Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0909/69569.html    Veröffentlicht: 03.09.2009 14:37    Kurz-URL: https://glm.io/69569

60 Minuten: Champions Online - Superhelden live in Aktion

Ersteindruck am Starttag von Cryptics Onlinerollenspiel

Superhelden, aufgepasst: In Champions Online kann es jeder Spieler zu Megakräften und einer kreischbunten Uniform bringen. Golem.de hat das jetzt auch offiziell gestartete Onlinerollenspiel von Cryptic für einen Ersteindruck ausprobiert und sich wacker in den Kampf um Millennium City eingemischt.

Wer morgens müde aus dem Haus stolpert und abends schnaufend seine Einkäufe das Treppenhaus hochschleppt - der hat eine Ahnung davon, wie es wäre, wenn wir über Superkräfte verfügen würden. Mit einem Sprung wären wir im dritten Stock, im Supermarkt könnten wir uns gleich ein paar Dutzend Mineralwasserflaschen schnappen, und die Sache mit dem anderen Geschlecht dürfte dank Traummuskeln und Superaufreißsprüchen auch geritzt sein. Um wenigstens zeitweise den Status als Megamann oder -frau zu haben, bietet sich jetzt Champions Online an: Das versetzt uns normale Menschen virtuell in den Polygonkörper von Superhelden.

Das kostenpflichtige, ein Abomodell verwendende Onlinerollenspiel der zu Atari gehörenden Cryptic Studios eröffnet nun auch in Deutschland offiziell die Server - Vorbesteller dürfen schon ein paar Tage länger spielen. Golem.de hat sich am Starttag rund eine Stunde in der finalen Version des im Zeichentrickstil gehaltenen MMORPGs herumgeprügelt.

Gleich nach dem Programmstart weckt Champions Online erst mal Erinnerungen an einen alten Bekannten: Wir werden gefragt, ob wir eine Tastaturbelegung wie bei World of Warcraft wünschen oder wie bei City of Heroes. Wir wählen die WoW-Variante und sind gespannt, was uns erwartet. Einen Klick weiter befinden wir uns mitten in der Charaktergenerierung: Hier also entsteht der künftige Superheld. Jetzt aber haben wir die Qual der Wahl zwischen 18 Frameworks - das sind vorgefertigte Heldenkonfigurationen, das Angebot reicht von Elektrizität über Eis und Telekinese bis hin zu Sorcery.

Uns überzeugt die Beschreibung "Alles um dich herum ist ein Werkzeug, das du benutzen kannst" - wir wählen das Framework Gewalt und erstellen im weiteren Charaktermenü mit wenigen Mausklicks einen unkaputtbar wirkenden Haudrauf mit Insektenflügeln auf dem Rücken. Wer mehr Zeit in den Menüs verbringen möchte, hat richtig viele Möglichkeiten: Von übernatürlich aussehenden Alienfiguren bis hin zu Superhelden-Mafiosi beiderlei Geschlechts geht alles.

Sobald die Spielfigur fertig und mit einem Namen ausgestattet ist, geht es in das Startgebiet in der Stadt Millennium City. Die ist gerade einem Überraschungsangriff der außerirdischen Qularr zum Opfer gefallen, überall brennen Hochhäuser. Nur wenige Meter von dem Ort entfernt, an dem wir uns materialisieren, steht glücklicherweise schon ein NPC namens Sergeant McAvoy mit einem Ausrufezeichen über dem Kopf, und auch der Rest läuft mehr oder weniger wie in World of Warcraft. McAvoy schickt uns auf die erste Mission, bei der wir einmal direkt ums Eck ein paar rosarote Insekteneier zerstören müssen.

Das läuft absolut problemlos ab: Hier erinnert das Kampfsystem noch sehr an das große Vorbild von Blizzard - auf der Statusleiste sehen wir die verfügbaren Angriffsmethoden, und die führen wir mit den Tasten "1" und "2" ganz einfach im Wechsel aus. Sobald die Babyaliens das Zeitliche gesegnet haben, leuchtet über dem Auftraggeber ein Fragezeichen und wir holen Erfahrungspunkte ab.

Einen Auftrag später folgt dann das nächste Detail in Champions Online: Wir erfahren, dass wir mit einem Druck auf die "Shift"-Taste in eine Blockadehaltung wechseln können, in der wir bei feindlichen Treffern weniger Schaden erleiden. Das lernen wir in einer halbwegs witzigen Mission, in der Polizisten ihre Waffe kalibrieren - mit uns als Versuchsobjekt. Dabei offenbaren sich dann aber ein paar kleine Macken in der Steuerung: So müssen wir nicht, wie das Programm in einer Statuszeile anzeigt, zum Ausführen bestimmter Aktionen die "Z", sondern die "Y"-Taste drücken - ähnliche Bugs gelten offenbar bei weiteren Befehlen, etwa rund ums Inventar. Außerdem kommt sich bei den schießenden Polizisten das kontextsensitive Mausmenü ins Gehege mit dem Angriffsbefehl, was aber bei echten Angreifern kein Problem darstellt.

Den Rest der Stunde verbringen wir mit weiteren Miniaufträgen: Bürgermeister Biselle möchte, dass wir Notfallpläne aus einem brennenden Hochhaus direkt in der Nähe retten - wo die ersten Qularr-Angreifer warten, die aber noch kein Problem darstellen. Als Belohnung gibt es einen Extragegenstand sowie den ersten Levelaufstieg. Dann probieren wir gleich einen der besonderen Manöver in Champions Online aus, indem wir uns einen Mülleimer greifen und ihn als Waffe einem Alien an den Schädel schmeißen - was schön einfach funktioniert und ganz witzig wirkt. Später soll das auch mit größeren Objekten funktionieren.

Die erste Stunde in Champions Online ist vorbei. Der erste Eindruck ist gut, könnte aber noch besser sein. Richtig gut gefallen uns die teils schicken Animationen und das System der Charaktergenerierung - das Klassensystem erlaubt viel echte spielerische Vielfalt. Außerdem sehen die anderen menschlichen Mitstreiter in den Straßenschluchten extrem unterschiedlich aus, trotzdem wirkt die Atmosphäre sehr stimmig. Nicht so gut gefallen einige Macken in der Bedienung und ein paar unübersichtliche Menüs, die zumindest auf den ersten Blick nicht logisch wirken.

In der Rubrik "60 Minuten" nimmt Golem.de aktuelle Titel direkt nach der Veröffentlichung in der offiziellen Verkaufsversion für eine Stunde unter die Lupe - Auspacken und Installieren nicht eingerechnet. Einen Test kann dieser erste Eindruck nicht ersetzen. Er gibt aber Aufschluss darüber, was die Spieler nach dem Start erwartet.  (ps)


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