Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0909/69649.html    Veröffentlicht: 07.09.2009 17:34    Kurz-URL: https://glm.io/69649

EU für eine europäische Lösung bei der Buchdigitalisierung

Digitalisierung "eine Herkulesaufgabe"

In dieser Woche finden bei der EU-Kommission Expertenanhörungen zu Googles Vorgehen bei der Digitalisierung von Büchern statt. Aus diesem Anlass haben die EU-Kommissare Viviane Reding und Charlie McCreevy die EU-Staaten dazu aufgerufen, eine europäische Lösung für die Digitalisierung von Büchern zu finden.

"Höchste Zeit für Europa, ein neues Kapitel über digitale Bücher und Urheberrechte aufzuschlagen", heißt es heute aus Brüssel. Die beiden einflussreichen EU-Kommissare Viviane Reding, in Brüssel zuständig für die Informationsgesellschaft, und Charlie McCreevy, zuständig für den Binnenmarkt, haben sich gemeinsam zur Digitalisierung von Büchern geäußert. Die Kommissare fordern, die vielen vergriffenen Bücher im Bestand der europäischen Bibliotheken müssten "aus der Versenkung geholt und zu neuem Leben erweckt werden".

Anlass der Verlautbarung sind die in dieser Woche bei der EU-Kommission stattfindenden Expertenanhörungen zum Google-Books-Projekt. Während Google in Rekordzeit Millionen von Büchern aus aller Welt eingescannt und digitalisiert hat, zögern die Europäer. Lediglich rund ein Prozent der europäischen Bücher seien bisher digitalisiert, heißt es in der Erklärung von Reding und McCreevy.

Das dürfe nicht so bleiben, erklären die Kommissare: "Wenn wir zu langsam in die Digitalisierung einsteigen, könnte Europas Kultur in der Zukunft Schaden nehmen." Die öffentliche Hand und öffentlich-private Partnerprojekte in den EU-Mitgliedstaaten werden aufgerufen, ihren Teil zur Bewältigung der "Herkulesaufgabe" beizusteuern.

Urheberrecht vollumfänglich beachten

Bei der Digitalisierung müssten selbstverständlich "die Regeln des Urheberrechts vollumfänglich beachtet werden und die Autoren fair entlohnt werden", so Reding und McCreevy. "Allerdings", heißt es weiter, "müssen wir auch einen kritischen Blick auf das Urheberrechtssystem werfen, das wir zurzeit in Europa haben. Ist der gegenwärtige Rahmen noch geeignet für das digitale Zeitalter? Werden die heutigen Regeln den Verbrauchern in ganz Europa den Zugriff auf digitale Bücher ermöglichen? Werden sie den Autoren eine gerechte Bezahlung garantieren? ... Ist Europas Urheberrechtsrahmen modern genug, um die Digitalisierung verwaister und vergriffener Werke zu ermöglichen?"

Antworten auf diese Fragen will die EU-Kommission diese Woche von Interessenvertretern, dem EU-Parlament und dem Europäischen Rat bekommen. Im Ergebnis wird die Kommission Vorschläge zur weiteren Harmonisierung des europäischen Urheberrechtsrahmens unterbreiten. Dazu Reding und McCreevy: "Wenn die EU erfolgreich ist, könnten wir den Grundstein für ein neues kulturelles Wachstum in Europa legen."

Was andernfalls aus der europäischen Kultur wird, lassen die Kommissare offen. Fast klingt die Erklärung wie ein Nachruf, dabei soll es doch ein Weckruf sein. [von Robert A. Gehring]  (ji)


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