Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0909/69613.html    Veröffentlicht: 07.09.2009 13:59    Kurz-URL: https://glm.io/69613

Spieletest: Cursed Mountain - Todesgefahr in Tibet

Mix aus Action und Adventure auf der Wii

Friedliche Mönche, atemberaubende Natur, verträumte Bergdörfer? Für Eric Simmons haben Tibet und der Himalaya mit dieser Bilderbuchromantik wenig gemein - stattdessen sieht er sich im Wii-Gruseladventure Cursed Mountain angriffslustigen Geistern und einer spannenden Handlung gegenüber.

Die dicksten Freunde sind Eric Simmons und sein Bruder Frank schon lange nicht mehr. Als Frank den Auftrag eines mysteriösen Briten annimmt und im gefährlichsten Teil des Himalaya nach einem wertvollen Artefakt sucht, verschlechtert sich die Beziehung zusehends - zumal Frank von der Expedition nicht zurückkehrt und fortan als verschollen gilt. Seinen familiären Pflichten kommt Eric trotzdem nach: So lange Hoffnung besteht, den Bruder lebend zu bergen, muss auch nach ihm gesucht werden. So begibt er sich in Cursed Mountain selbst in die Bergwelt, um nach Bruder und Auftraggeber zu suchen. Schnell muss er dort allerdings feststellen, dass das Verschwinden von Frank nur eines von zahlreichen seltsamen Ereignissen in der Region ist.

Bergdörfer sind wie ausgestorben, Geister irren durch die Straßen, überall herrscht der Geruch von Verwesung - offensichtlich ist Franks Verschwinden nur Teil einer größeren Katastrophe. Eric muss sich daher Schritt für Schritt und von Ort zu Ort immer dichter ans Gebirge herantasten und ein uraltes Geheimnis auflösen - gut, dass er nicht nur magische Kräfte bekämpfen muss, sondern schon bald selbst auf übersinnliche Fähigkeiten zurückgreifen kann.

Als Waffe steht ihm zwar nur ein Eispickel zur Verfügung, der lässt sich im Spielverlauf aber aufrüsten - und wird so deutlich mächtiger, als es zunächst den Anschein macht. Nicht nur Vasen lassen sich mit dem Werkzeug auf der Suche nach hilfreichen Extras zerstören: Nach Magie-Upgrades kann Eric damit auch durch Zauber versiegelte Türen aufbrechen und die immer zahlreicher werdenden Geister bekämpfen. Hat Frank einen Teil seiner Lebensenergie verloren, kann er sie mit Hilfe von Räucherstäbchen an Schreinen wieder aufladen. Räucherstäbchen und Schreine sind zwar nicht unbegrenzt verfügbar, der Schwierigkeitsgrad von Cursed Mountain bleibt aber meist angenehm fair.

Auch bei den Schockeffekten ist Cursed Mountain eher zurückhaltend. Auf der Packung prangt zwar die Bezeichnung Survival Horror und die spielerischen Parallelen zu Resident Evil sind teilweise frappierend - der Spieler läuft auch hier durch verlassene, unwirtliche Ortschaften und weiß nie, was ihn hinter der nächsten Tür erwartet. Trotzdem lebt Cursed Mountain eher vom Abenteuerflair als von der Gruselstimmung. Die Kämpfe sind kaum blutig, die Zwischensequenzen mit Standbildern unspektakulär, die Geister berechenbar. Spannung bezieht Cursed Mountain aus der clever gestrickten Story - den Entwicklern gelingt es meisterhaft, den Spieler mit der Zeit immer tiefer in die eigentümliche Bergwelt hineinzuziehen und ihn gespannt auf die Auflösung fiebern zu lassen.

Die Bedienung per Nunchuk und Wiimote klappt die meiste Zeit relativ problemlos: Laufen funktioniert per Nunchuck, Schlagen und Zielen via Wiimote. Zudem gibt es einige Gesten, die im Spiel zum Einsatz kommen - etwa wenn ein Geist via Ritual besiegt wird. Hier sind dann allerdings teils mehrere Versuche notwendig. Wii Motion Plus wird nicht unterstützt, die Abfrage ist teils ungenau. Ein weiterer Kritikpunkt: Cursed Mountain hält sich mit Tipps und Hinweisen zurück. Zwar findet Eric im Spielverlauf zahlreiche Tagebucheinträge, zusätzlich gibt es Visionen und Rückblenden. Oft muss der Spieler dennoch Wege mehrfach zurücklegen oder Haus für Haus und Tür für Tür abklappern - um immer wieder festzustellen, dass nur etwa jede zehnte geöffnet werden kann.

Ähnlich zwiespältig präsentiert sich die Technik: Die Dörfer und Gegenden rund um den Himalaya sind stimmungsvoll eingefangen. Wird per Knopfdruck das dritte Auge aktiviert - eine Art magischer Blick -, erscheint die ganze Umgebung in Schwarz- und Grautönen und es schneit - äußerst atmosphärisch! Die Zwischensequenzen hingegen enttäuschen ebenso wie die stellenweise fehlende Sprachausgabe, vor allem beim Untersuchen von Objekten gibt es nur Untertitel.

Cursed Mountain ist nur für Nintendo Wii erhältlich und kostet etwa 50 Euro. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab 16 Jahren erhalten.

Fazit

Cursed Mountain ist spannend, düster und atmosphärisch, allerdings nicht unbedingt technisch herausragend oder furchteinflößend. Spiele wie Resident Evil oder Silent Hill werden hier nicht in ihre Schranken verwiesen. Dank toller Story und viel Flair sollten Adventure- und Actionfreunde dennoch zugreifen - zumal gerade auf der Wii ähnliche Titel rar sind.  (tw)


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