Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0909/69529.html    Veröffentlicht: 03.09.2009 12:11    Kurz-URL: https://glm.io/69529

Test: Snow Leopard - ein Update mit kleinen Kehrseiten

Update schaufelt 10 GByte Speicher frei

Mit Snow Leopard alias 10.6 hat Apple das 6. Update für MacOS X fertiggestellt. Das Betriebssystem-Update will vor allem die Zukunft der Macs vorbereiten. Der Nutzer kann jetzt bereits von kleinen, aber zahlreichen Verbesserungen profitieren.

MacOS X 10.6, auch bekannt als Snow Leopard, ist der Nachfolger von MacOS X 10.5 alias Leopard. Nutzer von Leopard können eine Lizenz für 29 Euro erwerben. Wer einen Rechner nach dem 8. Juni 2009 gekauft hat, kann das Betriebssystem für 9 Euro nachbestellen. Sollte MacOS X 10.4 (Tiger) auf dem eigenen Rechner installiert sein, kann das Mac Box Set für 169 Euro gekauft werden. Hier befindet sich neben dem neuen Betriebssystem auch gleich iLife '09 und iWork '09 auf den Datenträgern.

Snow Leopard läutet das große Reinemachen ein: Seit Mitte 2006 gibt es den Macintosh-Rechner mit Intel-Hardware im Inneren. PowerPCs wurden fortan in immer weniger Macs verbaut, aber noch einige Zeit von Apple unterstützt. Mit Snow Leopard ist damit jetzt Schluss, auf PowerPC basierende Macs werden nicht mehr unterstützt. Stattdessen muss ein auf Intel basierendes System genutzt werden. Obendrein nutzt Snow Leopard die erweiterten Fähigkeiten von 64-Bit-Hardware.

Installation und Update

Die Installation der Snow-Leopard-DVD ist schnell durchgeführt. Sowohl eine Update- als auch eine Neuinstallation benötigen auf aktueller Hardware ungefähr 45 Minuten, dann ist der Anwender auf dem Desktop und kann loslegen. Die Installationsroutine nimmt dem Anwender einiges ab. Selbst die Zeitzone muss der Nutzer nicht aufwendig heraussuchen. Anhand der umgebenen WLANs stellt MacOS X sie selbst ein.

Anfangs kann der Rechner nach der Updateinstallation etwas langsamer laufen. Es folgt zunächst ein Backup durch Time Machine, die Konfiguration übernimmt Snow Leopard ebenso wie viele andere Einstellungen. Fast 9 GByte müssen auf das Sicherungslaufwerk kopiert werden, was die Systemfestplatte für einige Zeit unter hohe Last setzt. Bei der Neuinstallation fällt das natürlich auch an, allerdings erst, nachdem Time Machine konfiguriert wurde.

Der Updatevorgang selbst verlief im Test auf mehreren Rechnern unauffällig. Bis auf einige Inkompatibilitäten mit systemnaher Software, auf die wir später eingehen, funktionierte alles auf Anhieb. Nur in einem Fall gab es zunächst Probleme mit dem WLAN. Auffallend war, dass der Schlüsselbund anscheinend einige Passworteinträge neu setzen musste. Apples E-Mail-Programm forderte etwa mehrmals ein neues Passwort, das im Systemschlüsselbund eigentlich vorlag.

GByte sind nicht gleich GByte

Nach der Installation von Snow Leopard haben wir auf einem Produktivsystem rund 11 GByte an Festplattenspeicher gewonnen. Die reine Installation, ohne iLife, ist jetzt nur noch 5,7 GByte groß. Das Ganze allerdings unter neuen Bedingungen, denn Festplatten sind nun plötzlich so groß, wie es die Festplattenhersteller versprechen. Eine 160-GByte-Festplatte meldet sich mit 159,7 GByte Speicherkapazität. Diese wundersame Speichervermehrung kommt durch eine neue Zählweise zustande, die von Festplattenherstellern übernommen wurde. Beim Arbeitsspeicher nutzt Apple diese Zählweise übrigens nicht.

Trotz dieser Schummelei ist der Speichergewinn enorm. Das ist allerdings nicht weiter verwunderlich, da Snow Leopard sich des alten PowerPC-Codes entledigt hat. Macs mit G5- oder G4-Prozessor werden nicht mehr unterstützt. Hier liegt weiteres Optimierungspotenzial, denn nicht alle Anwendungen, die mitgeliefert werden, sind reine Intel-Anwendungen. Die Systemeinstellungen sind beispielsweise noch immer ein Universal Binary, also eine Anwendung, die bis zu vier Plattformen unterstützt. Für Intel-Anwendungen braucht es eigentlich nur ein 32- und 64-Bit-Binary.

Positiv wirkt sich die Schlankheitskur auch auf MacOS-X-Notsysteme aus. Wer MacOS auf einer SD-Karte installieren möchte, brauchte mit MacOS X 10.5 noch etwa 7,3 GByte freien Speicher auf der Karte. Das reduziert sich jetzt auf 3,8 GByte unter Weglassung aller nicht notwendigen Komponenten. Auf eine 4-GByte-SD-Karte ließ sich MacOS X 10.6 aber nicht installieren. Eine 8-GByte-SD-Karte ist also weiterhin Pflicht.

Der Schreibtisch und der Finder

Beim Betrachten des frisch installierten Desktops fällt zunächst fast nichts auf. Neuerungen, die ins Auge stechen, gibt es nicht. Erst beim genaueren Hinschauen findet sich an vielen Stellen eine Verbesserung. Praktisch ist beim Finder jetzt in der Symbolansicht ein kleiner Schieberegler auf der rechten unteren Seite. Mit diesem Schieberegler lassen sich die Dateisymbole im Finder vergrößern oder verkleinern. Neu ist auch die Möglichkeit, Filme direkt in der Icon-Darstellung zu betrachten. Das funktioniert auch auf dem Desktop.

Beim Scrollen durch den Programmordner oder einen Ordner mit vielen unterschiedlichen Elementen bemerkt der Nutzer Geschwindigkeitssteigerungen. Der Aufbau geht deutlich zügiger voran. Das Stocken, das bei Leopard noch auffallend war, fehlt.

Auch am Dock hat Apple gearbeitet. Die Stapel (Stacks) sind deutlich angenehmer in der Bedienung. Der Anwender kann endlich in diesen scrollen, etwa wenn der Bildschirm nicht groß genug ist, und sich in den Ordnern auch bewegen, ohne extra den Finder zu bemühen. Verschiedene Darstellungsoptionen runden das Ganze ab.

Wer viel mit Fenstern hantiert, wird sich über eine Verbesserung der Exposé-Funktion freuen. Statt der chaotischen Anzeige aller Fenster werden sie nun in Tabellenform aufgereiht. Außerdem löst ein längerer Druck auf ein Dock-Symbol ebenfalls Exposé aus. Dann werden alle Fenster dieser Anwendung angezeigt. Der Nutzer kann im Dock sogar hin und her klicken und so zwischen Anwendungen in der Exposé-Ansicht wechseln.

Kleine Änderungen

Viele Änderungen findet der Anwender erst bei genauerem Hinsehen. Apple hat etwa das systemeigene und -weite Adressbuch um eine Synchronisiermöglichkeit mit Google und Yahoo erweitert, die auch ohne MobileMe-Account funktioniert.

Einen Google-Kalender kann der Nutzer einfacher in iCal integrieren. Das geht auch mit freigegebenen Kalendern anderer Nutzer. Früher brauchte es die Anwendung Calaboration, die Google allerdings nicht selbst empfiehlt, oder das Befolgen der etwas umständlichen iCal-Anleitung.

Wer mehrsprachig arbeitet, dürfte Freude an einer kleinen Änderung haben: Die Festlegung des Kommas und des Punktes in Zahlen lässt sich jetzt direkt in den Systemeinstellungen festlegen. Vorher musste für den Vorgang die Sprache des Betriebssystems geändert werden, was nur durch neues Einloggen zuverlässig funktionierte.

Mobile Nutzer können sich auf zuverlässigeres Massenauswerfen von Netzlaufwerken freuen: eine Anzeige, wie stark das WLAN ist, bevor der Nutzer sich verbindet und eine Warnung, die MacOS X ausgibt, wenn der Akku langsam schlapp macht. Einen ähnlich guten Dienst bietet aber auch das regelmäßige Aufrufen des kleinen Hilfsprogramms Coconutbattery.

Der Papierkorb kann jetzt etwas, das bei anderen Betriebssystemen schon seit Jahren selbstverständlich ist: Gelöschte Elemente können wieder an den ursprünglichen Ort zurückgelegt werden. Vorher musste der Nutzer seine Dateien selbst an die richtige Stelle bewegen. Das Dateisystem ZFS, das Sun schon vor Jahren für MacOS X angekündigt hat, fehlt übrigens ebenso wie eine Unterstützung von Exfat-Datenträgern.

Inkompatibilitäten

MacOS X arbeitet jetzt verstärkt 64-bittig. Apple ist im Unterschied zu Microsoft in dieser Hinsicht immer wieder mutig und wirft altes Zeug einfach über Bord. Während Microsoft seit Windows XP den langsamen, aber selbst mit Windows 7 noch immer nicht vollzogenen Umstieg auf 64 Bit vorbereitet, lässt Snow Leopard dem Anwender auf 64-Bit-fähigen Rechnern keine Wahl. Einige Kernkomponenten wie etwa der Kernel laufen unter Snow Leopard aber nur auf Wunsch im 64-Bit-Modus. Dazu muss der Anwender während des Bootens die Tasten 6 und 4 gedrückt halten.

Aber auch dieser Teilumstieg auf 64 Bit hat Konsequenzen bei der Kompatibilität. Einzelne Prefpanes der Systemeinstellungen können nur nach einem Neustart der Systemeinstellung im 32-Bit-Modus gestartet und konfiguriert werden. Dazu gehört etwa MacFUSE. MacFUSE brauchen unter anderem Anwender, die auf NTFS-Datenträger auch schreibend zugreifen wollen. Andere Anwendungen, zum Glück nur sehr wenige, funktionieren gar nicht. Eine davon ist das Safari-Plug-in InquisitorX.

Das praktische Menu Meters, das wichtige Systeminformationen in der Menübar anzeigt, läuft auf neueren Macs nicht. Der Entwickler arbeitet bereits an einer 64-Bit-fähigen Version des Programms. Ältere Macs mit Snow Leopard können es hingegen starten. Auf einem älteren Mac mini mit Core-Duo-Prozessor lief das Programm Menu Meters ohne Probleme.

Weitere inkompatible Software listet Apple in dem Supportdokument HT3258. Eine von Nutzern erstellte Kompatibilitätsliste bei Wikidot hilft ebenfalls beim Klären von Kompatibilitätsfragen. Viele Entwickler sind dabei, solche Probleme zu lösen und haben bereits Betaversionen ihrer Software veröffentlicht.

Quicktime X ist schneller, nimmt auf und trimmt

Quicktime kann fortan Videos kürzen (trimmen), die Eingaben des Nutzers auf dem Desktop aufnehmen und das aufgenommene oder bearbeitete Videomaterial direkt auf das Videoportal Youtube hochladen. Auch umcodieren von Material ist möglich. Die alte Pro-Lizenz für Quicktime, die Funktionen in der Abspielsoftware freischaltete, gibt es nicht mehr. Der Anwender kann das Videomaterial so auch für iTunes aufbereiten und etwa als iPhone-, AppleTV oder Computerformat abspeichern. Hinter diesen drei Begriffen stecken verschiedene Einstellungen für das Videoresultat. Einstellungen, um den Quicktime Player den eigenen Vorlieben anzupassen, gibt es seltsamerweise nicht. Der Player ist allerdings sehr einfach in der Bedienung.

Das neue Quicktime X geht sehr ressourcenschonend mit Filmaterial um. Die Auslastung der CPU liegt beim dritten Trailer von Wall-E in 1080p beispielsweise bei nur 13 bis 15 Prozent. Das funktioniert auch mit mehreren Filmen, sofern der Anwender das Bedürfnis hat, zwei parallel anzuschauen.

Quicktime 7 belastet die CPU drastisch stärker und erreicht mit 22 Prozent fast die doppelte Auslastung des Prozessors. Es gehört nicht mehr zur Standardinstallation von MacOS X, kann aber bei Bedarf nachinstalliert werden. Bei einer Upgradeinstallation von Leopard bleibt es im System. Interessanterweise ist Quicktime 7 auf dem Vorgängerbetriebssystem nicht ganz so leistungshungrig. Hier bleibt der Wall-E-Trailer knapp unterhalb der 20-Prozent-Auslastung.

Wie stark Quicktime die Videodecodierung optimieren kann, zeigt sich auch, wenn diese Aufgabe auf die CPU umgelegt wird. Das passiert etwa, wenn ein Prozess schon die fest verdrahteten Einheiten der GPU zur Videobeschleunigung nutzt. Ein zweiter Mediaplayer hat dann keinen Zugriff auf die GPU-Einheiten und belastet die CPU.

Quicktime 7 lastet den Core 2 Duo des Mac mini unter Snow Leopard mit dem 1080p-Trailer zu etwa 70 bis 80 Prozent aus. Zwei Prozesse sind dann für die hohe Last verantwortlich: vdecoder und Quicktime Player 7. Unter Leopard ist Quicktime 7 wieder etwas genügsamer. Bei Quicktime X für Snow Leopard sind es nur etwas mehr als 45 bis 55 Prozent ohne zusätzlichen Prozess. Einen zusätzlichen Prozess gibt es nur, wenn das Codecpaket wie Perian genutzt werden muss. Zwischen Quicktime 7 und X liegt der Videolan-Client. Er lastet die CPU zu etwa 65 Prozent aus.

ITunes nutzt unter MacOS X auch die durch Quicktime X vorgenommenen Optimierungen und zeigt nur eine minimal höhere CPU-Auslastung als der Quicktime Player beim Abspielen von Filmdateien.

Auf die elektrische Leistungsaufnahme wirkt sich das Decodieren des Datenstroms auf der GPU übrigens positiv aus. Etwa zwei bis drei Watt geringer fällt die Leistungsaufnahme aus.

OpenCL ohne Anwendungen

Anwendungen, die OpenCL (Open Computing Language) nutzen, sind noch sehr spärlich. Nicht einmal Apple legt etwas bei. Eines der wenigen Programme, die OpenCL nutzen, ist ein kleines Benchmark-Tool, das zumindest Hinweise auf die Leistungssteigerung liefert.

Eine einfache Additionsaufgabe, die der Test laut Entwickler durchführt, wird einmal auf der CPU und einmal auf der GPU berechnet. Im Test zeigte sich auf zwei Macs allerdings etwas Seltsames. Sobald der OpenCL-Test läuft, bleibt der Mac für einige Sekunden einfach stehen. Das Gleiche passierte auch beim AO-Bench. Vermutlich wird die Grafikkarte zu sehr belastet. Wenn OpenCL sinnvoll genutzt wird, wird die Anwendung der Grafikkarte hoffentlich genug Zeit geben, um sich auch noch um den Desktop zu kümmern.

Die Berechnungen sind unter der Nutzung von OpenCL auf der GPU deutlich schneller, als wenn sie auf der CPU durchgeführt werden. Allerdings haben die Ergebnisse mangels nützlicher OpenCL-Applikationen bisher wenig Praxisrelevanz.

Apple Mail ist schneller, kann aber weiterhin nicht viel

Apples eigenes E-Mail-Programm ist spürbar schneller geworden - frühere Versionen stockten häufig. Außerdem kann der Anwender endlich die Mailordner anordnen wie er will, ohne sie umbenennen zu müssen.

Apple Mail speichert wie gehabt jede E-Mail als einzelne Datei. Das ist sehr backupfreundlich, da die Unterschiede zwischen einzelnen Backups nur klein sind. Damit gibt es zu Apples Mailprogramm leider kaum eine Alternative. Mozillas Thunderbird nutzt Unix-Mailboxen, die sich bei großen und aktiven E-Mail-Accounts ständig ändern, so dass in einigen Fällen stündlich mehrere Gigabyte gesichert werden müssen.

Geblieben sind leider deutliche Schwächen in der IMAP-Unterstützung. Weder mit einem Courier- noch mit einem Cyrus-Server funktionieren Selbstverständlichkeiten wie das Abonnieren einzelner Ordner. Auch Mail-Label oder alternierende Reihen bei der Ansicht der eingegangenen E-Mails müssen mühsam nachgerüstet werden. Derzeit sind viele dieser Mail-Plug-ins noch nicht kompatibel mit Snow Leopard.

An den Funktionsumfang eines Mailprogramms für den Geschäftsalltag, wie etwa The Bat von Ritlabs, kommt Apple Mail ohnehin nicht heran. Apples Mailprogramm ist vor allem für einzelne Accounts interessant. Durch eine andere Bedienphilosophie ist der Umstieg für einen Thunderbird-Nutzer weiterhin sehr gewöhnungsbedürftig.

Wake on (W)LAN

Im Hardwarebereich ungewöhnlich ist das Wecken von Hardware über eine WLAN-Verbindung. Das geht mit Snow Leopard, wird aber nicht von jedem Mac unterstützt. Im System Profiler steht ein Eintrag, der im Zweifelsfall darüber informiert, ob der Mac auch über das WLAN aufgeweckt werden kann. Auch in den Energieeinstellungen gibt es einen Hinweis, der im Deutschen etwas unglücklich vom Beenden des Ruhezustands über das Netzwerk spricht. Alternativ kann ein Mac auch ganz normal über das LAN geweckt werden.

Unsere Tests verliefen nicht immer erfolgreich. Im Büro mit einer Airport Extreme Base Station mit 802.11n-Draft-Unterstützung der ersten Generation ließ sich ein Macbook Pro nicht wecken. Der Bonjour Sleeping Proxy speicherte zudem keine Dienste. Nachdem sich der Mac schlafen gelegt hatte, war er im Netzwerk unsichtbar.

Erst in einer anderen Umgebung mit einer Airport Extreme Base Station der zweiten Generation funktionierte das Aufwecken des Macbooks. Die Basisstation fungierte diesmal allerdings als Router und DHCP-Server. In der Büroumgebung hingegen war die Basisstation als reiner Access Point im Bridge-Modus konfiguriert.

Für Apple-Netzwerk-Umgebungen ist dies eine interessante Funktion. Wer einen Mac mini etwa als Medienserver einsetzt, muss ihn nun wirklich nur bei Bedarf anschalten - und das auch noch über das Netzwerk. Das funktioniert sogar mit einem Rechner mit Windows. Auch er kann einen Snow-Leopard-Rechner aufwecken.

Der Bonjour Sleep Proxy, der notwendig ist, damit die Dienste eines Rechners im Netzwerk auch im ausgeschalteten Zustand sichtbar bleiben, ist derzeit nur in Apples neueren Access Points zu finden. Er wurde mit der Firmware 7.4.2 in die Gerätesoftware integriert. Möglicherweise werden auch Fremdhersteller diese Funktion unterstützen. Hier heißt es abwarten.

Die Time-Machine-Funktion gab es schließlich auch etwas später in vielen Netzwerkgeräten. Geräte, die den Bonjour Sleep Proxy nutzen, müssen ab und an aufwachen, um sich beim Proxy zu melden. Einige Apple-Rechner können das jedoch nicht, ohne dass sich beispielsweise das optische Laufwerk lautstark meldet. Für einige Apple-Rechner gibt es deswegen ein Firmwareupgrade, das die Laufwerke zum Schweigen bringt.

Benchmarks und Leistungssteigerungen

Für die Benchmarks nutzte Golem.de einen Mac mini der neuesten Generation. Er wurde allerdings aufgerüstet. So finden sich an der Seite des mit 2 GHz getakteten Core 2 Duo 4 GByte Arbeitsspeicher und die 120-GByte-Festplatte wurde durch eine Intel-SSD der ersten Generation mit 80 GByte ausgetauscht. Aufgrund der veränderten Hardwareausstattung sind die Ergebnisse nur bedingt mit dem Test des Mac mini mit zwei Grafikausgängen vergleichbar. Eins vorweg: Was die Benchmarks nicht zeigen, ist der enorme Gewinn an Arbeitsgeschwindigkeit des Systems durch die SSD. Allerdings geht das auf Kosten der Speicherkapazität.

Für Safari verspricht Apple unter Snow Leopard weitere Leistungssteigerungen. Tatsächlich konnten wir dies im Sunspider-Benchmark auch nachvollziehen. Den Sunspider-Test absolvierte Safari auf dem Mac mini in nur 563 Sekunden. Mit MacOS X 10.5 waren es hingegen mehr als 900 Sekunden, die der Benchmark brauchte. In Futuremarks Peacekeeper-Benchmark war diese enorme Leistungssteigerung jedoch nicht nachvollziehbar. Die Ergebnisse waren nahezu identisch bei etwa 2.925 Punkten.

Beim Benchmark Cinebench R10 zeigten sich ebenfalls keine Unterschiede zwischen Leopard und Snow Leopard. Beim xCPU-Test pendelten sich die Ergebnisse um die 4.250 Punkte ein und beim OpenGL-Test waren es jeweils knapp 4.000 Punkte.

In anderen Messungen zeigten sich auch Nachteile beim Einsatz von Snow Leopard. So konnten wir gegenüber Leopard eine verlängerte Bootzeit messen. Auf dem mit SSD bestückten Mac mini braucht Snow Leopard bis zum Desktop 35 Sekunden und Leopard nur 32 Sekunden. Zudem ist die Leistungsaufnahme auf dem Mac mini mit Snow Leopard um 1 bis 2 Watt gestiegen.

Fazit

Wer Snow Leopard, ohne sich mit der Thematik zu beschäftigen, einfach über sein Leopard installiert, wird von dem Schneekätzchen nicht viel mitbekommen. Großartige sichtbare Änderungen bleiben aus. Erst wer das sehr umfangreiche Dokument der Änderungen durcharbeitet, findet an vielen Stellen praktische Änderungen, die aber jeder für sich und seinen Arbeitsstil selbst entdecken muss. Auf ein neues Theme oder neue Symbole, um den Schein großer Neuerungen zu erwecken, hat Apple verzichtet.

Der Anwender fühlt sich mit dem neuen Betriebssystem sofort wohl und findet im Laufe der Zeit Gefallen an den kleinen, aber zahlreichen Änderungen. Snow Leopard ist gefühlt vor allem beim Finder schneller und entledigt sich alten Ballasts aus PowerPC-Zeiten. Das dürfte der zukünftigen Entwicklung zugute kommen.

Die bisher vorhandenen Probleme, die Golem.de im Test entdecken konnte, sind vernachlässigbar. Außerdem ist Apple bekannt dafür, das erste Update eines Betriebssystems recht schnell nachzuschieben. Ein gutes Backup vorausgesetzt, kann der Anwender eigentlich bedenkenlos zu Snow Leopard greifen. Das Betriebssystemupdate ist günstig und die plötzlich gewonnenen 10 GByte Speicherkapazität ersparen erstmal den Austausch der Festplatte.  (ase)


Verwandte Artikel:
Firmwareupdate macht Laufwerk des Mac mini und iMacs leiser   
(01.09.2009, https://glm.io/69471 )
Apple: Snow Leopard kommt offiziell am 28. August 2009   
(24.08.2009, https://glm.io/69288 )
Retrofit Kit: Alte MacOS-Versionen für APFS fit machen   
(22.02.2018, https://glm.io/132913 )
iOS und MacOS: Apple will sich mehr Zeit bei Software-Entwicklung lassen   
(31.01.2018, https://glm.io/132486 )
Visual Studio 2017 für Mac: Mac-Entwicklungsumgebung für iOS- und MacOS-Apps   
(10.05.2017, https://glm.io/127750 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/