmodell, das Kratzer nach Remplern ebenso sichtbar macht wie deutlichere Zerstörungen nach Zusammenstößen.

Komplett unbeschadet wird ohnehin kaum jemand sein Fahrzeug vom Start zum Ziel bringen: Die KI fährt, wie von Codemasters-Rennspielen zuletzt gewohnt, recht aggressiv - was auch mal zu Frust auf Grund zu häufiger Zusammenstöße führen kann. Eigene Fehler lassen sich hingegen durch die Möglichkeit, die Zeit zurückzudrehen, notfalls korrigieren; je nach Schwierigkeitsgrad allerdings nur von Zeit zu Zeit, und zudem nur für wenige Sekunden.

Der Arcadecharakter steht bei Dirt 2 klar im Vordergrund: Zwar gibt es Einstellungsmöglichkeiten an den Wagen, allerdings sind die äußerst überschaubar. Auch das Fahrverhalten ist sehr einsteigerfreundlich gehalten, wenn auch immer noch deutlich mehr Wert auf vernünftiges Bremsverhalten gelegt wird und die Lenkung sensibler ausfällt als in reinrassigen Spaßrennern wie Burnout. Da die Herausforderungen oft kurz gehalten sind und das Drumherum mit Stadionevents und Herausforderungen bekannter Skate- oder BMX-Sportler wie Dave Mirra sehr entertainmentlastig ausfällt, eignet sich das Spiel hervorragend für ein kleines Rennen zwischendurch.

In puncto Onlinemodus hat Dirt 2 im Vergleich zum Vorgänger zugelegt. Viel mehr Optionen und Modi ermöglichen jetzt das Veranstalten eigener Wettbewerbe - alleine oder im Team. Ärgerlich hingegen: Splitscreenrennen gegen Freunde zu Hause sind nicht möglich. Ebenfalls eine kleine Enttäuschung ist, dass der Fuhrpark zwar mit lizenzierten Fahrzeugen von Herstellern wie Subaru, BMW, Mitsubishi oder Toyota aufwartet, er im direkten Vergleich zur Rennspielkonkurrenz aber recht übersichtlich gehalten ist.

Colin McRae: Dirt 2 ist für Playstation 3 und Xbox 360 sowie in einer Version für Nintendo Wii bereits erhältlich, hat eine USK-Einstufung ab sechs Jahren erhalten und kostet etwa 70 Euro. Eine PC-Umsetzung folgt nach aktuellem Stand im Dezember 2009.

Fazit

Rallyepuristen und Simulationsanhänger werden beim Spielen von Dirt 2 mehr denn je den guten alten Zeiten mit Colin McRae nachtrauern. Allen anderen Rennspielfreunden sei der Kauf dieses Titels wärmstens empfohlen: Motivierender Karrieremodus, Traumgrafik und viel Abwechslung machen Dirt 2 zu einem unkomplizierten und technisch über weite Strecken begeisternden Vergnügen.  (tw)


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