Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0909/69610.html    Veröffentlicht: 10.09.2009 09:07    Kurz-URL: https://glm.io/69610

Linux-Kernel 2.6.31 unterstützt USB 3.0

Weitere Verbesserungen bei Btrfs

Linus Torvalds hat den Linux-Kernel 2.6.31 veröffentlicht, der bereits USB 3.0 unterstützt und den Fuse-Aufsatz Cuse mitliefert. Wie immer gibt es darüber hinaus eine Reihe neuer Treiber. Auch für Desktop-Nutzer hält der neue Kernel eine interessante Änderung bereit.

Linux 2.6.31 enthält einen Treiber für den USB-3.0-Host-Controller - obwohl es noch kein entsprechendes Gerät auf dem Markt gibt. Die Intel-Entwicklerin Sarah Sharp hatte den Treiber erstmals im Dezember 2008 vorgestellt, konnte ihn aber noch nicht veröffentlichen. Nach der Freigabe im Juni 2009 hatte Greg Kroah-Hartman angedeutet, den Treiber in den Linux-Kernel 2.6.31 aufnehmen zu wollen.

Mit USB 3.0 sollen Übertragungsraten von bis zu 5 Gigabit pro Sekunde möglich sein. USB 2.0 unterstützt höchstens 480 Megabit pro Sekunde. Sharps Treiber enthält auch anfängliche Unterstützung für USB-3.0-Geräte. Eine breite Auswahl an Geräten, die den neuen Standard unterstützen, wird jedoch erst für 2010 erwartet.

OSS-Emulation mit Cuse

Neu ist weiterhin Cuse ("Character Devices in Userspace"), eine Erweiterung für Fuse ("Filesystem in Userspace"). Damit lassen sich zeichenorientierte Geräte im Userspace emulieren. Andere Programme können darauf dann ganz normal zugreifen.

Tejun Heo, Entwickler von Cuse, hat einen OSS Proxy veröffentlicht, um das Open Sound System (OSS) zu emulieren. Es legt dazu die von OSS bekannten Gerätedateien an, die Ausgabe erfolgt dann über Alsa.

Überarbeitete Dateisysteme

Das als Linux-Standarddateisystem der Zukunft geltende Btrfs soll wesentlich besser skalieren, da nun "Mixed Back Reference" verwendet wird. Um den Geschwindigkeitszuwachs zu erreichen, war allerdings eine Änderung am On-Disk-Format nötig. Werden bestehende Dateisysteme mit dem neuen Kernel eingehängt, so nimmt der Kernel die nötigen Änderungen automatisch vor. Mit einem älteren Kernel lässt sich das Dateisystem dann nicht mehr einhängen. Verbesserungen gab es außerdem am SSD-Modus des Dateisystems.

Änderungen gab es auch bei Ext4: Hier ist es nun möglich, das Dateisystem im eingehängten Zustand zu defragmentieren. Komplett soll diese Unterstützung noch nicht sein. Bei XFS kommt jetzt der normale POSIX-ACL-Code zum Einsatz. Die seit dem Kernel 2.6.30 vorhandene Unterstützung für das Netzwerkdateisystem NFS 4.1 wurde ausgebaut, ist aber weiter nur für Entwickler gedacht.

Neues bei den Treibern

Kernel Mode Setting (KMS) wird jetzt bei ATI-Radeon-Karten bis einschließlich X1950 unterstützt. In Arbeit ist bereits die Unterstützung für die Modelle HD2XXX bis HD4XXX. Durch KMS wird die Grafikanzeige im Kernel initialisiert, der Startvorgang verzichtet auf Umschalten des Grafikmodus, wodurch die Anzeige flackern würde. Die Intel-Entwickler haben ihrem i915-Treiber Unterstützung für den Display Port hinzugefügt. Außerdem kennt der Treiber neue Chipsätze.

Lange mussten Linux-Nutzer auf einen Treiber für Creatives Soundkartenserien Sound Blaster X-Fi und X-Fi Titanium warten. Den Audioprozessor X-Fi Xtreme Fidelity stellte Creative schon im Mai 2005 vor. Erst im Herbst 2007 veröffentlichte der Hersteller eine Betaversion eines passenden Linux-Treibers. Und die war nur für 64-Bit-Systeme verfügbar und verlangte außerdem nach einer älteren GCC-Version. Erst 2008 folgte ein neuer freier Treiber. Fast ein Jahr später hat es der Treiber für die 20K1- und 20K2-Chipsätze in den offiziellen Kernel geschafft. Welche Hardware davon im Einzelnen unterstützt wird, ist dem Commit zu entnehmen.

Über Alsa sind noch weitere neue Soundtreiber in den Kernel gelangt. Darunter ein Treiber für das Aluminium-Macbook und ein Treiber für Achtkanal-HDMI-Audio von Nvidia. Im Netzwerkbereich ist ein Treiber für Intels Wireless Multicomm 802.11 (iwmc3200wifi) hinzugekommen. Obwohl es sich um 802.11a/g/n-Hardware handelt, können die Chipsätze mit dem Treiber derzeit aber nur als 802.11a/g genutzt werden. Außerdem sind nur der Managed- und der Ad-Hoc-Modus verfügbar.

Die 802.11n-Übertragung funktioniert dafür jetzt mit den vom rt2x00-Treiber unterstützten Ralink-Chipsätzen. Mit dem Treiber lassen sich zusätzlich auch USB-WLAN-Geräte mit dem Chipsatz rt2800usb nutzen. Die Unterstützung ist aber noch nicht vollständig, so dass sich keine 802.11n-Access-Points auffinden lassen. Der aktualisierte ath5k-Treiber für Atheros-Chipsätze ermöglicht den Betrieb als Access Point. Die "IEEE 802.15.4 Low-Rate Wireless Personal Area Networks" unterstützt der Linux-Kernel jetzt ebenfalls.

Der schon mit dem Linux-Kernel 2.6.22 aufgenommene neue Firewire-Stack ist nicht mehr länger als experimentell gekennzeichnet. Linux-Distributoren sollen vom alten IEEE1394- auf den neuen Stack umstellen. Bei dem neuen Firewire-Stack standen vor allem Design-Änderungen wie ein aufgeräumtes API im Vordergrund. Zudem nutzt der neue Stack keine Kernel-Threads, wohingegen der alte einen Thread für das Subsystem plus einen je Firewire-Controller nutzte. Die bisher vier Userspace-ABIs wurden in einem ABI zusammengefasst und über Bibliotheken soll auch die Abwärtskompatibilität sichergestellt sein.

Schnellerer Desktop

Verschiedene interne Umbauten sollen außerdem dazu führen, dass das System auch bei knappem Speicher schneller reagieren soll. Der Kernel hält dafür die wichtigen Informationen im Speicher aktiv, wodurch die Festplattenzugriffe gesenkt werden. Laut Benchmarks soll der X-Server in solchen Fällen doppelt so schnell reagieren wie bisher.

Neue Werkzeuge zur Fehleranalyse

Die Performance Counters sind ein neues Subsystem, um die gleichnamigen Register moderner CPUs auszulesen. Damit soll sich Quellcode besser auf die CPU optimieren lassen, da der Code genau analysiert wird. Derzeit unterstützt das System x86 und PPC sowie teilweise S390 und FRV. Die nötigen Userspace-Tools liefern die Kernel-Entwickler im tools-Verzeichnis direkt mit.

Entwickler sollen das GCC Coverage Testing Tool künftig für Profiling nutzen können. Mit Kmemleak sollen sich Speicherlecks aufspüren lassen, Kmemcheck prüft, ob nicht initialisierte Speicherbereiche verwendet werden.

Der Linux-Kernel 2.6.31 steht wie üblich als Archiv und Patch unter kernel.org zum Download bereit. Abhängig von ihren Aktualisierungsrichtlinien werden die die Linux-Distributoren entsprechende Pakete anbieten. Eine gute Auflistung aller neu aufgenommenen Treiber findet sich bei kernelnewbies.org.  (js)


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