Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0909/69703.html    Veröffentlicht: 09.09.2009 15:12    Kurz-URL: https://glm.io/69703

Telekom-Chef: Breitbandausbau bringt 400.000 Arbeitsplätze

Konzerne erheben Forderungen bei Vergabe der digitalen Dividende

Die Deutsche Telekom will beim Breitbandausbau in Deutschland nicht mit Auflagen belastet werden. Das hat Konzernchef René Obermann mit Blick auf die Bundestagswahl gefordert. Konkurrent Telefónica will bei der anstehenden Versteigerung der digitalen Dividende Beschränkungen für die D-Netz-Betreiber.

Telekom-Chef René Obermann hat in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Branchenverbands Bitkom ein Jobwunder durch Breitbandausbau in Deutschland in Aussicht gestellt. Eine aktuelle Studie der Columbia Business School habe ergeben, dass die Aufrüstung der Netze auf 50 MBit/s bis zum Jahr 2014 rund 400.000 Arbeitsplätze in Deutschland schaffen würde. Das Bruttoinlandsprodukt steige dadurch bis zu dem Zeitraum um rund 60 Milliarden Euro, habe die Studie ergeben. Obermann begrüßte, dass alle Parteien sich in ihrem Programm zur Bundestagswahl für den weiteren Breitbandausbau ausgesprochen hätten.

Die für 2010 geplante Frequenzversteigerung durch die Bundesnetzagentur "sollte durch wohlüberlegte Auktionsbedingungen flankiert werden", forderte Obermann von der Politik. Wenig sinnvoll sei zum Beispiel eine pauschale Pflicht, in bisher nicht mit Breitband versorgten Gebieten Ortschaften mit weniger als 5.000 Einwohnern abzudecken, wenn sie bereits über andere Technologien mit Breitband versorgt würden. Kontraproduktiv wäre auch, die Bieter zu verpflichten, parallele Infrastrukturen in den Regionen aufzubauen. "Dies wäre bei der geringen Kundenzahl in vielen Gebieten nicht wirtschaftlich", sagte der Konzernchef.

Konkurrent Telefónica forderte einen fairen Zugang für alle Mobilfunkanbieter zu den wichtigen Frequenzen unter 1 Gigahertz. Das Spektrum sei besonders wertvoll, weil es gut für die Flächenversorgung geeignet ist, denn mit vergleichsweise wenigen Sendemasten können große Gebiete mit mobilen Sprach- und Datendiensten versorgt werden.

"Die D-Netz-Betreiber sind durch ihren frühen Markteintritt bei der Frequenzverteilung unter 1 Gigahertz bessergestellt", sagte Markus Haas, für Regulierungsfragen zuständiger Geschäftsführer bei Telefónica O2 Germany. Vodafone und T-Mobile verfügten heute über je 12,4 Megahertz im GSM-900-Bereich, O2 und E-Plus jedoch nur über je 5 Megahertz. Die "ungleiche Frequenzverteilung" auf dem deutschen Markt stelle eine Wettbewerbsverzerrung dar, so Haas.

Abhilfe könne eine Umverteilung des GSM900- und GSM1800-Spektrums schaffen. Sollten die D-Netzbetreiber sich weigern, müsse die Bundesnetzagentur eine Spektrumskappe anordnen. "Kein Mobilfunkbetreiber darf über mehr als 20 Megahertz im Bereich unter 1 Gigahertz verfügen", forderte Haas.  (asa)


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